Das erste Wasserstoff-Serienauto

Das erste Wasserstoff-Serienauto

— 20.09.2006

Pack die Zukunft in den Tank!

Versuchsfahrt im BMW Hydrogen 7, dem ersten Seriennmobil der Welt mit Wasserstoffantrieb. Eine noch sehr teure Alternative.

Wer wrde schon auf die Idee kommen, am Auspuff zu schnuppern? Na, AUTO BILD! Schlielich wusste schon Altkanzler Helmut Kohl: Entscheidend ist, was hinten raus kommt. Und siehe da, die Reporterbrille beschlgt, es ist so hei wie unterm Fhn. Nur heier Wasserdampf und ein wenig Stickstoff strmen aus den Endrohren des BMW Hydrogen 7, einem BMW 760i mit Wasserstoffantrieb. Zu riechen ist nichts. Denn der modifizierte 7er fhrt mit flssigem Wasserstoff.

Im kommenden Jahr sollen 100 Auserwhlte den ko-BMW mieten knnen zu Raten von rund 2000 Euro pro Monat. Politiker und Prominente werden dabei sein. Leute, die oft im Fernsehen sind. Die Mnchener wollen allen zeigen, wie umweltfreundlich sie sein knnen. "Natrlich frbt dieses Image auch auf andere Modelle und letztlich auf den gesamten Konzern ab", sagt Bastian Roet, Verkehrssoziologe beim Automobilclub von Deutschland (AvD).

Der Hydrogen 7 von BMW fährt wahlweise mit Benzin oder Wasserstoff.

Bisher sucht man Wasserstoffautos vergeblich in den Preislisten. Denn mehr als der Umwelt haben sie bisher ihren Konzernen geholfen bei der Suche nach einem grnen Image. Doch jetzt meldet endlich einer Serienreife BMW. AUTO BILD hat die Mnchener Dampfmaschine unter die Lupe genommen. Von auen wirkt der Hydrogen 7 wie ein normaler 7er. Nur die Heckschrze ist lnger, weil hier zwei tennisballgroe berdruckventile sitzen. Fahren drfen wir leider nicht. "Rechtliche Grnde", findet uns ein BMW-Sprecher ab. Nicht einmal fr ein Erinnerungsfoto darf sich der Reporter hinter das Lenkrad setzen.

Also steuert ein BMW-Testfahrer im Anzug das Dickschiff durch Berlin. Hin und wieder meldet sich das Wasserstoffsystem mit einer Fehlermeldung auf dem Bordbildschirm. "Machen sie sich deshalb keine Gedanken", beschwichtigt der Begleiter vom Werk. Doch das ist gar nicht so leicht, schlielich fllte Wasserstoff auch das Luftschiff Hindenburg, das 1937 spektakulr in Flammen aufgegangen ist. Bilder, die man nicht vergisst.

Wasserstoff weckt Unbehagen, immer noch. Aber in Fachkreisen gelten Wasserstoff-autos als sicher. "Sie bestehen ihre Crashtests genauso wie Benziner", sagt Judith Ortenburger vom TV Sd. Der Grund: Wie auch im BMW sind die Tanks meist doppelwandig und deshalb nur schwer kaputtzukriegen. Auerdem gibt es Sicherheitsventile, durch die das Gas schnell entweichen kann. Also zurcklehnen und in den feinen Ledersitzen entspannen. Und am besten nicht an brennende Zeppeline denken, sondern an was Schnes.

Per Lenkradknopf schaltet der Fahrer von Benzin auf Wasserstoffantrieb um.

An die Natur zum Beispiel, die an den getnten Scheiben vorbeifliegt. Wenn sie knnten, wrden die gebeutelten Berliner Straenbume bestimmt tief durchatmen, wenn der ko-Zwlfzylinder an ihnen vorbeirauscht mit seinen 260 PS, die immerhin 230 km/h Spitze zustande bringen. Denn hinten kommt nur Dampf raus. Sie knnte so schn sein, die Wasserstoffwelt. Noch aber ist die Herstellung des Zukunftssprits viel zu teuer. Weil Wasserstoff in der Natur so gut wie nicht vorkommt, muss das Gas aufwendig erzeugt werden zum Beispiel aus Erdgas, Wasser und teilweise aus Biomasse. Das aber kostet Energie genauso wie Transport und Lagerung. Grob gerechnet ist der hierfr ntige Energieaufwand genauso hoch wie der Verbrauch im Fahrzeug. Alle Verbrauchswerte von Wasserstoffautos mssten also theoretisch verdoppelt werden. "Es macht keinen Sinn, einen wertvollen und teuren Energietrger in einem ineffizienten Auto zu verschleudern", sagt Axel Friedrich, Chef des Umweltbundesamtes in Dessau. Im Durchschnitt verbrennt der Motor des Testwagens 3,8 Kilogramm Wasserstoff pro 100 Kilometer.

Weil der Tank nur 7,8 Kilogramm Wasserstoff fasst, kommt man hiermit nur 205 Kilometer weit. Da beruhigt es, dass noch ein 74 Liter groer Benzintank mit an Bord ist. Zumal es hierzulande gerade einmal sechs Wasserstoffzapfsulen gibt. Einer EU Studie zufolge msste man in Europa rund zehn bis zwlf Milliarden Euro investieren, um jede zehnte Tankstelle wasserstofftauglich zu machen. In Deutschland wren das 800 bis 900 neue Zapfsulen. Dieser Wert gilt als Schallmauer fr die Serienfertigung.

Viel heie Luft

Kommentar von Claudius Maintz, Reporter AUTO BILD.


Eigentlich msste das Wasserstoffauto lngst in den Preislisten stehen. Doch die vollmundigen Ankndigungen waren oft wenig haltbare PR-Luftnummern, die einen grnen Anstrich geben sollten. Der Hydrogen 7 aber ist nicht nur heie Luft, er ist vor allem eine Antwort. Denn wenn das Erdl zur Neige geht, gibt es ein fahrfertiges Konzept, immerhin. Und anders als beim Thema Hybrid war BMW diesmal hellwach. Aber wegen der miserablen Energiebilanz msste Wasserstoff eigentlich ausschlielich umweltfreundlich erzeugt werden. Sonst bringt es nichts, wenn hinten nur Dampf rauskommt. Windkraft und Solarenergie reichen hierfr nicht aus. Nur mit Atomkraft wrde es gehen. Eine Gewissensfrage.

Autor: Claudius Maintz

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