Dauertest Mercedes C 180 — 25.10.2009
Mercedes C-Klasse im Härtetest
Baut Mercedes wieder wahre Dauerläufer? Die Frage soll ein Mercedes C 180 Kompressor beantworten – die ersten 100.000 km meisterte er souverän. Doch es geht weiter: AUTO BILD möchte wissen, wie lang ein neuer Mercedes hält.
Schmeichelhaft sind die ersten Einträge im grünen Dauertestbuch nicht. Weiß mit Stahlrädern – wie piefig! Oder: billige Kunststoffe. Und: Der ganze Innenraum ist eine traurige Veranstaltung. Alles schwarz. Brightonschwarz, Stoff 001, um genau zu sein. Die Kritik gilt nicht etwa einem Billig-Kleinwagen aus Korea. Ein nagelneuer Mercedes ist gemeint. Am 4. September 2007 tritt er seinen Dienst bei AUTO BILD an. C 180 Kompressor Classic, Farbe 650 – Calcitweiß. Ein Basismodell mit nur einem Extra an Bord: dem Radio "Audio 50 APS" mit kleiner Navigation ohne Ausklapp-Bildschirm – den in den zwei Jahren übrigens keiner vermisst. Auf Rezept gibt es den Kassen-Daimler nicht. Sein Listenpreis 2007: 31.844 Euro. Nach etwas Feilschen stehen 29.900 Euro auf dem Zettel – viel Geld. Zu viel? Auf den ersten Blick schon. Denn: Gewohnte
Mercedes-Qualität ist das nicht, notiert ein Kollege.
Der C 180 tritt an zum lebenslangen Test
So sieht es im Basis-Benz aus: schwarzer Stoff, robuste Kunststoffe, kinderleichte Bedienung.
Ob der wirklich 300.000 Kilometer hält? Angeblich sind
Mercedes-Modelle ja für diese Strecke gebaut. Und so lange soll er bei uns fahren. Bis nichts mehr geht, bis er ein wirtschaftlicher Totalschaden ist. Der Weiße muss beweisen, wie lange ein neuer Mercedes heute wirklich läuft. Doch mit jedem Kilometer, den unsere
C-Klasse in Redaktionsdiensten frisst, überzeugt sie die zahlreichen Zweifler. Mit Leistung, nicht durch Luxus aus der Aufpreis-Liste. Der Kompressor-Vierzylinder etwa kostet gar nichts extra – und überzeugt trotzdem restlos. Prima Motor, steht da im grünen Buch, enorm sportlich, genug Druck ab 160 km/h im sechsten Gang. Tatsächlich erledigt der 156-PS-Motor seinen Job souverän. Dabei klingt er mit seinem dumpfen Kompressor-Brummen angenehm – und sparsam bleibt er auch. Wer gemütlich bummelt, freut sich tatsächlich über Werte mit einer Sechs vor dem Komma auf dem überraschend exakt rechnenden Bordcomputer. Im Dauertest-Mittel sind es 9,9 Liter. Nicht viel für ein Auto, das oft schnell über die Autobahn getrieben wird.
| Technische Daten Mercedes-Benz C 180 Kompressor |
| Motor |
Vierzylinder-Benziner, mit Kompressor-Aufladung, vorn längs eingebaut |
| Ventile/Nockenwellen |
4 pro Zylinder/2 |
| Hubraum/Ventilsteuerung |
1796 ccm/Steuerkette |
| kW (PS) bei U/min |
115(156)/5200 |
| Nm bei U/min |
230/2500 |
| Höchstgeschwindigkeit |
223 km/h |
| Abgasnorm - Abgas CO2 |
Euro 4 - 182 g/km |
| Getriebe/Antrieb |
6-Gang/Hinterradantrieb |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte |
66 l/Super |
| Kofferrauminhalt |
475 l |
| Leergewicht/Zuladung |
1555/415 kg |
| Anhängelast gebremst/ungebremst |
1700/740 kg |
| Länge/Breite/Höhe |
4581/1770/1447 mm |
Die C-Klasse passt wie ein Maßanzug
Basis-Benz ohne Extras: Mehr Auto braucht kein Mensch. 156 PS reichen vollkommen, mehr ist purer Luxus.
