Dauertest Alfa Romeo 147 2.0 T.S. — 22.04.2003
Die Spaß-Maschine
Alfa 147 lautet das beste Mittel gegen Depressionen. 100.000 Kilometer stimmten uns mehr als 16 Monate fröhlich. Wenn das Seelenleben drückt, vergessen Sie also den Therapeuten. Sondern besuchen den gut sortierten Autohändler
Vollgas schlug voll ins Kontor. In Extremfällen mit 18 Litern pro 100 Kilometer. Ab 500 Kilometern – bei nur einem Passagier an Bord – kommt ein Flugticket für die Businessclass kaum teurer.
Doch wer so pragmatisch an das Thema Auto rangeht, wird sowieso keinen Alfa wählen. Der aufregend gestylte 147 beweist, dass auch ein Vertreter der Golf-Klasse zum Frauenhelden taugt. Muttis gucken aus dem Zafira und überdenken heimlich ihr Lebenskonzept. Ihre eigene Auto-Wahl aber bestimmt nicht, denn für Familien ist der auf Taille geschnittene 147 maximal zweite Wahl. Aber das war uns schon vor Testbeginn klar.
Wenig Ärger, nur die Bedienung nervte oft die Alfa-Piloten im Alltag
Nach 18.531 Kilometern baumelte der linke Seitenblinker nur noch am Kabel – zumindest ein Hauch von Alfa. Bei der Inspektion wurde er neu festgeklammert; bei dieser Gelegenheit tauschten die Mechaniker auch gleich den Rückfahrlicht-Schalter am Getriebe. Ein Licht sollte uns auch bei der Bedienung aufgehen: Der 147 verlangt Gewöhnung, die Bedienung nervt vielfach. Kollege Stefan Szych fühlte sich nachts mit der Klimaanlage hoffnungslos überfordert; Tester Manfred Klangwald, ein generell detailversessener Kollege, klagte im Fahrtenbuch gar über einen "Krieg der Knöpfe" am Cockpit.
Schuld hatte vor allem das Navigationssystem, mit 2140 Euro unser teuerstes Extra. Mittlerweile wurde es vereinfacht, der Pfadfinder bekam ein technisches Facelift. Das alte Navi können wir nicht empfehlen, mit Schulatlas und Hausverstand findet man jedes Ziel schneller. Und wenn wir schon beim Suchen sind: Wo war noch einmal der Schalter der Sitzheizung? An der Sitzaußenseite nahe der Lehnenverstellung – besser lässt er sich kaum verstecken. Die mangelnde Bedienungsfreundlichkeit versuchten die gut ablesbaren Instrumente und der höfliche Bordcomputer auszugleichen.
19 Liter Ölverbrauch
Wäre da nicht der Ölverbrauch! Stolze 19 Liter füllten wir über die Testdistanz nach. Damit liegt der Alfa zwar noch im vom Hersteller erlaubten Bereich, doch die Kosten läppern sich. Sicher eine Folge von Vollgas-Abenteuern, und davon gab es reichlich. Der drehfreudige Motor mit seinem kernigen Sound legt eine eher offensive Fahrweise nahe und weckte selbst bei betont zivilisierten Zeitgenossen unserer Redaktion ganz primitive Gene.
Ernst wurde es mit der Spaßmaschine bei der Zerlegung am Testende. Mit etwas Fett im Schaltgestänge wäre der Gangwechsel während der letzten 10.000 Kilometer präziser gewesen. Ebenso fehlte Fett am Scheibenwischergestänge, zahlreiche Wäschen hatten es abgespült. Und Salzwasser verursachte Rost am Ölprüfstab-Rohr. Insgesamt dennoch ein tolles Ergebnis für eine Marke, deren Qualität früher in so vielen Witzen eine wichtige Rolle spielte. Bleibt zu wünschen, dass Mutterkonzern Fiat vom 147 lernt und mit hochwertigen, schönen Autos wieder erfolgreich wird.
Technische Daten und Wertung
Einen soliden Platz im Mittelfeld hat sich der 147 redlich verdient. Allerdings: Die vielen geringfügigen Defekte sind schon störend und verhinderten eine deutlich bessere Platzierung.| Technische Daten | |
| Motor | Vierzylinder/vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
| Hubraum | 1970 cm³ |
| kW (PS) bei U/min | 110 (150)/6300 |
| Nm bei U/min | 181/3800 |
| Höchstgeschwindigkeit | 208 km/h |
| Abgasnorm/Abgas CO2 | Euro 3/211 g/km |
| Getriebe/Antrieb | 5-Gang/Front |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 60 l/Super |
| Kofferrauminhalt | 280/1030 l |
| Leergewicht/Zuladung | 1320/470 kg |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | 1300/400 kg |

































