Dauertest Ford Mondeo 1.8 Turnier

Dauertest Ford Mondeo 1.8 Turnier Dauertest Ford Mondeo 1.8 Turnier

Dauertest Ford Mondeo 1.8 Turnier

— 27.06.2003

Treuer Turnier

"Besser ankommen" im Ford Mondeo Turnier? Nach 100.000 Kilometern lautet das Urteil: gut geschafft, ohne Pannen sowieso. Dennoch gilt: Raum für Verbesserungen vorhanden.

Ein Siegertyp im Alltagstest

Dezember 2000: Mondeo gewinnt bei uns gegen Mazda 626, Vectra und Passat. Februar 2001: Mondeo gewinnt gegen Audi A4. März 2001: Der Mondeo wird von Millionen Lesern der europäischen AUTO BILD-Familie sowie Rennfahrern, Technikern und den 13 Chefredakteuren zu Europas Auto 1 gewählt. August 2001: Mondeo gewinnt gegen Citroën C5, Omega und Volvo V70. Januar 2002: Mondeo gewinnt gegen Passat und Peugeot 406. März 2002: Mondeo gewinnt gegen Nissan Primera. Mai 2002: Mondeo gewinnt gegen Jaguar X-Type und Mercedes C-Klasse.

Der Grund dafür war fast immer der gleiche: viel Platz, ordentlicher Komfort, tolles Fahrwerk, sehr gute Lenkung, harmonischer Antrieb und das in der heutigen Zeit wohl Wichtigste – ein fairer Preis. Die Jungs bei Ford könnten sich also auf die Schulter klopfen. So viel Lob bekommt ein Auto selten. Ein großartiger Wurf, der den weniger gelungenen Vorgänger vergessen macht.

Doch bei Einzel- und Vergleichstests sind die Kandidaten stets taufrisch, haben nur wenige Kilometer auf dem Tacho. Jede Schraube sitzt, keine Verkleidung klappert, der Lack glänzt, die Kunststoffe sind kratzerfrei, die Polster noch ohne Eis- und Bonbonflecken. Für uns ein klarer Fall: Dieses Auto muss in den Dauertest.

Viel Auto zu einem fairen Preis

Fords Musterknabe über 100.000 Kilometer. Da wird sich dann schon zeigen, wie der Alltag ihm ans Blech, an die Mechanik oder an die Elektronik geht, bei Frost, bei Hitze oder Regen, bei Autobahnhatz, im Stadt-, Stau- und Urlaubsverkehr. Unsere Wahl fiel auf den 1.8 Turnier Trend mit 125 PS und Fünfgangschaltung. Er ist mit gut 20,9 Prozent der meistgekaufte Benziner der Mondeo-Turnier-Reihe. Grundpreis: 22.200 Euro.

An Extras orderten wir Schiebedach, Sitzheizung, Alufelgen, Navi-Radio und CD-Wechsler, ESP, Metallic, Anhängekupplung und ein so genanntes Multimedia-Paket, bestehend aus zwei Bildschirmen in den Kopfstützen der Vordersitze, Kopfhörern und einem VHS-Videorecorder im Kofferraum. Welcher Beliebtheit sich dieses Teil (es kostete immerhin 2460 Euro) bei den Kinder erziehenden Kollegen erfreute, zeigten schnell die ersten Eintragungen ins Fahrtenbuch.

"Pädagogen werden maulen, aber das KBP (Kinder-Beruhigungs-Programm) ist eine geniale Erfindung." Nie wieder Dauergenörgle vom Format "Wann sind wir endlich da?". Kopfhörer auf, und es herrscht Ruhe im Karton. Unverständlich jedoch, dass sich das System nur vom Fond aus bedienen lässt. Weiterer Nachteil: Beim Filmwechsel heißt es rechts ranfahren, eventuell Gepäck ausladen, Cassette wechseln, Gepäck wieder einladen. Geschickter wäre es, den Recorder unter dem Beifahrersitz zu platzieren.

Besser wäre es auch gewesen, wir hätten das Navi-System nicht bestellt (2345 Euro). Denn es nervte über die gesamte Distanz, arbeitete langsam und ungenau. Die Bedienung über den externen Joystick ist umständlich. Zusätzlich verabschiedete sich die Anlage stets komplett, wenn der Wechsel einer CD anstand, und verlangte für die Arbeitsaufnahme die Eingabe des Keycodes fürs Radio. Dieser sollte also immer als Spickzettel im Handschuhfach vorhanden sein, was ja eigentlich nicht Sinn einer Geheimnummer ist, oder? Besser: Vor Fahrtantritt die vier Ziffern auswendig lernen.

