Dauertest Fiat Punto 1.2 SX

Dauertest Fiat Punto 1.2 SX

— 03.03.2003

Falscher Alarm

Rostlaube? Unzuverlssig? Von wegen! Auch die zweite Generation des Punto meisterte den Dauertest souvern. Schade, dass die Werkstatt kaum etwas unterlassen hat, den Fiat zu ruinieren.

Haben Punto manchmal Albtrume?

Eltern kleiner Kinder kennen das: Mitten in der Nacht steht die fnfjhrige Tochter am Bett der Eltern, vermisst ihren Kuschelbren. Gesucht, gefunden. Gerade wieder eingeschlafen, weckt uns prompt ihre kleine Schwester. Noch mal auf Brensuche? Nein, ihr ist kalt, sie hat Durst oder einfach nur schlecht getrumt. So ist das halt mit den lieben Kleinen. Ganz hnlich erging es uns mit unserem Junior aus Turin.

Den kleinen Dauergast Punto, mit munteren, mehr als nur stadt-tauglichen 60 PS und SX-Ausstattung, nahmen wir am 21. Januar 2001 in unsere Obhut. Und von Anfang an benahm er sich wie einer dieser nimmermden Zwerge, quengelte am laufenden Band. Seine schrillen Alarm-Hupen tuteten natrlich stets im falschen Moment und mit Vorliebe mitten in der Nacht! Haben Punto etwa Albtrume?

Wir jedenfalls bekamen sie. Denn nach den ersten nchtlichen Strungen durch die Alarmanlage (die brigens nur einer von 100 Kunden bestellt) wussten wir nicht, ob das nur ein Schnheitsfehler war oder ob in dem Fiat weitere Macken steckten. So tauchten pltzlich wie dunkle Wolken am Horizont alte Vorurteile wieder auf, unter denen Fiat-Automobile lange litten. Dabei sollten die als lngst abgehakt gelten. Denn Fiat hat viel unternommen, um sein mieses Image aufzupolieren. Gerade beim Punto.

Ein Body-Computer machte Zicken

Als der Punto im Herbst 1993 als Nachfolger des Uno kam, setzte er neue Akzente beim Design, bei Raumausnutzung sowie bei der passiven Sicherheit. Fahrer- und Beifahrerairbag gab es bei allen Modellen von Beginn an ab Werk, ebenso ABS bei den hochwertigeren Versionen. Viel Aufwand, der beim wichtigsten Fiat-Modell nur allzu verstndlich ist. Bis heute ist der Punto das Rckgrat der Turiner. Kein anderer Fiat verkauft sich zurzeit besser.

Gnzlich zufrieden kann der deutsche Importeur allerdings mit dem Absatz nicht mehr sein. 2002 entschieden sich zwar immerhin noch 37.276 Kunden in Deutschland fr einen Punto, doch in den besten Jahren (95/96) sind es ja mal ber 60.000 gewesen. Wer nun glaubt, dass Hndler und Werksttten mit Eifer, Motivation und Engagement ihren Quotenbringer wieder nach vorn pushen, sieht sich getuscht. Zumindest in unserem Fall war das so.

Was unser betreuender Hndler, das Fiat Centro Hamburg, mit dem Dauertest-Punto anstellte, grenzt schon an Boshaftigkeit. Das Centro erhielt mehrfach Gelegenheit, dem Alarmanlagen-Alarmanlagen-Spuk ein Ende zu bereiten. Erfolg? Absolut null! Lapidar stellte ein Mechaniker fest, das bel stecke im Rechner und in zu sensiblen Sensoren. Ach so. Achselzucken auch beim Importeur. Der veranlasste zwar, dass die Sirene getauscht wurde, doch auch das brachte nichts der falsche Alarm ging weiter.

Sieben Mal brannte die Lampe durch

Erst kurz vor Testende, bei der 80.000er-Inspektion, wurde der "Body-Computer" ausgewechselt. Das ist der Rechner, der die Alarmanlage steuert. Diese letzte Manahme brachte endlich den erwnschten Erfolg. Der Punto blieb von nun an stumm wie ein Fisch. Das ganze Theater htte sich Fiat sparen knnen. Bereits seit Ende 2000 liegt den Werksttten eine Anweisung vor, sich bei Strungen der Alarmanlage gleich an den Importeur zu wenden. Der bert, wie repariert werden soll oder ob der Body- Computer getauscht wird. Doch was ntzt das schnste Rundschreiben, wenn es niemand liest?! Peinlich, peinlich.

Wahrscheinlich liegt es daran, dass Fiat-Werksttten so berlastet sind. Sie mssen es sein, denn anders ist es nicht zu erklren, dass das Centro Hamburg den Tausch einer Abblendleuchte statt sofort erst drei Tage spter ausfhren wollte. So lange mochte der Kollege dann doch nicht warten und tauschte die Lampe selber. Die entsprechenden Handgriffe beherrscht er inzwischen im Schlaf, denn im Laufe der Zeit brannte die Glhlampe sieben (!) Mal durch.