Immer mehr Lob sammelt sich im Fahrtenbuch: Super Federungskomfort, die Schaltung ist ungewohnt exakt, erstaunlich leise – bis auf Windgeräusche an der A-Säule –, perfekte Sitzposition, er klappert überhaupt nicht, sogar der Platz reicht. Wie viel Auto braucht der Mensch? Spätestens nach 1000 Kilometern C-Klasse am Stück gibt es für die meisten Fahrer eine Antwort: C 180 Kompressor, nackt. Reicht vollkommen. Und macht glücklich. Die kleinste C-Klasse ist ein Auto, das den Fahrer in Ruhe lässt. Hier piept es nicht, es knirscht und zirpt auch nirgends. Willkommen zu Hause: Hier passt er wieder, der alte Mercedes-Slogan. Man fühlt sich wohl, weil der 180er nichts fordert – ein Kassenmodell ohne Risiken und Nebenwirkungen. Aber dieser Mercedes kann mehr als nur gemütlich. Er wetzt exakt und punktgenau ums Eck, egal ob Parkhaus oder schnell durchfahrene Autobahnkurven. Das Fahrwerk spielt mit, die Beinarbeit gleicht Unebenheiten perfekt aus. Ein gelungener Kompromiss zwischen komfortabler Sanftheit und sportlicher Kondition.
| Preise Mercedes-Benz C 180 Kompressor |
| Grundpreis |
33.302,15 Euro |
| Sitzheizung vorn |
369 Euro |
| Durchlademöglichkeit |
309 Euro |
| Fünfstufen-Automatikgetriebe |
2178 Euro |
| Audio 50 APS |
1856 Euro |
| Schiebe-Hebedach elektrisch in Glasausführung |
1214 Euro |
Topfit nach 100.000 km
Mit den Pirelli-Winterreifen federt die C-Klasse besonders elegant, weil die weichere Gummimischung kurze Stöße besser pariert. Nachteil: Die Lenkpräzision leidet, der Geradeauslauf wirkt nicht mehr, als würde der Benz am Schnürchen gezogen. Die 100.000 Kilometer spult unser Mager-Modell mühelos ab. Nur einmal bremst ihn ein Nagel im Reifen. Nicht erwähnenswert, wenn der 180er einen Ersatzreifen dabeihätte. Stattdessen liegt in der Reserveradmulde ein Fläschchen Tirefit. Spart Platz, wenn man es nicht braucht, kostet aber Nerven, wenn der Reifen platt ist: Ventil rauspulen, Schlauch auf die Pulle drehen, Pampe in den Reifen quetschen. Und am Ende der Prozedur ist das Loch doch zu groß, ein Abschlepper muss die gestrandete C-Klasse an den Haken nehmen.
| AUTO BILD Testwerte |
| Messung bei... |
Testbeginn |
Testende |
| Beschleunigung 0-50 km/h |
3,0 s |
2,9 s |
| 0-100 km/h |
9,1s |
8,9 s |
| 0-130 km/h |
14,4 s |
14,2 s |
| Elastizität 60-100 km/h |
8,5 s (4. Gang) |
8,6 s (4. Gang) |
| 80-120 km/h |
11,3 s (5. Gang) |
12,0 s (5. Gang) |
| Bremsweg aus 100 km/h kalt |
39,0 m |
38,9 m |
| Bremsweg aus 100 km/h warm |
39,8 m |
39,5 m |
| Testverbrauch/100 km (Teststrecke) |
8,0 l Super |
8,2 l Super |
| Innengeräusch bei 50/100/130 km/h |
60/66/70 db (A) |
58/66/70 db (A) |
| Leistungsmessung (Testende) |
113,1 kW/153,8 PS) |
| Abgasmessung (Testende)* |
NOx 0,025/CH 0,076/CO 0,645/CO2 195g** |
| * Messungen erfolgten auf dem Prüfstand des DEKRA Technology Center Klettwitz; ** alle Angaben in g/km |
Die Traumnote 1 verfehlt der C 180 haarscharf
Der Blick in die Hohlräume beweist: absolut rostfrei, perfekte Konservierung.
