Dauertest Hyundai Terracan 2.9 CRDi

— 10.12.2004

Einfach & Gut

Auf dem 100.000-km-Dauertest wurde dem Terracan im strapaziösen Redaktionsalltag nichts geschenkt. Bis auf Lappalien hat er alles klaglos hingenommen.



Immer noch viel Auto fürs Geld

Komplett ausgestattete Autos zum günstigen Preis – mit dem gleichen Rezept wie vor zwanzig Jahren die japanischen Marken versuchen heute die Koreaner Marktanteile zu gewinnen. Nicht immer sind diese Autos gespickt mit technischen Highlights, aber immer wird besonders viel Gegenwert fürs Geld geboten.

Der Ende 2001 eingeführte Hyundai Terracan ist ein typisches Beispiel dafür: ein konservativ konzipierter Allradler – mit Leiterrahmen, hinterer Starrachse, starr zuschaltbarem Allradantrieb und Reduktionsgetriebe den traditionellen Geländewagenprinzipien treu. Doch der Motor ist modern: Ein Turbodiesel mit Common-Rail-Technik treibt den Familien-Fourwheeler an, wahlweise gepaart mit einem Fünfgang-Schalt- oder einem vierstufigen Automatikgetriebe.

Der Terracan verkaufte sich in Deutschland auf Anhieb gut. Und wie üblich hierzulande, wählen die meisten Käufer keineswegs die betont schlichte Basisversion zum niedrigen Lockpreis. Sie investieren das beim Grundpreis gesparte Geld in eine feine Ausstattung und nehmen das Spitzenmodell GLS. Das bietet viel Auto fürs Geld und macht optisch mehr her.

Ruhiger Charakter mit sensibler Automatik

Genau diese Version, zusätzlich mit Automatikgetriebe versehen, trat Ende 2002 ihren Dienst als Dauertestwagen in der AUTO BILD ALLES ALLRAD-Redaktion an. Und schaffte sich auf Anhieb Freunde. Die problemlose Bedienung, der gute Reisekomfort dank großzügiger Raumverhältnisse und ordentlicher Federung und die angemessenen Fahrleistungen ließen die Redakteure speziell für Langstreckenfahrten gern auf den Hyundai zurückgreifen.

Sein ruhiger Charakter färbt auch auf den Fahrer ab. Selbst nervöse Piloten lassen nach einigen hundert Kilometern alle Hektik fahren und schnüren statt dessen gelassen mit Richttempo 130 über die Autobahn. So ergaben sich, forstet man das Fahrtenbuch durch, nur geringe Verbrauchsunterschiede zwischen den einzelnen Fahrern: Auch die sparsamen Naturen vermochten den Dieselkonsum kaum dauerhaft unter die Zehn-Liter-Marke zu drücken. Hektische Vollgaspiloten brauchten selten über zwölf Liter. So pendelte sich der Durchschnittsverbrauch über die gesamten 100.000 Kilometer bei 10,8l/100 km ein.

Ein guter Wert für einen großen Geländewagen. Daß eine noch sparsamere Fahrweise in der Praxis auch bei gemütlicher Landstraßenfahrt kaum möglich ist, liegt an der – milde ausgedrückt – ungewöhnlichen Abstimmung des Automatikgetriebes. Selbst bei behutsamem Druck aufs Gaspedal schaltet der Vierstufenautomat bei jedem Beschleunigungswunsch, bei jeder kleinen Steigung übertrieben spontan zurück und öffnet die spritsparende Wandlerüberbrückung. Ökonomischer Tempozuwachs mit niedriger Drehzahl ist schlichtweg unmöglich.

