Der Ex-Champion als Verkehrserzieher

Der Ex-Champion als Verkehrserzieher

— 17.10.2005

Schumi irritiert chinesische F1-Fans

Die Kampagne hieß: "Denke, bevor du losfährst!" Hätte sich der urlaubsreife Ferrari-Star in Schanghai bloß dran gehalten.

Resigniert steckte Michael Schumacher (36) gleich zwei Tiefschläge beim Finale ein. "Dieses merkwürdige Ende paßt zur ganzen Saison. Ich bin froh, daß sie zu Ende ist." Als nächstes mache er nur noch eins: "Urlaub. Ich fahre jetzt nach Hause."

China bringt dem älteren der beiden Schumacher-Brüder und seinem Ferrari-Team einfach kein Glück. Dabei hatte der siebenmalige Weltmeister vor einem Jahr 2004 in Schanghai verkündet, er sei in China am rechten Platz: "Rot ist meine Farbe!" Aber in dem Land mit der roten Fahne kam er schon zum Debüt der Formel 1 mit der Meisterbahn des Architekten Hermann Tilke nicht zurecht und drehte sich mehrmals. Diesmal ereilte ihn zweimal das Pech. Kurz vor dem Rennen, als Schumacher seinen Ferrari zum Aufwärmen der Räder auf Zickzackkurs steuerte, fuhr ihm der Niederländer Christijan Albers (Minardi) hinten rein. "Ich habe nur einen Big bang gespürt." Gesehen habe er den Minardi nicht. "Ich muß mir das auf dem Video anschauen. Möglich, daß ich auch einen Teil Schuld habe." Er wurde für den Vorfall vom Automobilweltverband FIA jedenfalls verwarnt, und der Bolide war hin. Er mußte im Ersatzwagen von der Boxengasse starten. Da war er schon genervt, gestand er später.

Seine Aufholjagd dauerte nur 22 Runden. Er kam zwar ans Feld der ersten zehn heran, doch auf Kosten des Reifenbelags. Die Pneus waren total abgefahren, als Schumacher das Tempo wegen des vorfahrenden Safetycars drosselte. Nun wurden die Reifen kalt. Er sei wie "auf Eis gefahren". Dann mußte er bremsen. Das reichte, um ihn aus der Bahn zu werfen. Die chinesischen Fans reagierten enttäuscht. Schon 2004 waren sie arg verschnupft. "Wir haben dir doch die beste Strecke der Welt vor deine Reifen gelegt. Überall gewinnst du, aber nicht bei uns." Und chinesische Journalisten hätten aggressiv gefragt, erinnert man sich im Schumacher-Lager.

Gestern war die Verwunderung noch größer. Schumacher hatte in Schanghai in einer Werbekampagne zur Verkehrserziehung unter dem schönen Motto "Denke, bevor Du losfährst" gerade noch so gute Tips gegeben. Zeitungen und Fernsehen zeigten ihn, wie er in chinesischer Schönschrift die beiden Schriftzeichen "Anquan" (Sicherheit) auf ein Rollbild pinselte und dazu riet, alle Autofahrer müßten erzogen werden, "auf ihre Reifen zu achten und sie zu prüfen. Es ist ganz einfach, mit einem kleinen Werkzeug, Reifendruck und die Tiefe des Profils zu messen. Das kostet nur ein paar Sekunden und kann so wichtig sein." Hätte er das nur mal selbst beherzigt.

Richtig böse waren die Fans ihrem Idol aber nicht. Vor den Ferrari-Souvenirständen auf der Formel-1-Anlage kauften sie noch mal groß ein. Und der Weltmeister der Roten versicherte ihnen am Abend, daß ihn niemand abschreiben sollte: "Ich habe für nächstes Jahr nur ein Ziel: zurückkommen und erneut um den Titel kämpfen."

Autor: Johnny Erling

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