Dauertest Peugeot 307 HDi

Peugeot 307 HDi Peugeot 307 HDi

Dauertest Peugeot 307 HDi

— 15.06.2004

Diesel mit Filter – und mit Ärger

Der viel diskutierte Rußpartikel-Filter hielt zwar problemlos. Aber die Technik streikte. Zweimal wurde der 307 HDi abgeschleppt.

Zwei kapitale Schäden auf 100.000 Km

Deutsche sprechen vom Montagsauto. Die Franzosen regeln die ärgerliche Angelegenheit natürlich galanter und erfinden einen Schuldigen: Jean-Luc. So heißt der unbekannte Mensch am Fließband, der morgens in seiner seelischen Warmlaufphase Mist baut. Kleiner Fehler mit großer Wirkung? Dann war das sicher Jean-Luc. Klingt lustig, so nonchalant – hätte nicht dieser Jean-Luc bei unserem Dauertest-307 während unseres 100.000-Kilometer-Marathons zwei kapitale Schäden verursacht, die den HDi gleich zweimal auf den Abschleppwagen zwangen. Der viel diskutierte Rußfilter war übrigens nicht schuld.

Aber der Reihe nach. Als unser Dauertest-Peugeot erstmals auf dem Hof steht, spürt fast jeder, dass Größeres geschieht: Der 307 überragt den Golf in jeder Richtung. Innen rücken Dach und Fenster spürbar weiter weg. Ist das noch ein Kompakter? "Herrliches Raumgefühl, viel Platz auch im Kofferraum, ein sehr guter Reisewagen", urteilt Redakteur Diether Rodatz. Lob ernten die vielen Ablagen, klare Instrumente und die logische Anordnung der Schalter.

Andererseits spaltet das neue Format die Geschmäcker. "Die Größe nützt mir nichts, wenn der 307 dafür unübersichtlich ist wie ein Van", klagt Testredakteur Manfred Klangwald. Die Front ist hinter der schräg stehenden Scheibe, die den Innenraum schnell aufheizt, nur schlecht abzuschätzen.

Federungskomfort zum Wohlfühlen

Ungewöhnlich kontrovers auch das Urteil über die Sitze: für die einen "schmerzfrei langstreckentauglich, endlich mit genug Schenkelauflage", für die anderen "ein Graus: viel zu harte und steile Sitzfläche. Die Lehnenverstellung per Federdruck ärgert nur." Ob die persönliche Vorliebe sich an deutschen Sitzen auch so ausgetobt hätte? Tatsache ist: Die Peugeot-Polster kommen hiesigem Geschmack schon sehr entgegen.

Gleiches gilt für das Fahrwerk. Ausreichend straff für die deutsche Autobahn-Eile, aber noch komfortabel genug für die Langstrecke. Der Federungskomfort trägt eindeutig zum Wohlfühlen im 307 bei, wenngleich ein deutliches Poltern auf schlechter Piste den guten Eindruck trübt. Da fehlt eine bessere Entkoppelung des Fahrwerks. Zu den ungelösten Rätseln gehören gelegentliche Elektronik-Hexereien: Die Lichthupe schaltet grundsätzlich verzögert, das Display meldet einmal "ESP-Ausfall", der Blinker fällt zweimal aus. Na klar, war sicher Jean-Luc.

Hatte der Fehlerteufel beim Motor Urlaub? Scheint so, denn der 2,0-Liter-HDi (bei Peugeot/Citroën in vielen Modellen der Brot-und-Butter-Diesel) gefällt mit dezentem Klang und großer Laufruhe, wie Reporter Alex Cohrs festhält: "Selbst bei 180 km/h kann ich mich in Zimmerlautstärke unterhalten." Kein Vergleich zum rumorenden TDI – doch gerade diese VW und Audi zogen auf der Autobahn mühelos am 307 vorbei, der nicht einmal die versprochenen 191 km/h Spitze erreichte.