Oft gelingt es einem gefühlvollen Fahrer aber, die Automatiksteuerung durch kurzen, beherzten Gaspedaldruck bei Beginn des Beschleunigungsvorganges zu überlisten: Weil der Automat das darauf folgende Lüften des Pedals als Verringerung des Kraftbedarfs versteht, schaltet er willig einen Gang weiter und aktiviert oft sogar die drehzahlsparende Wandlerüberbrückung. Hyundai ist die Kritik am hektischen, eher auf einen drehzahlgierigen Benziner abgestimmten Schaltverhalten des Automaten nicht neu. Das Problem soll bei den neuesten Versionen durch einen "steiferen" Drehmomentwandler gemildert sein.

Warum kein permanenter Allradantrieb?

Von diesem Schönheitsfehler abgesehen, wurde als Bemerkung im Fahrtenbuch am häufigsten das Fehlen einer Geschwindigkeitsregelanlage eingetragen. Ein Tempomat würde vorzüglich zum ruhigen Naturell des Terracan passen. Er wird von Hyundai aber weder als Extra noch als Werkszubehör angeboten. Im übrigen wurde an der Ausstattung des Testwagens wenig vermißt.

Keine durchgängig positive Bewertung erntete das werksseitig eingebaute Grundig-CD-Radio. Sein Suchlaufsystem widersetzte sich gern dem Fahrerwunsch nach einem bestimmten Radiosender, stimmte statt dessen ungefragt auf die Station ab, die es selbst für hörenswert hielt. Das neuerdings im Werksprogramm geführte Becker-System mit eingebauter Navigation ist da eindeutig die bessere Wahl – und mit 999 Euro nicht zu teuer bezahlt. Eine andere Lücke im Ausstattungsumfang ist auf dem Nachrüstweg nicht behebbar. Nach wie vor bietet Hyundai Deutschland den Terracan nur mit starr zuschaltbarem Allradantrieb an. So rutscht etwa auf winterlich glatten Straßen gern das Heck aus der Kurve; denn der Allrad ohne Drehzahlausgleiche zwischen den Achsen ist im Straßenbetrieb wegen der dann eingeschränkten Lenk- und Bremsbarkeit tabu.

Die offizielle Begründung von Hyundai-Aftersales-Direktor Eberhard Niering, die Version mit zeitgemäßem Permanent-Allrad nicht zu importieren: Man habe sich den von Borg-Warner stammenden "Torque-on-Demand"-Antrieb, der etwa im Frankreich-Terracan angeboten wird, "näher angesehen" und sei zu dem Schluß gekommen, daß dieses System "nicht zu verantworten" sei, weil es "ruckartig die Vorderräder zuschalte" und einen "unangenehmen Einfluß auf die Lenkung" nehme. Unser Kommentar: Da wundern wir uns, daß das gleiche System in zahlreichen anderen Fahrzeugen, nicht zuletzt auch beim Sorento der Hyundai-Konzernschwester Kia, seit Jahren ohne die beschriebenen Fehler arbeitet.

Sehr zuverlässig, aber auch sehr teuer

Keine Ausrutscher leistete sich der Terracan bei der Zuverlässigkeit. Nie ließ er seine Fahrer im Stich, nur zwei echte Störungen waren zu verzeichnen: ein locker gewordener Scheibenwischerarm bei Kilometer 22.913, der von der Werkstatt wieder kostenlos festgeschraubt wurde, und eine gebrochene Leitung der Abgasrückführung, die seltsame Motorgeräusche verursachte und deren Reparatur nach Ablauf der Dreijahresgarantie 90 Euro gekostet hätte.

Nicht durchgängig preiswert war die routinemäßige Wartung . Abgesehen von den beträchtlichen Unterschieden je nach gewählter Ölsorte (ein Betrieb füllte teures, von Hyundai nicht freigegebenes Vollsynthetik-Öl ein) und vom Stundensatz, der in Großstädten erheblich höher war als auf dem Land, fiel die happige Rechnung der 90.000er-Inspektion auf. Hier ist der planmäßige Wechsel aller Treibriemen (Motor-Zahnriemen, beide Nebenaggregate-Keilriemen) fällig.