Grund: kurzzeitige berspannungen. Woher die kommen, wei niemand. Daher montiert Fiat nun vorsichtshalber Kabelbrcken mit einem Widerstand. Und schon brennt nichts mehr durch. Unbrokratisch und kostenlos beseitigte Fiat einen weiteren Mangel an den Frontscheinwerfern: Wegen unzureichender Entlftung des Scheinwerfergehuses drang Feuchtigkeit in die Lampe, die Scheinwerferglser beschlugen daraufhin von innen. Nachdem Fiat Anfang 2002 die Abdeckung des Lampendeckels nderte, ist das vorbei.

Was heit Erstausrster-Qualitt?

Neben diesen kleinen, aber rgerlichen Unpsslichkeiten machte unser Dauertest-Punto einen sehr gesunden Eindruck. Bis auf Verschleiteile wurde nichts Wesentliches gewechselt. Die vorderen Bremskltze waren nach 43.113 Kilometern fllig, bei km-Stand 59.510 dann auch die Bremsscheiben. Fiat gibt fr die Scheiben eine Haltbarkeit von 60.000 bis zu 80.000 km an. Der frhe Tausch an unserem Punto mag von etwas forscherer Fahrweise herrhren.

Indizien dafr sind unser erhhter Verbrauch von 7,6 Litern ber den gesamten Dauertest sowie der Nachfllbedarf an Motorl von 10,75 Litern. Fraglich aber, ob es auch am Fahrstil liegt, dass die Kltze an den neuen Bremsscheiben keine 30.000 km hielten. Es knnte ebenso an schlechterer Qualitt der Ersatzteile liegen. Was Fiat ausschliet, weil "generell Ersatzteile in Erstausrster-Qualitt verbaut werden", so Fiat-Mitarbeiter Jassin Ramezan.

Doch was heit schon Erstausrster-Qualitt? Laut Fiat mssen Zahnriemen und Spannrolle erst nach 120.000 Kilometern gewechselt werden. An unserem Punto war das bereits bei der zweiten groen Inspektion, bei Tachostand 43.480, ntig. Die Ursache dafr war eine defekte Wasserpumpe. Die Reparatur erfolgte im Rahmen der Garantie kostenfrei. Ansonsten mussten wir die Garantie nicht in Anspruch nehmen.

Punto-Schwachstelle

Nicht ein einziges Mal lie uns der Punto whrend des Marathons im Stich. Die Kollegen lobten die knuffige Form, das ppige Platzangebot, die straffen, bequemen Sitze sowie den fr einen Kleinwagen hohen Fahrkomfort. Unsere Kolleginnen waren vom City-Modus begeistert, der Lenken und Rangieren in der Stadt auf Knopfdruck zustzlich erleichtert. Leichtgngig und przise auch die Schaltung. Das scheint nicht immer so zu sein. So finden sich im AUTO BILD-Kummerkasten Klagen von Lesern ber hakelige Getriebe oder sogar Schden am Antrieb.

Das einzige Problem, das wir am Antrieb feststellen mussten, war ein quietschendes Kupplungspedal. Bis auf solche Kleinigkeiten spulte der Punto sein Pensum klaglos ab. Die alten Vorurteile allem Frauen. weiblich von Unzuverlssigkeit und Pannen alles falscher Alarm. Und bei der Rostvorsorge liefert Fiat heute sogar Top-Qualitt. Der Blick in die Hohlrume zeigte auch in den hintersten Ecken makelloses, absolut neuwertiges Blech.

So bleiben als einzig wahre Schwachstelle des Punto seine Werksttten. Beispiel lwannendichtung. Sie wurde bei der 40.000er-Inspektion gewechselt. Doch schon bei der nchsten Wartung musste die lwanne neu abgedichtet werden. Weil der Mechaniker zuvor nicht ordentlich gearbeitet hatte. Gleiches gilt fr das vergammelte Wischergestnge oder die korrodierten Batterieklemmen. Hier htte ein wenig mehr Aufmerksamkeit bei nur geringem Aufwand (Sprhl) dem Rost keine Chance gegeben. Dass eine Werkstatt solche Dinge so gleichgltig verkommen lsst, grenzt fr Jassin Ramezan schon an Arbeitsverweigerung. Recht hat er.

Technische Daten und Wertung

Keine groen Patzer, aber eine defekte Wasserpumpe und ein getauschtes Wischergestnge sowie zahlreiche kleine Mngel (Alarmanlage, lwannendichtung, Zndkabel) ruinieren die Platzierung. Nur der Audi A2 war im AUTO BILD-Dauertest schlechter.

Preise und Kosten

Preislich liegt der Fiat Punto auf dem Niveau des Dauertest Toyota Yaris 1.3. Die Kosten pro Kilometer sind fast identisch. Aber: Der Yaris war mit 86 PS strker und hatte weniger Mngel.

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