Dauertest Toyota Yaris 1.3 linea luna

Toyota Yaris 1.3 linea luna Toyota Yaris 1.3 linea luna

Dauertest Toyota Yaris 1.3 linea luna

— 02.08.2002

Dieser Yaris-Wagen ist kein Schnäppchen

Überraschende Wende im Fall Yaris: Aus dem günstigen Spaßauto der ersten Kilometer wurde mit der Zeit ein kleiner Pflegefall. Hauptakteure in diesem Stück: der spitze Rotstift und ein Täter, den keiner kennt.

Nichts ist unmöglich – sagt die Werbeabteilung von Toyota. Doch was wir bisher nur für einen flotten Marketingspruch hielten, glauben wir nach 100.000 Kilometern im Toyota Yaris 1.3 Linea luna aufs Wort. Dieser Dauertest verlief so merkwürdig, dass wir unseren Augen und Ohren kaum trauen wollten. Doch lesen Sie selbst. Sommer 2000: Die Sonne brennt, und wir brennen mit – auf unseren Yaris-Urlaub. Denn am 6. Juni 2000 rollte der königsblaue Yaris im Gegenwert von knapp 15.000 Euro an den Dauertest-Start. Sein pfiffiges Design strahlt von Anfang an mit der Sonne um die Wette. "Freundlicher Flitzer", notierte Tester Dirk Branke im Fahrtenbuch. Ergänzte sein erstes Urteil im Laufe der Zeit allerdings mit folgenden Bemerkungen: "unmögliche Sitzposition, schwache Traktion bei Nässe, immer hakeliger werdende Schaltung". Dennoch gab es genügend Gründe, dem Japaner Sympathiepunkte zu verleihen. So sieht seine Karosserie nicht nur witzig aus, sondern beherbergt auch ein pfiffiges Raumkonzept. Weil sich die Fondbank um 15 Zentimeter längs verschieben lässt, verwandelt sich der Knirps mit einem Handgriff vom Viersitzer (fünf Erwachsene sind zwar erlaubt, aber eher ein theoretischer Wert) mit knappen 205 Liter Kofferraum zum 2+2-Sitzer mit 305 Liter Ladevolumen. Irgendwie clever.

Warnsignale aus dem Motor

Außerdem kühlte die Klimaanlage (1012 Euro) wie ein Drei- Sterne-Gefrierfach, und der 1,3- Liter-Vierzylinder mit 86 PS packte zu wie Catcher Hulk Hogan. Immer wieder ließ der kleine Yaris seine Fahrer staunen. "Geht sein 3-D-Digitaltacho so falsch, oder läuft der wirklich 199 Sachen?", fragte Redakteur Ulli Safferling ungläubig das Begleitbüchlein. Natürlich nicht. Bei echten 175 geht dem Kleinen die Puste aus. Aber immerhin.

Bei Kilometerstand 93.480 hatte der Yaris eine Erleuchtung: Am 16. 4. 2002 mahnte uns die Motorkontrollleuchte zum ersten Mal, am 18. 6. ein zweites Mal. Wir taten in beiden Fällen, was jeder verantwortungsvolle Autofahrer tut: Ab in die Werkstatt, wo in beiden Fällen eine Störung im Katalysatorsystem gefunden wurde. Für Abhilfe sorgten die Mechaniker im ersten Fall, indem sie den Fehlerspeicher löschten. Im zweiten Fall wurden wir ebenfalls beruhigt: Es bestehe kein Grund zur Sorge, wir können weiterfahren, ohne dass der Motor Schaden nehme.

Erst bei Klappergeräuschen am Kat oder bei der nächsten Inspektion sollten wir uns darum kümmern. Nachdem die Warnlampe kurz vor der Zerlegung erneut aufleuchtete, ahnten wir nichts Gutes. Und tatsächlich: Die Analyse ergab, dass der Verschleiß im technisch voll ausgereizten Motor die Toyota-Toleranz deutlich überschritt. Lebenserwartung laut Motoren- Experte Peter Bazille: noch 30.000 Kilometer. Eine Einschätzung, die auch die Toyota-Experten bestätigten.

Ein Unfallschaden gibt Rätsel auf

Doch zurück zur Chronik. Denn im Januar 2001 kühlte die Liebe zum Yaris weiter ab. Bei einem Kilometerstand von gut 30.000 befiel den Yaris urplötzlich das große Klappern. Und das lag sicherlich nicht an den kühlen Temperaturen. "Wo ist die berühmte Toyota-Qualität?", fragten sich vermehrt die Redakteure.

