Daimler und Renault-Nissan rücken in Krise weiter zusammen

Daimler und Renault-Nissan: Kooperation

— 28.09.2012

Flirt statt Fusion

Daimler und Renault wollen enger zusammenarbeiten. Mehr sei aber nicht drin: Man könne "mit einem Flirt glücklich sein, ohne gleich heiraten zu müssen".

(dpa) Die Krise als Katalysator: Der Autobauer Daimler und die Allianz aus Renault und Nissan wollen noch stärker zusammenarbeiten, um effizienter zu produzieren und die Kosten besser in den Griff zu bekommen. Die Unternehmen würden ihre seit 2010 laufende Kooperation weiter vertiefen, teilten die Konzernchefs Dieter Zetsche und Carlos Ghosn am 28. September 2012 auf dem Autosalon Paris mit. So würden Renault und Daimler künftig gemeinsam einen neuen Vierzylinder-Motor entwickeln. Nissan erhält von Daimler außerdem eine Lizenz zur Fertigung von Automatik-Getrieben für seine Nobelmarke Infiniti. Motoren und Getriebe sollen von 2016 an zum Einsatz kommen.

Daimler: Co-Produktion mit Renault-Nissan

In Zukunft könnten auch Infiniti-Modelle auf Basis der Mercedes-Benz-Architektur gebaut werden. Die Produktion eines Einstiegsmodells für die Luxusklasse solle 2015 starten. Ein Standort wurde noch nicht genannt. Entsprechende Überlegungen für Infiniti hatte Ghosn schon 2011 auf der Automesse IAA in Frankfurt ins Spiel gebracht. Auch bei alternativen Antrieben sprechen die Partner über eine engere Zusammenarbeit.

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Durch eine gemeinsame Entwicklung von Brennstoffzellen könne gerade bei dieser sehr teuren Technologie Geld gespart werden. In der Absatzkrise sei diese Kooperation noch wichtiger, sagte Ghosn. Denn der Kostendruck steige und mache Einsparungen durch gemeinsame Entwicklungen oder die Produktion höherer Stückzahlen notwendig. Beides soll mit der Zusammenarbeit bei den Getrieben und Motoren erreicht werden. Konkrete Einsparziele oder Zahlen zur bisherigen Ersparnis nannten Zetsche und Ghosn allerdings nicht.

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Effizienter werden müssen aber beide: Die Stuttgarter hatten im September 2012 eingeräumt, dass der operative Gewinn ihrer Pkw-Sparte unter dem Rekordniveau des Vorjahres von rund 5,2 Milliarden Euro bleiben werde und ein Sparprogramm angekündigt. Renault sieht sein Ziel gefährdet, dieses Jahr mehr Autos zu verkaufen als im Rekordjahr 2011. Größtes Problem der Franzosen seien zu hohe Arbeitskosten und eine geringe Flexibilität im Heimatland. Bei den laufenden Kooperationen sehen sich Zetsche und Ghosn dagegen auf einem guten Weg: Die gemeinsame Produktion des neuen Smart auf der Plattform des Renault Twingo laufe nach Plan, hieß es. Demnach soll der Smart 2014 auf die Straße kommen. Auch den Drei-Zylinder-Benzinmotor für Smart und Twingo entwickeln die Partner bereits gemeinsam.

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Ebenfalls von 2014 an sollen im Nissan-Werk im US-Bundesstaat Tennessee Mercedes-Vierzylinder-Motoren gemeinsam produziert werden. Die sollen dann sowohl in Benz- also auch in Infiniti-Modellen eingesetzt werden. Pro Jahr sollen 250.000 Motoren entstehen. Damit würde Daimlers Autofabrik im Bundesstaat Alabama erstmals mit Motoren direkt aus den USA beliefert. Bereits Anfang September hatte Daimler mit seinem Stadtlieferwagen Citan das erste Auto vorgestellt, dass die Zusammenarbeit auf die Straße bringt. Der Mini-Transporter, der im französischen Maubeuge gebaut wird, basiert auf dem Renault-Modell Kangoo und soll den Stuttgartern in Europa vier bis fünf Prozent Marktanteil bei kleinen Vans bringen. Das würde einen Absatz von 30.000 bis 35.000 Fahrzeugen im Jahr bedeuten.

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Ihre gegenseitige Beteiligung von aktuell 3,1 Prozent wollen die Konzerne aber nicht ausweiten. Man könne mit einem "Flirt" glücklich sein, ohne gleich heiraten zu müssen, sagte Ghosn. Daimler und Renault-Nissan hatten ihre Partnerschaft im April 2010 mit dem gegenseitigen Einstieg begonnen. Renault und Nissan bilden seit 1999 ein Bündnis. Die Unternehmen haben mit Ghosn denselben Chef und teilen sich Märkte und Kosten.

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