Das Sprit-Duell

Das Sprit-Duell

— 16.08.2002

Diesel oder Benziner?

Fr den Diesel luft es super. Weil die Spritsparer auch Fahrfreude bieten, steigt ihr Anteil stetig. Wann lohnt der Umstieg?

Mssen Benzin-Fans unruhig werden?

Frher trafen sich Duellanten im Morgennebel an der Friedhofsmauer. Heute finden Duelle hchstens noch an der Zapfsule statt. Es geht um die Frage: Fahre ich besser mit einem Benziner, oder soll ich zum Diesel wechseln? Die Vorteile moderner Diesel aufzuzhlen hiee, Eulen nach Athen zu tragen. Einzig berraschend nur noch, wie viel Sportlichkeit ihnen mittlerweile in die Kurbelwellen eingepflanzt worden ist. Mit voller Kraft aus Leerlauf-Drehzahlen strmen moderne Diesel mchtiger los als viele Benziner, selbst wenn sie GTI heien. Da steckt echter Fahrspa drin.

Eigentlich alles gute Grnde, um umzusteigen. Und viele haben es bereits getan. 37 Prozent der Autokufer des ersten Halbjahres haben sich fr einen Diesel entschieden. Vor zehn Jahren waren es erst 16 Prozent. Mssen jetzt also alle Benzin-Fans unruhig werden? Nein, denn der Wechsel zum Diesel lohnt sich nur, wenn auch die Kostenbilanz stimmt. Und da sieht der Diesel nicht gut aus: hherer Preis, hhere Steuerlast, teurere Versicherungen. Immerhin muss der Diesel heute meist nicht hufiger zur Wartung in die Werkstatt (Ausnahme VW-Diesel im Ford Galaxy: Zahnriemenwechsel nach 60.000 Kilometern statt lebenslnglicher Steuerkette beim Benziner). Bei der Mercedes E-Klasse ist es sogar umgekehrt. Der 270 CDI muss erst nach 50.000 in die Werkstatt, der vergleichbare Benziner, der E 240, hingegen wird bereits nach 30.000 Kilometern zur Wartung gebeten.

Bleibt die Kernfrage: Lohnt sich der Diesel wie in der Vergangenheit nur fr Vielfahrer? Wir haben am Beispiel von sieben Paaren quer durch alle Klassen nachgerechnet. Aber natrlich auch aufs Herz gehrt. Denn beim Autokauf geht es schlielich nicht nur ums Geld.

Smart: Der Benziner kommt billiger

Er besitzt nur drei Zylinder und gerade 799 cm3 Hubraum, ist vom Volumen her also kleiner als ein Makrug auf dem Mnchener Oktoberfest. Gemeint ist der kleinste Common-Rail-Diesel der Welt. Netter Superlativ, doch kommt der Mini im Heck des Kult-Minis auch gro raus?

Als groer Spritsparer ja. Vier Liter reichen dem 41 PS starken Motrchen im Test. Und dabei wurde unser Smart noch nicht einmal auf extremes Sparen gefahren. 3,5 Liter sind locker drin. Zum Vergleich: Der 45-PS-Benziner bentigt 5,8 Liter. Zum Spa am Sparen kommt leider nur wenig Spa am Fahren. Den vermiest uns in beiden Smarties das automatisierte Sechsgang-Schaltgetriebe. Es schaltet ruckelig und langsam, raubt den Motoren Kraft. Vor allem der Benziner wirkt im Antritt gehemmt. Darin etwas besser, jedoch deutlich lauter: der Diesel. rgerlich, aber zu verkraften. Viel schlimmer: Der cdi kostet 9920 Euro 1400 Euro mehr als der Benziner. Da trstet es kaum, dass er 40 Monate steuerbefreit fhrt. Das spart gerade 124 Euro.

Fazit: Beim Spritsparen ist der kleinste Common Rail der Welt ein Riese. Mit ihm wird der Smart zum Drei-Liter-Auto. Doch der Spa am Sparen hat seinen Preis. Anschaffung, Versicherungstarife alles kostet mehr. So lohnt sich der Diesel nicht.

VW Polo: Benziner spart, Diesel spurt

Als einziger Hersteller setzt VW beim Diesel auf Pumpe-Dse-Technik. Eine modernes, aber nur bedingt erfolgreiches Prinzip. Nur bedingt, weil der von uns getestete 75 PS starke Polo TDI mit einem Verbrauch von 5,9 Litern alles andere als ein Sparwunder ist. Damit liegt er um 1,5 Liter ber Werksangabe, aber immerhin noch um einen Liter unter dem gleich starken Benziner. Im Gegensatz zu dem besitzt der Diesel nur drei Zylinder. Trotz Ausgleichswelle fehlt ihm Laufkultur. Das Ruckeln im Antriebsstrang, das wir im Dezember noch bemngelten, konnten wir erfreulicherweise nicht mehr feststellen. Der Diesel ist krftig, kommt aber erst ab 1700 Touren richtig in Schwung.

