Dauertest Citroën C8 2.2HDi SX

Dauertest Citroën C8 2.2HDi SX Dauertest Citroën C8 2.2HDi SX

Dauertest Citroën C8 2.2 HDi SX

— 04.04.2005

Viele Köche verderben den Brei

Am Euro-Vans Citroën C8 haben vier Partner mitentwickelt. Herausgekommen ist ein optisch ansprechendes Menü – mit fadem Beigeschmack, wie unser 100 000-Kilometer-Dauertest zeigt.

Chronologie eines verkorksten Dauertests

Nein, ich wollte mich nicht mehr über diesen Burschen ärgern. Und nun hat mich der C8, der Citroën-Ableger aus der Familie der Euro-Vans (Koproduktion von PSA und Fiat. Vier baugleiche Vans von Fiat, Lancia, Citroën und Peugeot aus einem Werk), doch wieder auf die Palme gebracht.

Mein rechtes Bein ist klatschnaß, literweise Wasser hat sich über die Mittelkonsole ergossen. Die nicht serienmäßige Bord-Dusche kam aus der Innenbeleuchtung! Das ist doch gaga. Aber vieles lief bei diesem Auto nicht normal. Doch lesen Sie selbst die Chronologie eines ziemlich verkorksten Dauertests über 100.000 Kilometer.

Als der Franzose im Februar 2003 zu uns kam, kostete er als 128 PS starker C8 2.2 HDi SX FAP 36.195 Euro. Keineswegs ein Schnäppchen im Vergleich zu VW Sharan und Co. Aber auch nicht überteuert, denn der Preis versteht sich inklusive diverser Luxus-Extras.

Unheil von den drei Schiebedächern

Von denen aber die drei gläsernen Schiebedächer (1625 Euro) und vor allem das NaviDrive (2530 Euro) am besten gleich am Montageband in Sevelnord bei Valencienne/ Nordfrankreich geblieben wären. Der gläserne Dachdrilling, weil er es mit der Dichtung nicht so genau nahm. Sammelte sich nach einem Regenguß Wasser im Überlauf, wurde es über die Innenlampe auf Mittelkonsole und Fahrerknie entsorgt.

Außerdem bewiesen die Luken auf eindrucksvolle Weise, daß gut gemeint und gut gemacht bei diesem Auto oft meilenweit auseinanderlagen. Zum Beispiel die Komfortöffnung von Schiebedach und Fenstern per Knopfdruck. Sie hätte im Sommer ein Segen sein können, weil sie für eine schnelle Entlüftung sorgt und so die Klimaanlage entlastet.

Die Realität aber sah zumeist so aus: 1. Türöffner auf dem Schlüssel drücken. 2. Der labberige Knopf verklemmt sich. 3. Alle Luken und Seitenfenster gehen auf. 4. Es schüttet aus Kübeln, alles wird naß ... Schön, daß wenigstens die Vordersitze eine kräftige Heizung hatten. Und Citroën beim C8 jetzt auf die Komfortöffnung der Schiebedächer verzichtet.

NaviDrive zwischen Genie und Wahnsinn

Das NaviDrive gibt es aber noch immer. Leider. Bei diesem System liegen Genie und Wahnsinn dicht beieinander. Magneti Marelli zeichnet für diesen multitalentierten Wirrkopf verantwortlich. Der wollte eine eierlegende Wollmilchsau erfinden, die Radio, Sechsfach-CD-Wechsler, Bordcomputer, Navigation, Telefon und SMSNachrichtenzentrale zusammenfaßt. Sogar die Sprache seines Herren sollte sie erlernen können, auf Zuruf Telefonnummern wählen, den Sender wechseln und vieles mehr.

Herausgekommen ist ein System, was eigentlich die ganze Zeit nur genervt hat. Zur sinnvollen Kommunikation zwischen Fahrer und NaviDrive kam es jedenfalls äußerst selten. Selbst nach stundenlangen Programmierversuchen blieben Verständigungsschwierigkeiten. Etwa so: Fahrer an Navi-Drive – Radio einschalten. NaviDrive an Fahrer, französisch feminin näselnd – wi bittä?? Radio! Wi bittä? Radio!! Wi ...? Ach, halt doch die Klappe. Sprachärkännung bäändät. Gut so.

Aber auch ohne Spracherkennung verspürten nicht wenige Kollegen große Lust, das System einfach rauszureißen und im nächsten Papierkorb zu entsorgen. Bockig stellte es auf längeren Strecken immer wieder den Job ein. Dann ging das Radio an und aus und an und aus ... Navigation? Unmöglich. Musik hören? Eine Qual. Telefonieren? Vergiß es. Mehrfach spielte die Werkstatt neue Software auf. Vergeblich. Die Pausen zwischen den Aussetzern wurden nur länger. Ein Armutszeugnis, dem Citroën-Sprecher Thomas Albrecht ein weiteres hinzufügte: "Das ist Stand der Technik." Na, wenn das so ist ...

Motor und Fahrwerk schmeichelten sich ein

Bei 52.000 Kilometern verabschiedete sich dann die Bedienungseinheit von Navi-Drive und Klimaanlage in die Tiefen der Mittelkonsole. Von allein, ohne Gewaltanwendung. Was man ja mittlerweile hätte verstehen können. Doch leider ist auch dieser Mangel ein weiteres Indiz für die viel zu nachlässige Verarbeitung des C8. Citroën-Fans werden jetzt wieder sagen: Ihr müßt auch mal verzeihen können.

