Führungskräfte-Zittern bei Mercedes

Daimler baut offenbar noch mehr Stellen ab Daimler baut offenbar noch mehr Stellen ab

DC streicht noch mehr Stellen

— 20.12.2005

Zetsches Strategie heißt Jobabbau

Dieter Zetsche, der "harte Hund", beißt um sich: Weitere 16.000 Arbeitsplätze sollen bei DaimlerChrysler gestrichen werden.

Zetsche plant Rekordgewinn

Auf die Führungskräfte der Mercedes Car Group (MCG, bestehend aus den Marken Mercedes-Benz, Smart, Maybach) kommen härtere Zeiten zu: Nach Informationen der Tageszeitung DIE WELT sollen bis Ende 2007 bis zu 1500 Managementstellen gestrichen werden. Das sind etwa 15 Prozent aller Top-Positionen. Ein Sprecher von DaimlerChrysler wollte dies nicht kommentieren.

Betroffen sind die sogenannten Ebenen E1 (Vizepräsident), E2 (Direktor), E3 (Senior Manager) und E4 (Manager). Die Stellen sollen etwa durch das Zusammenlegen von Abteilungen wegfallen. Dadurch entfielen automatisch Ebenen, da jeder E1 mehrere Führungskräfte unter sich hat. Auf betriebsbedingte Kündigungen soll verzichtet werden.

Einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge will der designierte DaimlerChrysler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche bei der Mercedes Car Group (MCG) in drei Jahren einen operativen Rekordgewinn von 4,25 Milliarden Euro und ein Konzernergebnis von neun Milliarden Euro erreichen.

Dramatischer Stellenabbau

Im vergangenen Jahr erzielte Mercedes ein Betriebsergebnis von 1,7 Milliarden Euro und der Konzern einen Gewinn von 5,8 Milliarden. 2005 soll der operative Gewinn im Konzern dem Bericht zufolge ohne die Kosten für die Smart-Sanierung leicht über dem des Vorjahres (5,8 Milliarden Euro) liegen. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, soll der Stellenabbau offenbar dramatisch verschärft werden.

Zusätzlich zu den geplanten 8500 Arbeitsplätzen bei MCG sollen weitere 6000 Stellen bei Mercedes-Benz sowie 2000 Stellen in der Nutzfahrzeugsparte gestrichen werden. Damit würden in den nächsten Jahren insgesamt etwa 16.000 Arbeitsplätze in Deutschland wegfallen. Allerdings gilt noch bis Anfang 2012 ein Beschäftigungssicherungs-Programm. Das Unternehmen kann also nur mittels Abfindungen, Fluktuation, Teilzeit und Umschichtungen Stellen streichen.

Betriebsrat kritisiert Strategie

Am Freitag (17. Dezember) hatten die Arbeitnehmer auf der Aufsichtsratssitzung die operative Planung für die Jahre 2006 bis 2008 abgelehnt. Der Aufsichtsrat beschloß den Abbau der bisher bekannten 8500 Stellen und die Personalplanung für die Folgejahre dennoch mit den Stimmen der Arbeitgeber und angeblich auch zwei Stimmen aus dem Lager der Arbeitnehmervertreter.

"Die Planung, die wir abgelehnt haben, macht deutlich, daß ordentliche Gewinnsteigerungen mit Personalabbau bezahlt werden sollen", sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm. Das Vorgehen Zetsches kommt für Unternehmensbeobachter wenig überraschend. Als der Mann mit dem markanten Schnauzbart im Spätherbst 2000 Präsident von Chrysler wurde, ging er ebenso beherzt ans Werk. Um die Krise bei dem US-Autobauer zu beenden, strich er kurzerhand 26.000 Stellen und schloß sieben Werke.

Fünf Jahre später arbeiten 40.000 Menschen weniger bei Chrysler, dafür ist das Unternehmen profitabel und hat eine aussichtsreiche Modellpalette, um im hart umkämpften US-Automarkt bestehen zu können. Am 1. Januar übernimmt Zetsche als Nachfolger von Jürgen Schrempp den Daimler-Vorstandsvorsitz, in Personalunion zum Chefposten bei der MCG.

Keine Geduld mehr mit Smart

Die Probleme bei der Mercedes Car Group sind vielfältig. So verkauft Mercedes-Benz pro Mitarbeiter nur 11,6 Autos – BMW bringt es auf 12,5 und Chrysler gar auf 33 Autos pro Beschäftigtem. BMW verkauft mit aktuell 1,21 Mio. Fahrzeugen zudem mehr Autos der Marken BMW, Mini und Rolls-Royce als die Stuttgarter Rivalen, die in den ersten elf Monaten dieses Jahres nur 1,09 Mio. Autos der Marken Mercedes, Smart und Maybach auslieferten.

Auch sonst sind die Herausforderungen enorm. Nach Zetsches Worten liegen die Kosten bei Mercedes-Benz in allen Teilen der Wertschöpfungskette deutlich über denen der Wettbewerber. Die Kapazitäten sind nach seinen Worten angesichts der Markt- und Wettbewerbssituation zu hoch. Seine Vorgabe: mehr schaffen mit weniger Personal. BMW kommt derzeit auf eine Umsatzrendite von 7,7 Prozent, Mercedes peilt diesen Wert für das Jahr 2007 an.

Hinzu kommt der Dauerverlustbringer Smart. Branchenbeobachter rechnen allerdings damit, daß die Geduld Zetsches mit der Kleinwagensparte geringer ist als die seines Vorgängers. Für Schrempp war Smart eine Herzensangelegenheit. Der künftige Konzernchef ist weniger emotional beteiligt. Sollte sich die Lage nicht kurzfristig bessern, würde es wohl die wenigsten verwundern, wenn er das Projekt Smart beendet.

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