Die Traumnote 1 verfehlt unser weit gereister 180er aber aus anderen Gründen. Drei Flecken sammelt er auf seiner calcitweißen Weste. Er frisst Glühbirnen, neun ließ er sich schmecken. Ein Mechaniker muss im Kofferraum abtauchen, weil sich dort Wasser sammelt. Ergebnis: Dichtung heil, aber schlampig verklebt. Bei der 100.000-Kilometer-Inspektion werden zudem die vorderen Bremsankerbleche gewechselt. Grund: Materialrisse. Ein Serienfehler, der mittlerweile abgestellt ist. C 180 Kompressor Classic, der ultimative Mercedes? Wir werden es erfahren. Unser Kassenmodell bleibt ja im Team. Für weitere 100 000 km. Und mehr.
| Reparaturen |
| Kilometerstand |
Reparatur |
Kosten |
| 55130 |
Neue Bremsklötze an der Vorderachse eingesetzt |
182,12 Euro |
| 79171 |
Abdichtung vom Kofferraum ersetzt |
Garantie |
| 102605 |
Eingerissene Bremsankerbleche an der Vorderachse gewechselt |
Garantie |
|
Neue Bremsscheiben und -klötze an der Vorderachse montiert |
408,46 Euro |
Neuer Basis-Benziner seit 2008
Downsizing ist der Trend im Motorenbau. Auch der Mercedes C 180 Kompressor hat seit April 2008 keine 1,8 Liter Hubraum mehr, sondern kommt mit 1,6 Litern aus. Nur noch in Verbindung mit Automatikgetriebe kommt weiterhin der 1,8-Liter-Vierzylinder zum Einsatz. Beide Varianten des intern M271 genannten Aggregats leisten 156 PS. Dank Kompressoraufladung schiebt der neue 1,6-Liter-Motor bereits ab 1500 Touren schwungvoll an, mit dem lang übersetzten sechsten Gang schafft er sogar 230 statt zuvor 223 km/h Spitze. Dass sein maximales Drehmoment – unverändert 230 Nm – jetzt erst bei 3000 Touren statt bei 2500 anliegt, merkt der Fahrer nicht.
| Zuverlässigkeitswertung |
| Fahrzeug nicht fahrbereit |
0 x 10 Punkte |
| Unplanmäßiger Werkstattaufenthalt |
0 x 5 Punkte |
| Defekte Funktionsteile |
0 x 3 Punkte |
| Geringfügige Defekte |
11 x 1 Punkte |
| NOTE |
2 |
| Für jeden Defekt sammelt der Dauertest-Wagen Punkte. Je weniger Fehler-Punkte am Ende auf dem Konto stehen, desto besser ist die Platzierung. |
Modellpflege im Früjahr 2011
Anfang 2011 kommt die C-Klasse unters Messer. Ihr Blick wird mit hochgezogenen Augenbrauen wacher, LED-Tagfahrlicht-Streifen folgen der aktuellen Mode. Viel wichtiger: Im Innenraum gibt es das edlere Cockpit aus dem neuen
E-Coupé, außerdem finden fünf neue Motoren den Weg ins Modellprogramm. Darunter sind zwei Vierzylinder-Benziner mit Turbolader. Sie lösen die Kompressor-Triebwerke ab, die den neuen Abgasnormen nicht mehr genügen. Neu sind der 1,6-Liter (180 CGI, 156 PS) und ein 2,0-Liter (200 CGI, 184 PS).
