DaimlerChrysler fordert Einsparungen

DaimlerChrysler fordert Einsparungen

— 13.07.2004

6000 Stellen in Gefahr

Im Stammwerk von Mercedes-Benz soll massiv gespart werden. Wenn der Betriebsrat nicht mitspielt, droht Produktionsverlagerung.

Bis zu 700 Euro weniger Lohn

DaimlerChrysler setzt die Gewerkschaften massiv unter Druck. Wenn der Betriebsrat nicht zu greren Zugestndnissen bereit sei, drohten im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen ab dem Jahr 2007 rund 6000 Arbeitspltze gestrichen zu werden, sagte Personalvorstand Gnter Fleig in Stuttgart. Nach den Worten von Mercedes-Benz-Vorstandschef Prof. Jrgen Hubbert muss der Konflikt zwischen dem Betriebsrat und der Konzernfhrung bis Ende Juli gelst werden, um alle notwendigen Bestellungen fr Maschinen und Roboter vornehmen zu knnen.

Durch den Verzicht auf bisherige Lohnbestandteile sollen nach Konzernangaben mittelfristig Einsparungen von 500 Millionen Euro pro Jahr erzielt werden. Sollte der Betriebsrat kein Entgegenkommen zeigen, so sagte Fleig weiter, werde die nchste Generation der C-Klasse nicht in Baden-Wrttemberg, sondern im produktiveren Werk Bremen und am kostengnstigeren Standort East London in Sdafrika hergestellt. Sollte es keine Einigung mit dem Betriebsrat geben, werde die C-Klasse-Produktion in Bremen auf 1200 Fahrzeuge tglich und in Sdafrika auf 300 aufgestockt. Zurzeit werden in Bremen 700 bis 750 C-Klasse-Modelle hergestellt.

Der Konzern will unter anderem das Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie die Mehrarbeitszuschlge krzen. Ein weiterer Knackpunkt der Verhandlungen zwischen Gesamtbetriebsrat und Konzernleitung ist die Einfhrung des Entgeltrahmen-Tarifvertrags (ERA), der die schrittweise Einfhrung der gleichen Bezahlung von Arbeitern und Angestellten regelt. Die Vorstellungen des Vorstands fhrten bei einzelnen Arbeitern zu Einkommenseinbuen von bis zu 700 Euro im Monat, moniert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm.

Ohne C-Klasse hat Sindelfingen ein Problem

Der Betriebsrat hat dem Konzern bisher Einsparungen in Hhe von 180 Millionen Euro angeboten. Der Vorstand hat dieses Angebot als unzureichend abgelehnt. Gehe der Betriebsrat aber auf das Einsparziel von 500 Millionen Euro ein, so Hubbert, werde der Vorstand fr ein Jahr auf die Erhhung seiner Gehlter verzichten. Der Noch-Mercedes-Chef sprach mit Blick auf die Werke in Baden-Wrttemberg von "gravierenden Kostennachteilen" gegenber anderen Tarifgebieten in Deutschland. Dazu zhlte er die "Steinkhler-Pause" von fnf Minuten pro Stunde sowie die Sptschicht-Zuschlge von 15 Prozent im Sdwesten von mittags zwlf Uhr an. "Wir mssen die baden-wrttembergische Krankheit beseitigen."

Auch liege die effektive Arbeitszeit in Baden-Wrttemberg bei 30,3 Stunden pro Woche, in Bremen immerhin bei 31,9 Stunden. Am Samstag hatten die 12.000 Beschftigten des Werks Sindelfingen bereits einmal ihre Arbeit nicht angetreten. Dadurch kam es in der Fabrik zu einem Produktionsausfall von 1000 Fahrzeugen. Am Donnerstag hat der Betriebsrat smtliche DaimlerChrysler-Mitarbeiter in Deutschland zu Protestaktionen aufgerufen. Das Management scheint in einer guten Verhandlungsposition. "Sindelfingen braucht die C-Klasse. Ohne die C-Klasse htte Sindelfingen ein echtes Problem", wird in Betriebsratskreisen zugegeben. Entsprechende berlegungen des Vorstands hatten die Arbeitnehmervertreter noch vor kurzem als "vllig aus der Welt gegriffen" bezeichnet.

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