Dellenmeisterschaft der Beulenprofis

"fix-a-ding-Dellenmeisterschaft 2003" "fix-a-ding-Dellenmeisterschaft 2003"

Dellenmeisterschaft der Beulenprofis

— 13.06.2003

Das Duell der Dellen-Drücker

Ach du dicke Delle: Zwölf Ausbeulprofis kämpften um die "fix-a-ding-Dellenmeisterschaft 2003" – und mit den Nerven.

Alles eine Frage der Nerven

Langsam wird es eng für Startnummer 05. Mit rotem Kopf hängt Mirko Wolke (31) im Motorraum einer silbernen C-Klasse. Immer wieder drückt der Ausbeulprofi aus Ibbenbüren bei Münster mit einem Metallstab von innen gegen den rechten Kotflügel. "Ich komm dran, aber ich kann nicht hebeln!", stöhnt er. Und beobachtet dabei aus den Augenwinkeln, wie die Wagen seiner Konkurrenten schon fertig repariert die Halle verlassen. Jetzt bloß nicht ungeduldig werden, jetzt bloß keinen blöden Fehler machen. Dellendrücken ist reine Nervensache.

He, hat da jemand gelacht?! Um es gleich mal klarzustellen: Dellendrücken ist eine ernste Angelegenheit. Zumindest für die zwölf Finalisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die hier in der Karlsruher Schwarzwaldhalle den Sieger der "fix-a-ding-Dellenmeisterschaft 2003" ausmachen, des Duells der Dellendrücker. He, nicht lachen!

"Fix a ding" heißt auf Deutsch so viel wie "behebe eine Delle" und ist gleichzeitig der Name eines Schweizer Unternehmens. Das hat sich (wie eine Hand voll anderer Firmen auch) auf eine Technik aus den USA spezialisiert, bei der Dellen und Beulen ohne Spachteln oder Lackieren beseitigt werden. Im Kern funktioniert das so: Erst wird die Delle von innen nach außen gedrückt, dann wird alles, was jetzt wieder übersteht, ganz sanft flach geklopft. Das geht erstens schneller als eine herkömmliche Reparatur und kostet zweitens nur rund die Hälfte. Braucht aber verdammt viel Fingerspitzengefühl und noch viel mehr Geduld.

Manchmal tut's auch ein Besenstil

Friberg Remo aus Rheineck scheint dafür der richtige Mann zu sein. Der kahlköpfige Karosseriespengler aus der Schweiz strahlt eine beinahe fußeinschläfernde Ruhe aus. Und das, obwohl er gerade eine ganz harte Nuss knacken muss: eine riesige Delle links hinten an einem silbernen Fiat Marea, von der Jury mit 80 von 100 möglichen Schwierigkeitspunkten bewertet. "Bei so einer großen Delle entsteht eine hohe Spannung im Blech, das macht es kompliziert", sagt Remo – und greift zum Metallstab.

Fast das gesamte Arbeitsgerät der Dellendrücker kommt gleich zum Einsatz: Die Grundausrüstung besteht aus 24 Werkzeugen, der Großteil davon sind unterschiedlich geformte Metallstangen – weil jede Delle ihren eigenen Charakter hat. Friberg Remo schwört zudem auf ein altes Hausmittel: Mit einem Besenstil stochert er nun durch die linke Rückleuchte des Marea in Richtung Delle: "Der ist aus sehr weichem Holz, damit kann man gut großflächig drücken."

Nach 45 Minuten Drücken, Hämmern, erneutem Drücken, weiterem Hämmern ... (na, Sie wissen schon ...). Also nach diesen 45 Minuten ist Remo fertig – und von der Delle nichts mehr zu sehen. "Unglaublich", murmelt Kfz-Azubi Sahin Kocak (19) beim Anblick seines frisch ausgebeulten Wagens, "ich war nur mal kurz draußen, und plötzlich ist mein Auto wie neu." Und das zum absoluten "Geiz ist geil"- Tarif: Bei der Meisterschaft werden alle Autos gratis repariert.

Jurymitglied Fuhrer gilt als Dellenpapst

Ein paar Meter weiter unten, in der benachbarten Tiefgarage, kniet sich derweil Roland Fuhrer (47) an einen knallroten Dreier-BMW. Der Qualitätsverantwortliche der fix-a-ding-AG gilt als der Dellenpapst in Europa und ist heute Jurymitglied. "Hm", murmelt er, "hier leicht überdrückt und dort ein paar Stellen, die zu tief sind. Das zieht die Gesamtnote natürlich nach unten." Das klingt jetzt ziemlich schlimm, ist aber nur für den Profi zu erkennen. Fuhrer: "Was wir hier bemängeln, das bewegt sich im strukturellen Bereich. Für den normalen Kunden sieht das alles absolut perfekt aus."

Ein paar ausgebeulte Autos später steht Friberg Remo, der ruhige Schweizer, als Sieger in der Kategorie "Generalisten" (beschäftigen sich nicht ausschließlich mit dem Dellendrücken) fest. Bei den "Spezialisten" siegt sein Landsmann Silvio Perrotta aus Sissach.

Kollege Wolke hadert derweil mit sich und seinem fünften Platz: "Ich habe eine E-Klasse zurückgehen lassen, weil ich die Delle für undrückbar hielt. Dafür musste ich eine Strafpause einlegen und hatte keine Chance mehr." Nachdem sein Chef bei der Jury wegen der scheinbar unmöglichen Aufgabe protestierte, legte Dellenpapst Fuhrer selbst Hand an. Wolke: "Der hat einmal mit dem Daumen reingedrückt, schon war die Delle zu 80 Prozent weg. Sch ..." Wie gesagt: Ist reine Nervensache, dieses Dellendrücken.

Autor: Alex Cohrs

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