Der neue Mégane

Renault Mégane Renault Mégane

Der neue Mégane

— 02.10.2002

Das Risiko von Renault

Der neue Mégane kommt – mit einem Heck, das die Geschmäcker spaltet. Wagen die Franzosen zu viel, oder zeigen sie den schönsten Hintern in der Masse?

Ein Heck wie eine Schaufel

Ich frage Patrick Le Quément: "Sind Sie ein Créateur d’Automobiles?" Renaults Werbeslogan kann für eine ganze Firma schon hochtrabend klingen – wie viel Selbstbewusstsein muss dann erst deren Design-Chef haben? Kurzes Durchatmen. "Ja." Und der Herr Créateur, dieser Modeschöpfer für Blech also, gesteht, dass er in der Nacht vor dem Pariser Salon schlecht schlafen wird. Weil er sich herumwälzt mit der Frage: Wie gefällt dem Publikum der neue Mégane? Der mit dem Heck wie eine Schneeschaufel ...

Ein gewagtes Stück, das uns die Franzosen da vorsetzen. Nicht nur, dass der Entenschwanz optisch aus dem Rahmen fällt. Vermutlich ist er auch beim Einparken so schlecht abzuschätzen, dass das Ding öfter an Pollern und Blumenkübeln Federn lässt.

Sehr riskant. "Der Mégane ist für Renault die wichtigste Neuvorstellung seit dem Twingo", meint Le Quément. Damals war die Marke eine graue, arme Maus, die mit den blinzelnden Augen des Twingo erstmals aus der Reihe tanzte. Zehn Jahre später gilt Renault als Design-Vorreiter und riskiert es, in der Golf-Klasse mit einem Hintern anzutreten, der entweder Hingucker provoziert oder einen Tritt bekommt. Und Letzteres würde viel Geld kosten.

Avantime als optischer Anschmecker

In seinem Büro erläutert der Formen-Papst gestenreich den Mégane. Seine Hände betonen den bulligen Stand, spreizen die Räder nach außen, formen die spitze Nase nach und fahren über den Fensterbogen des Dreitürers. Plötzlich geht es gar nicht mehr ums Heck. Richtig, wir hatten glatt übersehen, wie dynamisch und modern der neue Mégane auftritt.

"Der Vorgänger war einfach zu rund und zu schwach", so Le Quément. Schluss mit den optischen Durchhängern – zu diesem Zweck arbeitet sein 70-köpfiges Team vor Europas modernster Videowand, die einen Entwurf über Nacht in jede Landschaft hineinzaubert. Aber kann Computertechnik jemals den Anblick auf der Straße ersetzen? Im öden Einheitsbrei der Kompakten wird der Renault sicherlich der Hintern in der Masse. Bleibt die Frage, ob bisherige Mégane-Fahrer den Schwenk mitmachen. Le Quément: "Wir hatten in ersten Studien eine Zustimmung von 96 Prozent." Schön, aber Zustimmung ist noch keine Unterschrift. Der Avantime, als optischer Anschmecker vorgeschickt , verkauft sich schleppend. Das Auto scheint insgesamt zu modern, nicht nur sein Heck.

Als wir das Technocentre bei Paris verlassen, schert zufällig ein neuer Mégane, ein Erprobungsauto, vor uns in den Kreisverkehr. Wie bestellt, hält er ein paar Meter weiter an der Ampel, und wir starren eine halbe Minute lang auf das Heck. Ein breites, elegantes Hinterteil, und langsam dämmert uns: Ja, das hat Stil. Wie schön, dass auch Kompaktwagen noch Überraschungen bieten. Le Quément sollte gut schlafen können.

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