Hyundai-Stellungnahme: Die nächste Generation der Hyundai-Diesel wird über eine wartungsfreie Steuerkette verfügen. Zweite Auffälligkeit: die recht kurze Lebensdauer der Scheinwerferlampen. Laut Erfahrungen anderer Terracan-Fahrer (etwa in der Internet-Community www.hyundai4wd. com) soll der Austausch der Originallampen gegen hochwertigere Xenon-Leuchtmittel von Typ Future Gold (erhältlich etwa über die Eufab GmbH oder über Wal-Mart-Warenhäuser) eine längere Lebensdauer bringen.

Hyundai ist dieses Problem ebenfalls bekannt; Änderungen an Kabelbaum und Elektrik sollen die bei den frühen Terracan auftretenden Spannungsspitzen verhindern, die kostenlose Umrüstung auf dem Garantieweg ist möglich.

Technische Daten und Wertung

Für Langstreckenfahrten und den Transport sperriger Stücke war der Terracan immer erste Wahl bei den Redakteuren Der Hyundai Terracan erwies sich als grundsolides, zuverlässiges Fahrzeug. Pannen blieben gänzlich aus, nur ein außerplanmäßiger Werkstattbesuch war nötig. Nachdenklich stimmen die sehr unterschiedlichen Inspektionspreise und einige kleine Schönheitsfehler. Doch Hyundai ist um Abhilfe bemüht.

Technische Daten
Motor 4-Zylinder-Reihen-Turbodiesel
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Einspritzung direkt, el. Common Rail
Hubraum 2902 cm³
kW(PS) bei 1/min 110 (150)/3800
Nm bei 1/min 333/2000
Höchstgeschwindigkeit 173 km/h bei 3850/min
Drehzahl bei 130 km/h 2900/min
Radaufhängung vorn Einzelrad, Querlenker, Drehstabfedern
Radaufhängung hinten Starrachse, 4 Längslenker, Panhardstab, Schraubenfedern
Lenkung Kugelumlauf mit hydraul. Servo
Allradantrieb Hinterradantrieb, Frontantrieb w.d. Fahrt (bis 80 km/h) zuschaltbar
Kraftverteilung v:h 0:100 / 50:50
Traktionshilfen Differentialbremse hinten
Getriebe 4-Gang-Automatik mit Geländeuntersetzung
Übersetzungen I: 2,804; II: 1,531; III: 1,00; IV: 0,705; R: 2,393;
Achsen: 4,222
Verteilergetriebe High: 1,00; Low: 2,48
Geschw. bei 2000/min im I./Low variabel
Karosserie Leiterrahmen, aufgeschr. Kaross.
Türen/Sitzplätze 4/5
Hecköffnung einteilige Heckklappe
Bremsen vorn innenbelüftete Scheiben
Bremsen hinten innenbelüftete Scheiben
Serienbereifung 235/75 R 15
Testwagenbereifung 235/75 R 15 od. 255/65 R 16
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 75 l/Diesel
Anhängelast gebremst/ungebremst 3500/750 kg
Stützlast 115 kg
Dachlast 100 kg
Wendekreis links/rechts 12,0/12,2m
L/B/H 4710/1860/1870 mm
Bodenfreiheit 190 mm
Zuladung 620 kg
Böschungswinkel v/h 30°/25°
Rampenwinkel 20°
Steigfähigkeit 100%
Wattiefe 500 mm
Verschränkungsindex 85 %
Testwerte
0-100 km/h 14,2 s
80-120 km/h 11,7 s
Bremsweg** kalt/warm 43,8/43,3 m
Innengeräusche 100 km/h 68 db(A)

Preise und Kosten

Die Kosten sind mit 18 Cent pro Kilometer noch akzeptabel und auf dem Niveau des Dauertest BMW X5 3.0d. Beim Wertverlust schneidet der Terracan gegenüber dem X5 sogar deutlich günstiger ab – 18 zu 25 Cent je Kilometer. Aber der Nissan X-Trail-Dauertest war mit 13 Cent Wertverlust und 16 Cent Betriebskosten pro Kilometer noch günstiger.

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