Aber wie soll man ein Auto ins Herz schließen, dessen untere Motorabdeckung sich während des Dauertests dreimal verabschiedete? Bei 180 km/h auf der Autobahn. Laut rumpelnd fiel das etwa einen Quadratmeter große Teil auf die Fahrbahn. Nicht auszumalen, was da alles passieren kann. Wie soll man einen Van liebgewinnen, dessen Sessel sich häufig derart verklemmten, daß sie nur noch die Werkstatt mit schwerem Werkzeug lösen konnte?

Und was soll man Positives über Schiebetüren berichten, die ständig den Zugang zum Innenraum versperrten, weil das zu schwach dimensionierte Gestänge im Inneren der Tür wieder einmal verbogen war? Das C8-Türgestänge zu justieren, ist für Werkstätten mittlerweile schon Routine. Natürlich gab es auch Zeiten, in denen der C8 einfach nur problemlos fuhr. Dann fanden einige Kollegen sogar Geschmack am Fiat-PSA-Menü. Vor allem Familien schätzten den üppigen Platz und das luftige Raumgefühl.

Auch das komfortabel abgestimmte Fahrwerk sowie der sanft und kraftvoll arbeitende Diesel – der sich im Schnitt mit nur 9,28 l/100 km begnügte – waren mehr als würzende Zutaten, die sich selbst bei verwöhnten Fahrern einschmeichelten ... bis C8 dann wieder den Fehlerteufel herausließ und es sich mit allen verdarb. Wie bei Kilometerstand 13.561.

Ein verwirrter Sensor gibt blinden Alarm

Mit einer harmlosen Fehlermeldung "Reinigungszyklus Partikelfilter durchführen" begann es. Mit einer Schleichtour, maximal 70 km/h im Notprogramm, auf der rechten Spur von Lkw über die Apenin-Autobahn gejagt, endete es. Und warum das alles? Wegen einer Lappalie. Ein verwirrter Sensor der Fehlerspeicherabfrage löste blinden Alarm aus. Das diagnostizierte jedenfalls die italienische Werkstatt, die sonst keinen Fehler fand. Der Wechsel des Partikelfilters stand erst viel später an, bei 100.860 Kilometern.

Meldung im Bordcomputer: Stand Partikelfilter-Additive zu niedrig. Eigentlich sollte das erst bei 120.000 Kilometern der Fall sein. Egal, die Werkstatt meinte, das Ding muß raus und bestellte die nötigen Teile. Was fast sechs Wochen dauerte. Und dann die Überraschung: Die Restmenge des Additivs betrug noch 50 Prozent, und der Filter hätte auch noch locker weitere 20.000 Kilometer gehalten. Also wieder eine Fehlmeldung! Der Bordrechner wurde getauscht ... und Schluß. Der Citroën C8 rollte über die Ziellinie.

Was bleibt zurück? Mehr als ein bitterer Nachgeschmack. Pleiten, Pech und Pannen säumten seinen Weg bei AUTO BILD. Aber bei dem ganzen Ärger rund um das Auto sollten wir nicht vergessen: Der C8 ließ die Redaktionscrew auch nicht einmal wirklich im Stich, kam immer ans Ziel. Wenn auch manchmal etwas langsamer.

Wer auf den Fehlerteufel NaviDrive verzichtet, kann also durchaus mit dem C8 oder einem seiner baugleichen Brüder von Peugeot, Fiat oder Lancia glücklich werden. Zumal sich die Verarbeitung mittlerweile verbessert hat. Und im Umfeld seiner Konkurrenten steht er gar nicht mal so schlecht da. Denn Vans, egal ob VW Sharan oder Chrysler Voyager, hatten noch nie einen guten Lauf im AUTO BILD-Marathon.

Technische Daten und Wertung

Wie sich die Bilder gleichen: Vor acht Jahren absolvierte schon einmal ein großer Citroën-Van den AUTO BILD-Dauertest. Resultat damals für den Evasion: guter Ansatz, aber viele Schwächen im Detail. Schiebetüren funktionieren nicht korrekt, die hinteren Sitze machen Probleme, die Elektronik spinnt. Aber der Motor ist kerngesund, die Rostvorsorge nahezu perfekt.

Nun liefert der C8 2.2 HDi SX fast eine Kopie dieses Resultats. Wieder schließen Schiebetüren nicht richtig, gibt es Elektronikprobleme usw. Zusätzlich zeigte der C8 kurz vor Testende deutliches Lastwechselruckeln. Die Demontage beweist, daß die Kupplung nach 101.353 km am Ende ist. Sowohl Mitnehmerscheibe als auch Mehrmassenschwungrad wurden im Dauerlauf aufgerieben.

Preise und Kosten

Der französische Van ist im Unterhalt minimal teurer als unser Dauertest BMMW X5: 19 gegen 18 Cent pro Kilometer ohne Wertverlust. Dafür sind die Kosten mit kalkuliertem Wertverlust deutlich niedriger: 38 zu 43 Cent. Erstaunlich, daß ein normalerweise begehrteres Modell hier den höheren Wertverlust verursacht.

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