Anders der Benziner. Obwohl er nicht so durchzugsstark ist, wirkt er insgesamt harmonischer. Er luft leiser, setzt seine Kraft gleichmig frei. Darber hinaus fhrt der Benziner bis auf die Spritkosten in allen Kostenbelangen gnstiger. Lange 112.000 Kilometer mssen TDI-Fahrer in vier Jahren zurcklegen, damit der Diesel sich berhaupt rechnet.

Fazit: Die moderne Pumpe-Dse-Technik im Polo TDI lsst VW sich mit 1425 Euro Mehrpreis bezahlen. Der Spareffekt reicht nicht zum Kostenausgleich. Zudem ist der gleich starke, wenn auch nicht ganz so elastische Benziner insgesamt die bessere Wahl.

Peugeot 307: Benziner gnstiger

Fast jeder zweite bei uns verkaufte 307 wird von einem Diesel angetrieben. Das grte Plus des krftigen 107-PS-HDi: die hohe Laufkultur. Er nagelt selbst beim Kaltstart kaum, luft fr einen Diesel geradezu weich, ist wirkungsvoll gegen Gerusche gedmmt. Hinzu kommt, dass nur Peugeot einen Rufilter anbietet. Der beruhigt vor allem das grne Gewissen, denn Stickoxide kann er nicht filtern. So bleibt der HDi-Motor (Verbrauch hohe 7,0 Liter) in der Schadstoffklasse Euro 3.

Der 1,6-Liter-Benziner (109 PS) hingegen schafft D4, luft ebenso harmonisch, nur etwas spritziger. Sein Verbrauch: stattliche neun Liter. Fr Familien eignen sich beide Motoren. Nur kostet der HDi 2300 Euro mehr (19.050 statt 16.750 Euro). Eine Hypothek, die der Diesel in der Kostenrechnung nicht ausgleichen kann.

Fazit: Das Image vom sparsamen und sauberen Diesel dank Partikelfilter hat bei Peugeot eine Verkaufslawine ausgelst. Jeder zweite 307 kommt als HDi auf die Strae. Der vergleichbare Benziner kann fast alles genauso gut, ist unterm Strich die preiswertere Wahl.

BMW 3er: Aus Freude am Fahren Diesel

BMW steht fr sportliches Fahren. Egal ob der Motor mit Benzin oder Diesel fhrt. Denn BMW sieht im Diesel nicht nur das Sparpotenzial, sondern hat in ihm auch den Fahrspa entdeckt. So im 318d, der in Wahrheit ein 2,0-Liter ist. Und was fr einer. Er hngt gierig am Gas, marschiert mit kernigem Sound ab 1800 Umdrehungen vehement los und strotzt mit seinen 115 PS nur so vor Kraft. Dafr verbrennt er gerade mal 6,6 Liter, im Vergleich zu Polo TDI oder Peugeot 307 HDi ein Top-Wert.

Exakt zwei Liter mehr bentigt der 316i (115 PS). Auch damit lsst sich leben. Um aber gleichen Fahrspa und gleiche Fahrleistungen zu erleben, muss der Motor hher gedreht, mehr geschaltet werden. In puncto Elastizitt reicht es trotzdem nicht gegen den Diesel. Kaum zu glauben, aber der Diesel ist der klar sportlichere Motor. Khle Rechner weisen aber mit erhobenem Zeigefinger darauf hin, dass der Benziner in der Kostenkalkulation besser abschneidet. Um etwa 800 Euro nach vier Jahren. Bei dem Fahrspa fr viele sicherlich zu verschmerzen.

Fazit: Spa ohne Reue vermittelt der 318d. Der Motor beweist, dass sportliches Fahren auch mit Diesel mglich ist. Bei einem sensationellen Verbrauch von nur 6,6 Litern. Die moderaten Mehrkosten lassen sich da leicht ertragen.

Opel Vectra: Hier zhlt nur der Preis

Es gab Zeiten, da hat Opel Benziner und Diesel zum gleichen Preis angeboten. Heute verlangen sie beim Vectra 2.2 DTI (125 PS) wieder 1700 Euro Dieselzuschlag im Vergleich zum 122 PS starken Vectra 1.8. Schade, denn damit rauben sie ihrem Diesel alle Chancen, im Kostenkapitel gut auszusehen. Hherer Unterhalt und preiswerterer Sprit gleichen sich zwar aus, doch weist die Bilanz nach vier Jahren fr den Diesel immer noch ein Minus von 1215 Euro aus so lohnt sich sein Kauf natrlich nicht.

