DaimlerChrysler-Vorstand Eckhard Cordes

Der Mann mit dem gewissen Händchen

DaimlerChrysler-Vorstand Eckhard Cordes

— 26.07.2002

Der Mann mit dem gewissen Händchen

Die US-Lkw-Sparte hat er wieder auf Kurs gebracht. Jetzt gilt Nutzfahrzeug-Vorstand Eckhard Cordes als einer der Kronprinzen für den Chefposten bei DaimlerChrysler.

Von Brötchenschmierern und Sanierern

Die Hände unterstreichen, deuten, durchschneiden die Luft, ziehen imaginäre Linien, verleihen den Worten Nachdruck. Wie können diese stets aktiven Hände eine Tasse Kaffee zum Mund führen, ohne dass der Inhalt sich bereits auf halber Strecke über dem Konferenztisch ergießt? Sie können das. Eckhard Cordes hat seine Hände und sich selbst scheinbar in jeder Situation unter Kontrolle. Cordes gilt als der Daimler-Manager, der neben Chrysler-Präsident Dieter Zetsche als Kronprinz von Vorstandschef Jürgen Schrempp gehandelt wird. Der 51-jährige Konzernstratege fädelte für Schrempp die Fusion mit Chrysler ein, sorgte für die reibungslose Beteiligung an Mitsubishi und bereitet nun den Einstieg in China vor. Seit Ende 2000 leitet er im Vorstand das Konjunktur gebeutelte Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge.

Wie ein Brummifahrer sieht Cordes nicht aus. Selbst wenn er die Trucker-Lederjacke, die er zum 50. Geburtstag geschenkt bekam, aus Spaß überzieht. Auch der Lkw-Führerschein, den er nach einer "angemessenen Anzahl" von Fahrstunden in der Tasche hatte, macht aus ihm keinen Kapitän der Landstraße. Schlank, vom Joggen trainiert, leicht gebräunt, hanseatisches Auftreten. Ein Weißer-Kragen-Stratege, der den Blaumann nur vom Hörensagen kennt? Ein Eindruck, der wie viele andere täuscht. Viel Zeit seines Berufslebens verbrachte er in der Nähe von Fließbändern. Kontrollierter Profi, Emotionslosigkeit und Kälte wird ihm unterstellt.

Cordes ist schlicht ein ernsthafter Manager, mit einem Humor, der sich nicht sofort und schon gar nicht bei Pressekonferenzen, Hauptversammlungen oder Vorträgen zeigt. Sein Witz kommt trocken, leise. Wenn er etwa das Für und Wider der Möglichkeiten einer Kooperation anhand eines Brötchenschmierers und eines Wurstproduzenten erläutert. Liefert der Wursthersteller nur die Delikatesse, damit der Partner sie aufs Brot legen kann oder verbündet er sich gleich mit ihm, damit die Partnerschaft auf einer engeren Basis steht mit dem Risiko, dass Wurst und Brötchen zusammen am Ende nicht schmecken, oder eröffnet er ihm sogar ein Teil des Geheimnisses der Wurstherstellung? Ob man nun Lkw verkauft, Unternehmen fusioniert oder Wurst und Brötchen zusammenführt, das Prinzip ist ähnlich. So einfach kann Wirtschaft sein.

Vom Assi des Werkleiters zum Vorstand

Dozieren mit Spaß. Auch das ist Cordes. Ein Erbe seines Studiums. Nach dem Hochschulabschluss 1974 als Betriebswirt an der Universität Hamburg arbeitete er zwei Jahre lang als wissenschaftlicher Assistent, lehrte und schrieb an der Doktorarbeit. Cordes, geboren in Neumünster, wirkt nicht so Kraft strotzend wie Schrempp, nicht so hemdsärmelig wie Zetsche. Streits scheut er dennoch nicht. Als er den Lkw-Bereich übernahm, hatten die Probleme Überhand genommen. Nach einem Monat kannte er die Gründe der Schieflage und knöpfte sich, so heißt es, Zetsche vor, um ihm die Meinung zu sagen. Bessere Freunde sind sie seither nicht.

Cordes ist der Stratege, der stets präzise die ihm zugewiesenen Aufgaben erfüllte. So beschritt er den klassischen Daimler-Karriereweg. Er fing als Assistent des Werksleiters in Sindelfingen 1976 an, wurde Chef der Produktkontrolle "Neue Nutzfahrzeuge", Direktor für Controlling erst bei Mercedes-Benz do Brasil, dann bei AEG, Mitglied des Direktionskreises Konzernstrategie und Mergers & Acquisitions, stellvertretendes Vorstandsmitglied und 1997 ordentlicher Vorstand für Konzernentwicklung und industrielle Beteiligung. Bald bekam er neben der Konzernentwicklung auch den Bereich IT-Management zugewiesen. Nun ist er im Geschäftsfeld Nutzfahrzeuge gelandet.

Alle drei bis fünf Jahre bekam er bislang einen neuen Job übertragen, "in unterschiedlichen Teilen der Welt, in unterschiedlichen Sparten des Konzerns". Das verhinderte auch nach 26 Jahren Betriebszugehörigkeit Langeweile. Ein Mal liebäugelte er mit einem Wechsel. Als er in Frankfurt arbeitete, bot ihm die Deutsche Bank eine Führungsposition an. Die Verträge waren unterschriftsreif. Doch der Vater von drei Söhnen schlug das "hoch attraktive" Angebot aus. Wer bei DaimlerChrysler ist, "ist nie bei Null". Auch nicht, wenn die Haustüre abends ins Schloss fällt. "Aber wenn es keine Störungen gibt, schalte ich ab", sagt Cordes, der kaum fernsieht. Dann kommen auch die Hände zur Ruhe.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.