| Kosten |
| Betriebskosten/Garantien |
| Fixkosten pro Jahr |
| Haftpflicht 15 (100%, R11)* |
747 Euro |
| Vollkasko 21 (500 € SB, R9)* |
1169 Euro |
| Teilkasko 17 (153 €, R10)* |
92 Euro |
| Kfz-Steuer |
121 Euro |
| Kraftstoffkosten für 102.685 km |
| 10.107,12 Liter Super (=9,9 l/100 km) |
12.836,04 Euro |
| Motoröl-Nachfüllbedarf 13,0 Liter |
260 Euro |
| Inspektionskosten (inklusive Ölwechsel) |
| nach Anzeige bei 26.160 km |
241,43 Euro |
| nach Anzeige bei 53.130 km |
375,40 Euro |
| nach Anzeige bei 79.171 km |
405,83 Euro |
| nach Anzeige bei 102.605 km |
424,06 Euro |
| Reifenkosten (inklusive Montage) |
| 2 Satz Sommerreifen Michelin Energy Saver 195/60 R 16 V |
1014 Euro |
| 1 Satz Winterreifen Pirelli W 210 Sottozero 195/60 R 16 H |
422 Euro |
| Preise/Wertverlust |
| Testwagenpreis 09/2007 (inklusive Extras) |
31.844,40 Euro |
| Neupreis 10/2009 |
33.302,15 Euro |
| Schätzpreis 10/2009 |
15.270 Euro |
| Wertverlust des Testwagens |
16.574,40 Euro |
| Gesamtkosten für zwei Jahre |
| auf 102.685 km |
20.871,13 Euro |
| Kosten pro km |
0,20 Euro |
| Kosten pro km mit Wertverlust |
0,36 Euro |
| * Neue Typklasseneinteilung seit Oktober 2009 HPF 18, VK 23, TK 19 |
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Andreas Borchmann
Fazit
Was macht ein Auto zum qualitativ hochwertigen Produkt? Der schöne Schein, ein glanzvoller Auftritt mit edlen Materialien? Wem das am Herzen liegt, der wird mit dem C 180 Kompressor Classic nicht glücklich. Denn ein Kritikpunkt bleibt auch nach 100.000 Kilometern bestehen: Die Oberflächen im Innenraum wirken billig und passen nicht zu einem 30.000-Euro-Auto. Nein, die wahren Qualitäten der C-Klasse liegen woanders. Sie ist ein uneitles Auto, das in fast jeden Alltag und zu vielen unterschiedlichen Fahrertypen passt. Zuverlässig, wertbeständig und preiswert im Betrieb ist der C 180 noch dazu. Nur die defekten Glühlampen verhinderten die Note 1 und eine bessere Platzierung in der Dauertest-Bestenliste. Wir sind gespannt, ob der Basis-Benz die nächsten 100.000 Kilometer genauso locker und zuverlässig wegsteckt.
Kommentare zum Artikel (49)
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Seit nun 3 Monaten und rund 12'000 km fahre ich einen C180 T Kompressor Grundmodell Bj. 04/2010, und bin vollkommen zufrieden mit dem Wagen. Das Auto habe ich als Ausstellung- / Vorführwagen mit 12'500 km auf dem Tacho gekauft, ausser Radio 50, Metalliclack und Automat (5 Stufen) sind keine Extras vorhanden. Der Motor ist der kleine mit 1598 cm3, für meine Ansprüche (viel Langstrecke, hauptsächlich Schweiz und Italien) jedoch vollkommen ausreichend. Der Wagen verbraucht auf Strecke rund 7 l/100 km, im lokalen Verkehr zwischen 8 und 9. Ich bin absolut zufrieden und kann den Wagen nur empfehlen.
Ich habe den C 180 K "als jungen Stern mit 8000 km" beim Händler gekauft. Bin an der Ostseeküste vorbei bis weit nach Polen gefahren, insgesamt ca. 2700 km und muß sagen, daß Fahrzeug hat mich begeistert. Ich hatte über lange Srecken teilweise ein Verbrauch von 6,5 Liter, es klappert nichts, der Motor läuft ruhig und kultiviert, für mich ist der C 180 K als jahrzehntelanger notoricher BMW-Fahrer nicht nur die bessere Alternative sondern PLUS-EXTRA. Ich hoffe, es bleibt auch in Zukunft so, nachdem ich von BMW zweimal enttäuscht worden bin.
Zum Thema"Stoßdämpfer: nach 12500 Km mußte der vodere rechte Dämpfer gewechselt werden., ein Zulieferteil.
Lieber Leo auch wenn du ärger mit deinen Stossdämpfern hast, in Sachen langlebigkeit liegt Mercedes immernoch ganz weit vorn. Fahr bei gelegenheit mal Taxi und sieh dir die Kilometerstände in einem Mercedes an und vergleiche dann mit anderen Marken. Auch die Materialien im Innenraum sind von bester Qualität. Es gibt kein Auto was länger hält, deswegen hält Mercedes immernoch 50% der Taxiverkäufe in Deutschland.
Bei meinem C180 muss nach nur 12.000 km jetzt schon der zweite defekte vordere Stoßdämpfer ersetzt werden und ich bin nicht der Einzige. Der Serviceberater behauptet so etwas noch nie gesehen zu haben...
Der Premiumanspruch von MB bezieht sich heutzutage nur noch auf den Geldbeutel des Käufers und nicht mehr auf die eigene Produktqualität. Mit ein paar Werbeeuros hält man dann die Fachpresse in Schach. Bravo!
Grüße aus dem Schwabenländle,
Leo