Ein Turbodiesel mit 101 statt 107 PS



Das Leistungs-Manko des Franzosen bestätigt ein Besuch auf dem Prüfstand. Ergebnis: 101 statt der versprochenen 107 PS. Das liegt – wie der deutsche Importeur in Saarbrücken kleinlaut bemerkt – "noch innerhalb der erlaubten fünf Prozent Toleranz". Eine Ausrede, die ebenso müde wirkt wie der Motor. Ein Turbodiesel ohne Dampf ist wie Fußball ohne Tore – wozu fährt man sonst HDi? Doch wohl zum flotten Kilometerfressen mit Spatzendurst – und ausgerechnet beim Spritkonsum enttäuscht der Peugeot erneut: Knapp acht Liter verbrauchte der Kompakte im Schnitt.

Zugegeben, wir haben den HDi reichlich gescheucht, aber andere Diesel kommen dabei mit weniger aus. Na ja, die haben auch keinen (ein paar Zehntel schluckenden) Rußpartikel-Filter – auf dessen Alltagsbetrieb wir besonders gespannt waren. Zu spüren war vom Saubermann im Auspuff lange nichts.

Der 307 fuhr und fuhr, bis nach 66.899 Kilometern das Tachodisplay warnte: "Minimalstand Diesel Kraftstoff-Additive." Jetzt schon? Laut Handbuch ist der Stoff erst nach 80.000 Kilometern fällig. Peugeot hatte keine Erklärung – oder war ab Werk zu wenig eingefüllt? Wieder fiel der Name Jean-Luc.

Per Abschleppwagen in die Werkstatt

Selbstverständlich kennt AUTO BILD die Filter-Vorschriften: Tausch nach 80.000 Kilometern, das Display fordert zusätzlich dazu auf – wir fuhren folgsam in die Werkstatt. Ärgerlich nur, dass dort kein Ersatzfilter vorrätig lag. Neue Anweisung: "Die Weiterfahrt ist Unbedenklich". Was passiert, wenn "Daniel Diesel-Durchschnitt" den Termin verpennt, durften wir doch noch erleben: Die Elektronik schaltete bei verstopftem Filter ins Notprogramm, der 307 zuckelte gen Werkstatt, wo jetzt der Filter getauscht wurde. Kostenlos.

Unsere Erfahrungen zeigen eindeutig, dass HDi-Besitzer den Wartungstermin peinlichst einhalten sollten – nur dann gibt Peugeot eine Garantie. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte unser Vertrauen in den 307 längst Kratzer bekommen: Bei km-Stand 78.299 rollte Online-Redakteur Ralf Bielefeldt auf der Autobahn aus: Der Motor lief, die Gänge rasteten ein, aber es ging nicht voran. Per Abschleppwagen ging's in die Werkstatt, wo sich ein defektes Schwungrad als Ursache zeigte. Böses Malheur. Doch es sollte nicht das einzige bleiben.

Ein hässliches Kreischen wirkte wie eine Alarmsirene, um den Peugeot bei Kilometer 97.690 nochmals in die Werkstatt zu schicken. Auf dem Weg dorthin quoll plötzlich dicker weißer Qualm aus dem Motorraum, wie ihn Kimi Räikkönen von seinem Formel-1-Renner nur zu gut kennt. Der Turbolader war hin – dass hier ein sehr seltener Schaden auftrat, konnte das schlechte Dauertest-Resultat nicht mehr relativieren.

Technische Daten und Wertung

Auf 100.000 Kilometern verreckten Schwungrad und Lader eines Turbodiesels – am 307 gingen wichtigste Teile des Antriebs kaputt, die den Normal-Kunden allemal teuer zu stehen kommen. Dass der Rußfilter keine Macken machte, verkommt angesichts dieser verheerenden Bilanz zur Randnotiz. Zweimal Abschleppwagen – damit landet der Peugeot 307 HDi in unserer Zuverlässigkeits-Statistik auf dem letzten Platz. Excusez, aber Jean-Luc, der Fehlerteufel, hat hier ganze Arbeit geleistet.

Preise und Kosten

Die Kosten sind mit 13 Cent akzeptabel, der Wertverlust liegt mit elf Cent je Kilometer im üblichen Rahmen – und im übrigen auf dem gleichen Niveau wie bei unseren Dauertests Nissan Almera und VW Golf IV.

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