Tolles Fahrwerk - müder Motor

Keine Lernarbeit erfordert dagegen der Platz hinterm angenehm griffigen Lenkrad. Den Designern ist es gelungen, ein gut ablesbares und funktionelles Cockpit zu gestalten – jedoch mit einem Schönheitsfehler: Die Fernbedienung fürs Radio sitzt links zu tief. Große Fahrer(innen) stoßen schnell mit dem Knie dagegen. Ein Wunder, dass dieser Hebel diverse Beinkontakte unbeschadet überstand.

Weniger verschleißfest zeigte sich der Kunststoff auf den Türarmlehnen. Die Deckschicht löste sich, sah teilweise aus wie Haut nach dem Urlaubssonnenbrand. Ansonsten aber machte der Innenraum einen frischen Eindruck. Alle Oberflächen ließen sich gut reinigen. Viel Lob hatten unsere Tester bei den Fahreindrücken zu verteilen. Besonders das souveräne Fahrwerk (auch bei voller Beladung), die leichte und präzise Schaltung sowie die angenehm direkte Lenkung fielen positiv auf.

Weniger der Motor. "Müde, unelastisch, nur nicht den Schwung verlieren, beschleunigt wie ein Elbkahn." Kommentare dieser Art fanden sich zuhauf im Fahrtenbuch. In der Tat: Der Vierzylinder hat aufgrund der langen Übersetzung unter 150 km/h im fünften Gang so gut wie keine Kraft mehr. Besonders doof ist dies, wenn man jemanden auffordert, die Spur zu räumen, und dann verhungert. Viel Schaltarbeit auf der Autobahn ist also nötig, um Motor und Fahrer bei Laune zu halten.

Wenigstens zeigte sich der 1,8-Liter nicht übermäßig trinkfreudig. Im Durchschnitt liefen über die gesamte Testdistanz 9,89 Liter Super pro 100 Kilometer durch die Einspritzanlage. Eine Vollgasetappe von 400 Kilometern kostete 52,4 Liter, was einem Schnitt von 13,4 Litern entspricht. Wer es richtig sparsam angehen lässt, bleibt aber auch leicht unter sieben Litern. Einige Sorgen zum Dauertest-Ende bereitete uns der Leerlauf. Ab und an tänzelte die Nadel des Drehzahlmessers. Morgens nach dem Kaltstart war die Drehzahl teilweise mit bis zu 1600 Touren viel zu hoch. Ursache: ein verkoktes Leerlaufregelventil.

Klima-Katastrophe nach 58.000 km

Größere Auswirkungen auf das Wohlbefinden hatten zwei Bauteile der Klimaanlage. Zum einen stellte nach 58.000 Kilometern das Magnetventil seinen Dienst ein: keine Kühlleistung mehr. Drei Tage Werkstattaufenthalt waren die Folge. Gegen Ende der Testdistanz machte sich auch noch das Kältemittel in der Anlage dünne, und zwar über das Füllventil im rechten vorderen Radhaus. Bei der Zerlegung zumindest war die Klimaanlage fast trocken. Die nächste längere Warmwetterperiode hätte den Kompressor sicherlich zerstört, da dieser die Flüssigkeit als Schmiermittel benötigt.

Nicht so dramatisch, aber einfach nur ärgerlich war bei diesem Ford das Thema Heckklappenbedienung. Ständig musste die Klappe mehrmals zugeschlagen werden, bis sie endlich einrastete. Dieser Mangel zieht sich wie ein roter Faden durch unser Testbuch. Ein Konstruktionsfehler im Schlossmechanismus. Ford hat inzwischen Abhilfe geschaffen.

Eigentlich alles keine großen Sachen, die den Gesamteindruck des Mondeo trüben könnten. Denn insgesamt bereitete der Kölner Kombi der Redaktion viele angenehme Kilometer. Sein Platzangebot (sowohl für die hinteren Mitfahrer als auch fürs Gepäck) ist herausragend. Und vergessen werden sollte nicht, dass Motor, Getriebe, Kupplung und Auspuffanlage ohne nennenswerten Verschleiß über die Runden gekommen sind. Nicht immer eine Selbstverständlichkeit. Auch die Bremsen haben sich als sehr standfest erwiesen. Es war kein Scheibenwechsel nötig. Und trotz mehrmaligen Hängerbetriebs mussten nur einmal rundum die Bremsklötze getauscht werden.

Technische Daten und Wertung

Ohne den Mangel an der Klimaanlage hätte sich der Mondeo in unserer Zuverlässigkeitswertung souverän an die Spitze gesetzt. So aber heißt es jetzt: Mondeo (nur) auf Platz 2. Der Bestplatzierte kommt aus der Familie. Es ist der Focus Turnier.

Preise und Kosten

Sehr günstiger Unterhalt, deutlich niedriger als die in der Mittelklasse durchschnittlich 20 Cent pro Kilometer. Aber der hohe Wertverlust ist bitter und eigentlich nicht gerechtfertigt.

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