Dauertest Skoda Fabia 1.4 16V Comfort

— 19.05.2003

Saugut – oder nur Schwein gehabt?

Der Stall-Gefährte des Polo ging mit AUTO BILD auf 100.000-Kilometer-Test. Eine Reise, nach der manch Konkurrent Futterneid bekommen könnte.

Goldrichtige Wahl mit 75-PS-Motor

Erteilen wir dem Kollegen Matthias Moetsch schon mal das erste und lange nicht letzte Wort. Der Kilometerzähler des Skoda Fabia zeigte knapp vierstellig, da lobte der Redakteur: "Donnerwetter! Ich meinte, in einem Golf zu sitzen." Anderthalb Jahre und 100.000 Kilometer später jubelt er immer noch: "Mann, der wirkt ja noch immer taufrisch!"

Frischling Fabia startete im Juni 2001. Als Schrägheck-Limousine mit "Comfort"- Ausstattung und 55-kW-Benziner. Dass die Wahl des 75-PS-Motors goldrichtig war, zeigen die realen Skoda-Verkaufszahlen: 60 Prozent aller Stufenhecks, 52 Prozent aller Combis und 37 Prozent aller Schräghecks wurden bisher mit diesem 1,4-Liter Superbenziner geordert (verträgt dank Klopfregelung mit etwas Leistungsverlust auch Normalbenzin).

Wobei die Futtersorte durchaus als Kompliment verstanden werden kann: Dieser Benziner ist wirklich ein super Implantat. Es schien überhaupt nicht zu altern und macht aus dem kleinen 1,15-Tonner ein temperamentvolles Reisewägelchen. "Für zwei Personen und Gepäck ein prima Langstrecken-Renner", notierte Kollege Oliver Hilger vom Motorsport. Um dann gleich bescheidener einzuschränken: "Mit vier Personen und Wochenendgepäck ist er natürlich auch genießbar." Dann lässt man schon mal die Gepäckraum-Abdeckung zu Hause, und die erste Reihe rutscht ein wenig nach vorn.

Kritikpunkt: Armaturentafel

Womit sie dann näher an einem (subjektiven) Kritikpunkt sitzt: der Kunststoff-Qualität der Armaturentafel. Der kollegiale Aufschrei ging von "grauenhaft, man will es besser nicht berühren, und das Lenkrad greift sich wie eine zehn Jahre alte Taucherbrille" über "Lada-ähnliches Material" bis hin zu "sehr triste Veranstaltung". Was Skoda-Qualitäts-Chef Erwin Mackowiak beim Abschlussgespräch etwas in Rage bringt. "Die Oberfläche ist hochwertiger, als sie vielleicht aussieht", verteidigt er sein Werk.

Und wie es darunter aussieht, geht niemanden etwas an? Von der ersten bis zur letzten Fahrstunde meldete sich jedenfalls ein Knistern aus der Armaturentafel. Das witzigerweise schon beim Handauflegen verstummte. Inzwischen ist der Übeltäter entlarvt: Knisterer war ein kleiner Zentrierbock, der nun dank speziellem Einlegeteil nichts mehr von sich hören lässt. Zweite Nervensäge war zeitweise der vierte Gang. Ab etwa Tachostand 15.000 fing die Synchronisierung an zu schwächeln, bei Kilometer 43.745 war dann der Getriebeaustausch fällig. Ein großer Aufwand für ein zehn-Euro-Teil, aber Werkstätten können und wollen heute immer seltener reparieren.

Skoda, die traditionsreiche Tschechenmarke, hat seit der Wende und dem Einstieg von VW (1991) einen erstaunlichen Aufschwung genommen. Das mit den alten Hecktrieblern und dem betulichen Favorit verrostete Image wurde im Eiltempo hochglanzpoliert. Die Modelle sind auch gebraucht sehr gefragt, als "Combi" werden sie einem aus der Ersthand gerissen.

Pistenschreck mit langem Anlauf

Die neue Plattform durfte Skoda als erste Konzerntochter schon vor dem neuen Polo benutzen, die Ausstattung kann sich in der Basisversion sehen lassen. Zum Temperament des kleinen Skoda trägt die elektrohydraulische Lenkung den Fahrspaß, das Fahrwerk die Fahrsicherheit bei. Noch mal Motorsportler Oliver Hilger: "Selbst in schnellen Autobahnkurven bergab (Kasseler Berge) wirken Fahrwerk und Lenkung keineswegs überfordert!"