Mit Recht. Zumal der kleine Japaner in unserem Kummerkasten sich bislang absolut unauffällig verhält. Und auch in den meisten unserer bisherigen Dauertests strotzten Toyota-Probanden nur so vor Solidität. Nicht so dieser Yaris. Womit wir zur zweiten faustdicken Überraschung kommen. Denn die Schlusszerlegung offenbarte ein Novum in der AUTO BILD-Dauertest-Historie: einen Unfallschaden, der weder uns noch Toyota vorher bekannt war.

Die komplette rechte Seite war offensichtlich beschädigt worden. So stark, dass sogar die A-Säule gespachtelt werden musste. Weit mehr als ein Bagatellschaden. Die Reparatur wurde fachmännisch ausgeführt, erst die Prüfung der Lackstärke brachte uns auf die Spur. Aber nicht auf den Täter. Ein AUTO BILD-Mitarbeiter kommt kaum dafür in Frage. Warum auch sollte er einen Unfall verheimlichen, für den die Versicherung aufkommt, und dann den erheblichen Schaden in Höhe von vielen tausend Euro auf eigene Kosten reparieren lassen? Und wann sollte er das gemacht haben? Der Wagen stand doch ständig unter Kontrolle. So bleibt der Verdacht, dass der Unfall bereits auf dem Transport von Japan passiert ist. Und weiter ein Mysterium.

Qualität und Zuverlässigkeit

Wie dem auch sei. Fest steht: Toyota meint in dem Crash die Ursache fürs Klappern gefunden zu haben. Für die Geräusche aus dem rechten Karosseriebereich trifft das durchaus zu. Alles lässt sich so aber nicht erklären. So verursachte ein losgerütteltes Hitzeleitblech am Auspuff erhebliche Lärmbelästigung. Zusätzlich aber gab es reichlich Blech- und Blasmusik – die nicht vom Radio, sondern von der Karosserie gespielt wurde.

Wind und Dröhngeräusche aus dem Bereich der Fahrertür sorgten bei hohem Tempo dafür, dass die Tester ordentlich was auf die Ohren bekamen. Schuld hatten die mittlerweile verbesserten Dichtungen, aber auch das extrem dünn ausgewalzte Blech. Der Außenhaut fehlt vor allem im Winter (wenn das Blech nicht durch Wärme gedehnt wird) die Spannung, sodass es im Fahrtwind zu unangenehmen Resonanzen kommt.

Die Dünnhäutigkeit des Yaris führte vor einiger Zeit sogar so weit, dass der Waschanlagenhersteller Washtec die Empfehlung ausgab, keinen Yaris mehr durch die Wäsche zu schicken, da sonst "Beulenpest" drohe (dies galt übrigens auch für den Nissan Micra). Die Ursache allen Übels liegt beim Yaris offensichtlich in einem ganz spitzen Rotstift. Obwohl der Knirps während des Dauertests nicht ein einziges Mal liegen blieb, sind die Folgen einer günstigen Produktion unübersehbar. Doch hohe Qualität und niedrigste Kosten scheinen selbst für Toyota auf Dauer unmöglich.

Preise und Kosten

Toyota-Fahrzeuge gelten als Vorbild bei Qualität und Zuverlässigkeit. Ausgerechnet der Yaris, das erste speziell für Europa konzipierte Modell dieser Firma, konnte diesen Ruf nicht bestätigen. Die Kostenbremse greift hier bei der Detailausführung stärker als bei den Vorgängern. An Zuverlässigkeit mangelt es nach wie vor nicht. Der Yaris hatte kaum technische Probleme und blieb kein einziges Mal liegen. Weniger überzeugend die Vorstellung der Werkstätten. Von unterschiedlichen Ölqualitäten bis zur nicht ernst genug genommenen Kontrollleuchte fürs Motormanagement reichten hier die Fehler – für die der Yaris nichts konnte.

Modellchronik und Technische Daten

1999: Markteinführung in Deutschland als 1.0 linea terra und linea sol (68 PS), wahlweise mit Schaltgetriebe oder Halbautomatik "Freetronic". Mai 99: Änderungen am Profil der vorderen Türdichtungen. Viertes Quartal: Einführung des 1.3 mit 86 PS und der Version linea luna, Scheibenbremsen und Sidebags ab jetzt serienmäßig. November 99: Verbesserungsmaßnahmen gegen Klappergeräusche. 2000: Erstes Quartal: Einführung der Sparversion 1.0 linea eco; ab Mai neues Schloss für die Heckklappe in Serie eingeflossen. 2001: Verkaufsstart der Sportversion Yaris TS mit 106 PS. 2002: Zu Jahresbeginn Einführung der Dieselversion Yaris 1.4 D-4D mit 75 PS; Änderung der Schaltkulisse und der Schaltseile bei den ab Oktober verkauften Fahrzeugen angekündigt.

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