Dabei hat sich Opel mit dem Diesel so viel Mhe gegeben. Jede Menge Dmmmaterial und zwei Ausgleichswellen sorgen fr hohe Laufruhe und Laufkultur. Bei niedrigen Umdrehungen wirkt er verhalten, ab 1500 Touren packt er zu. Auf den sparsamen Motor (7,2 Liter) hervorragend angepasst wurde das Fnfganggetriebe. Leise luft auch der Benziner, nur bentigt er 9,1 Liter. Fehlender Biss und mangelnde Elastizitt sollen demnchst durch eine krzere bersetzung aufgehoben werden.

Fazit: Weder der 2.2 DTI noch der 1800er-Benziner entlocken berschwengliche Begeisterung. Es sind einfach nur brave Motoren. Die Entscheidung fr Benziner oder Diesel fllt beim Rechnen am Schreibtisch. Zugunsten des Benziners, weil er 1700 Euro billiger ist.

Mercedes E-Klasse: Der Diesel muss es sein

Niemand hat mit Diesel-Motoren mehr Erfahrung als Mercedes. Und die steckt natrlich auch im E 270 CDI. Sein Reihen-Fnfzylinder ist mit Common-Rail-Technik der zweiten Generation ausgestattet. Das bedeutet: noch bessere Laufkultur, noch mehr Schub aus mittleren Drehzahlen. Die 177 PS starke Limousine sprintet in 8,7 Sekunden auf 100. Wohlgemerkt: Wir reden hier von einem Diesel. Der gleich starke E 240 mit V6-Benziner kann da nur hinterherfahren (9,1 Sekunden). Auch in puncto Elastizitt muss er dem Selbstznder den Vortritt lassen. Beim Verbrauch sowieso. 11,2 Liter Super statt 7,5 Liter Diesel sprechen eine mehr als deutliche Sprache.

Spricht also alles fr den sportlichen Diesel? Ja, denn der ist dank der hervorragenden Dmmung sogar noch leiser als der gewiss nicht laute Benziner. Schn, dass diese Vorteile Fahrspa und Laufkultur nicht von der Kostenrechnung zunichte gemacht werden. Der Diesel ist in der Anschaffung nur 696 Euro teurer. Der immense Verbrauchsvorteil gleicht das locker wieder aus. Auch den hheren Steuersatz und die teure Versicherung. Und das nicht nur fr Vielfahrer. Klare Vorteile fr den CDI also sowohl beim Fahrvergngen als auch im Kostenkapitel.

Fazit: Vom Fahren her ist die Entscheidung einfach. Der unelastische 240er kann mit dem brenstarken 270 CDI nicht mithalten. berraschender ist, dass der Diesel seinen hheren Preis locker wettmacht und auch das ganze Kostenkapitel gewinnt.

Ford Galaxy: Selbst zndet der Van

Wer sich fr einen Van interessiert, greift meist zum Diesel. So auch beim Ford Galaxy. Drei von vier Kunden haben sich im ersten Halbjahr 2002 fr den Selbstznder entschieden. Und damit bewusst oder unbewusst fr VW, denn der 1,9-Liter-TDI mit Pumpe-Dse-Technik kommt aus Wolfsburg. Eine gute Wahl. Der 115 PS starke Motor steht gut im Futter, reagiert spontan aufs Gas, beschleunigt geschmeidig aus mittleren Drehzahlen. Und mit seinem Sechsganggetriebe fhrt der Familien-Van auch voll auf Sparkurs. Der sechste ist ein reiner Schongang, senkt nachhaltig den Verbrauch. Bereits 6,9 Liter reichen ihm fr 100 Kilometer. So schafft der Galaxy ber 1000 Kilometer ohne einen Tankstopp.

Beim 2.0-Benziner mit ebenfalls 115 PS und Fnfganggetriebe reicht der Sprit nur fr 680 Kilometer. Sein Verbrauch: 10,3 Liter. Daran wrden sich wenige stren, wenn er entsprechende Fahrleistungen bieten wrde. Doch der Benziner hat keinen Mumm. Vor allem an Elastizitt mangelt es. Es kommt noch schlimmer: In vier Jahren gibt der Kunde fr Treibstoff 4044 Euro mehr aus als der Diesel-Fahrer. Nicht nur fr Familien viel Geld.

Fazit: Attraktive Diesel suchte man bei Ford lange vergeblich. So kommt der krftige, spontan ansprechende TDI im Galaxy auch von VW. Den eigenen, unelastischen Zweiliter-Benziner lsst er locker hinter sich. Und selbst bei den Ksoten kann er mithalten.

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