Auch auf ebener Bahn zeigte sich Fabia als kleiner Pistenschreck: Tacho 190 waren mit langem Anlauf drin, das ergab immerhin handgestoppte 178. Elf Stundenkilometer über Werksangabe, der Motor schien stets gut im Futter.Weniger ausgereift präsentierte sich die Elektronik. Immer wieder meldete der Bordcomputer Fehler in der Motor-Steuerung, die nach langem Suchen endlich mit dem Austausch des Abgasrückführungsventil (AGR) behoben wurden. Das kostet ihn den dritten Platz in unserer Zuverlässigkeits-Rangliste. Denn ein Fehler nervt, auch wenn er noch so klein ist, weil er uns viermal außer der Reihe in die Werkstatt zwang.

Weiteren Diskussionsstoff bot die Innen-Einrichtung, genauer: die elektrische Außenspiegel-Einstellung. Die Techniker hatten eine prima Idee: Nach einer kurzen Grundeinstellung bewegen sich beide Außenspiegel synchron auf den Verstellknopf-Befehl. Beide Spiegel werden sozusagen in einem Arbeitsgang der Sitzposition angepasst. Wir vermissten dieses schöne Detail schon im großen Superb, erfuhren jetzt von Technik-Chef Dr. Harald Ludanek, dass "der Markt diese Vereinfachung leider nicht angenommen habe".

Viele praktische Details

Dafür werden die Konkurrenten vielleicht eine andere Idee übernehmen: die (ab Comfort) seitlich am Innenteil der Sitzlehnen angebrachten Täschchen. Hier passen wunderbar Handy, Kulis oder anderer Kleinkram hinein.

Kleinwagen mit kompletter Sicherheitsausstattung sind heute aber auch gefragt. Airbags, Isofix-Halter und ABS-Bremse sind Standard. Seitenairbags gibt es beim Fabia erst ab "Comfort" ohne Aufpreis. Antriebsschlupfregelung (ASR), Bremskraftverteilung (EBV) und Motor-Schleppmoment-Regelung (MSR) gehören wiederum zur Grundausstattung. Lediglich der Schleuderschutz ESP ist nur für die 85-kW-Version zu haben. Nun gut, bei dem sicheren Fahrwerk wird ESP wohl sehr selten gebraucht, auch muss es ja noch Leckereien für Modellpflege-Maßnahmen geben ...

100.000 Kilometer Dauertest (und -stress) steckt wohl kein Auto gänzlich ohne Klagen weg. Äußerlich zeigten sich die üblichen Verschleißerscheinungen wie Steinschlag oder kleine Parkrempler. Die dank verzinkter Karosse aber nicht weiterrosten. Innerlich blieb der kleine Skoda fit wie ein Turnschuh. Womit wir unserer Überschrift den letzten Zweifel nehmen: Fabia, ein saugutes Auto – und zweifellos ein Glücksschwein für den ganzen VW-Konzern.

Technische Daten und Wertung

Das ist bitter für ein solides Auto: Hätte die Werkstatt den Fehler am Abgasrückführungsventil sofort erkannt, wäre der Fabia unter den Top Ten gelandet. So gab es viermal fünf Strafpunkte und einen subjektiv ungerechten Platz weit hinten.

Technische Daten
Motor Vierzylinder/vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1390 cm³
kW (PS) bei U/min 55 (75)/5000
Nm bei U/min 126/3800
Höchstgeschwindigkeit 167 km/h
Abgasnorm/Abgas CO2 158 g/km
Getriebe/Antrieb 5-Gang/Front
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 45 l/Super
Kofferrauminhalt 260/1016 l
Leergewicht/Zuladung 1150/425 kg
Anhängelast gebremst/ungebremst 800/450 kg

Preise und Kosten

Der Fabia kostet seinen Besitzer inklusive Wertverlust 21 Cent pro Kilometer. Vom Testwagenpreis im Juni 2001 (15.120 Euro) blieben nach zwei Jahren noch geschätzte 6950 Euro übrig. Das ergibt einen Wertverlust von 8170 Euro.

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