Dauertest Renault Laguna 1.9 dCi

Dauertest Renault Laguna Dauertest Renault Laguna

Dauertest Renault Laguna 1.9 dCi

— 26.08.2004

Oh, lá, lá die Idee – Perfektion nur lala

Er fuhr anfangs in unsere Herzen. Doch der Liebe auf den ersten Blick folgte bald die Ernüchterung.

Ein begehrter Langstreckendienstwagen

Vor fast genau zwei Jahren gab der Renault Laguna einen furiosen Einstand. Die Kommentare im Test-Tagebuch überschlugen sich geradezu: "Sanfter Sport-Diesel, sicher und sahnig-komfortabel." Oder: "Schöner Reisewagen, sich reinsetzen, und alles passt." Oder: "Sogar die Verarbeitung scheint zu stimmen." Es war Sommer, und alles klang nach dem Beginn einer wundervollen Freundschaft.

Kritisiert wurden lediglich das empfangsschwache Radio und die zu weichen Sitze, aber das ist erst mal ganz subjektiv zu sehen. Fakt war: Der 4,58 mal 1,77 Meter große Laguna 1.9 dCi Sechsgang parkte ganz selten vor der Redaktion. Dank 88 kW (120 PS) und der luxuriösen Privilège-Ausstattung war er als Langstreckendienstwagen sehr begehrt, also eigentlich immer auf und davon.

Im September – und 15.000 Kilometer weiter – schlug Redakteur Leopold Wieland mit nur zwei Worten eine kritischere Tonart an: "Knurriger Wonneproppen." Aha, zu dem etwas rau laufenden Vierzylinder gesellte sich noch ein Rappeln. Wie sich in der Werkstatt zeigte, hatte sich das Luftführungsrohr zum Luftfiltergehäuse losgeschüttelt.

Harte Winterzeit und anfällige Elektronik

Und es folgten die Erkenntnisse der kühleren Jahreszeit: "Heckscheibenheizung stört nach Einschalten den Radioempfang, Heizung zu schlapp, Sitzheizungsschalter perfekt versteckt." Die wundersame Heckscheiben-Störung legte sich mit den Monaten von selbst – Dieselheizungen sind naturgemäß Spätstarter.

Der Schalter für den Popo-Wärmer liegt vorn am Sitz in Höhe der Waden. Irgendwann also greift man zwar blind dorthin, ärgert sich aber immer darüber, dass der Schalter einstufig ist und es für beide Frontsitze nur eine einzige Kontrollleuchte gibt. Überhaupt die Elektronik: Da gab es überwiegend größtes Lob für das Navigationssystem ("die wichtigsten Funktionen sind intuitiv zu bedienen", "echt Klasse, warnt schon vor Staus, bevor das Radio sie meldet").

Aber das Keyless-Go Entry & Drive streikte plötzlich. Der automatische Türöffner, der die Chipkarte schon in der Jackentasche erkennen soll, zeigte durch ein regelmäßiges Ticken, dass irgendwo der Kupferwurm drin war. Und tatsächlich: Bei Kilometerstand 33.095 mussten Kartenlese- Einschub und Starterknopf ausgewechselt werden.

Toller Fahrkomfort und geringer Dieseldurst

Auch der Regensensor erleichterte nicht wirklich die Arbeit. Bei Niesel wischte er zu schnell, bei Sturzbächen oft zu langsam. Die Klimaautomatik gab sich eigenwillig. So schaltete ihr Schadstoffsensor bei Bedarf zwar auf Umluft, aber zurück ging es nur per Handbetrieb. Die unzuverlässige Reifendruckkontrolle und das öfter mal schlecht schließende elektrische Schiebedach zeigten, dass die Elektronik eben noch nicht so richtig ausgereift war.

Ruhige Monate folgten. Die Fahrer erfreuten sich an der guten Straßenlage, dem Fahrkomfort und dem geringen Dieseldurst. Bei entspannter Fahrweise flossen durchweg weniger als sechs Liter durch die Common-Rail-Direkteinspritzung. Ärger bereiteten wieder nur Kleinigkeiten. So knisterte bei Kälte der Kunststoff, da rutschten die Fußmatten lose herum, und es zeigte sich, dass die Mehrheit der Insassen die Sitze doch für zu weich und zu haltlos hielt.

Als Nutz-Fahrzeug wiederum gab sich der Laguna so vielseitig wie sein Kombi-Bruder. Mit 430 Litern (Grandtour 475 Liter) ist sein Kofferraum voll familien- und weinflaschentauglich. Es hätte jetzt alles beim Savoir-vivre, der feinen Lebensart, bleiben können, wenn nicht Redakteur Ben Arnold eilig nach Ulm gemusst hätte.

Dem Turbo ging die Luft aus – warum nur?

Bei Kilometerstand 59.740 und flotter Fahrt nebelte der Auspuff plötzlich bei Würzburg die Autobahn ein, das Display warnte "Störung Einspritzanlage". Auch wenn Kollege Ben es gewollt hätte, er konnte nicht weiterfahren, die Leistung blieb weg. Grund: Turbolader kaputt, er musste mitsamt dem Ladeluftkühler ausgewechselt werden. Zwar soll verschmutztes Motoröl den Schaden verursacht haben, doch wird die Beweisführung hier zum schwierigen Schmierenstück.

Renault redet vom Einzelfall, einige Leser melden aber das Gegenteil. Der Laguna jedenfalls schien geläutert. Zwar warnte er noch einmal aus ganz unerfindlichen Gründen vor einem Einspritzfehler, aber diesmal half ein einfacher Laien-Trick: Motor aus- und wieder anschalten – er lief wieder und ließ uns nie mehr im Stich.

Die restlichen Kleinigkeiten nahmen wir locker, besannen uns aufs Laisser-faire, das französische Gewährenlassen. Obwohl einem das beim Testwagenpreis von gut 30.000 Euro schon ein wenig schwer fällt. Im Prinzip sind Laguna und vor allem der Kombi Grandtour optisch eine Bereicherung des Straßenbildes. Wenn sie dann noch an Zuverlässigkeit gewinnen würden, hätten sie das Zeug, ernsthafter gegen Mondeo, Vectra, Passat und Co anzutreten.

Technische Daten und Wertung

Wir haben ihm nichts geschenkt. Auf 100.175 Testkilometern ist der 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel kräftig rangenommen worden. Die Vermessung der Motorteile bei Testende zeigt, dass der Zweiventiler die Strapazen gut weggesteckt hat. Alle Werte liegen im Bereich der Neuteile-Toleranz. Dazu passt der minimale Öldurst: nur ein halber Liter Nachfüllbedarf auf der Gesamtstrecke. Der Motor also ist kerngesund, das Getriebe nach dem Kaltstart hakelig, zeigt aber an seinen Bauteilen keine auffälligen Verschleißspuren.

Die Karosserie macht einen soliden Eindruck. Die Hohlräume sind ausreichend gegen Korrosion konserviert. Nur die Halteklammer für den Motorhaubenaufrichter ist haltlos, ein Luftführungsrohr hat sich gelöst, und die Batterie ist schlapp. Die Inneneinrichtung hat den Test gut überstanden. Motor gesund, Karosserie ebenso.

Preis und Kosten

Günstig oder nicht? Eher durchschnittlich, unser Dauertest Audi A4 war im Unterhalt nur einen Cent günstiger – aber in puncto Wertverlust erheblich besser.

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