Der neue Schmerzensgeld-Katalog

Schmerzensgeld

Der neue Schmerzensgeld-Katalog

— 20.02.2002

Das schmerzt doppelt

In Deutschland erhalten Opfer nach Unfällen oft nur ein Almosen als Entschädigung.

Je reicher, um so besser

"Ich wär so gerne Millionär ..." In den USA muss dies für Unfallopfer durchaus kein Wunschtraum bleiben. Das Rechtssystem und findige Anwälte machen riesige Schmerzensgelder möglich. Und bei uns? Fehlanzeige. Wie in den Staaten bestimmen zwar auch in Deutschland die Gerichte, was ein amputiertes Bein, ein Auge oder ein gebrochener Arm wert ist. Doch gezahlt wird viel weniger. Das zeigt auch der neue ADAC-Schmerzensgeldkatalog (129 Mark mit CD-ROM, zu beziehen über ADAC-Geschäftsstellen, www.adac.de oder im Buchhandel). Dazu gibt es eine andere Tendenz: "Reiche und Besserverdienende kriegen mehr", so Maximilian Maurer vom ADAC in München.

Die "billige Entschädigung in Geld", etwa für eine verlorene Hand, richtet sich nicht nur nach den physischen und psychischen Schäden, sondern auch dem Lebensstandard des Opfers. Muss ein reicher Kaufmann nach dem unverschuldeten Crash sein Geschäft aufgeben, bekommt er mehr als ein einfacher Arbeiter. Das tut dopppelt weh. Aber unsere Richter lernen langsam dazu, erkennen: Je schwerer die Unfallfolgen, umso größer die Not der Opfer und ihrer Familien.

Deshalb gehen zum Beispiel Geschädigte, die nach kleinen Unfällen das arg strapazierte Halswirbelsyndrom (HWS) geltend machen, vor Gericht inzwischen oft leer aus oder bekommen höchstens 600 Mark. Für ein amputiertes Bein werden dagegen schon mal 120.000 Mark Schmerzensgeld zuerkannt. Und auch die Versicherungen werden immer häufiger von der Justiz abgestraft. Weil sich die Haftpflicht des Unfallverursachers für die Abwicklung des Schadenfalles drei Jahre Zeit ließ, schlugen die Richter 50.000 Mark aufs Schmerzensgeld drauf, als Zeitstrafe sozusagen.

Rat vom Rechtsexperten

Doch auch das höchste Schmerzensgeld beendet nicht das Leiden. So sprach das Landgericht München einem Lehrer zwar eine Million Mark Schmerzensgeld zu, doch der 48-Jährige bleibt nach dem unverschuldeten Unfall für immer ein schwerer Pflegefall (LG München, Az. 19 O 86447/00).

AUTO BILD-Rechtsexperte Rolf-Peter Rocke zum Thema: "Bei uns gibt es für Körperverletzung eine 'billige Entschädigung in Geld' (§ 847 BGB). Das Schmerzensgeld soll vor allem einen angemessenen Ausgleich für Umfang, Heftigkeit und Dauer der Schmerzen, Leiden oder Entstellungen bieten. Es soll aber auch Genugtuung dafür geben, was dem Geschädigten angetan wurde. Beim Ausgleich spielen Dauerschäden, physische, psychische und soziale Folgen sowie das Alter des Opfers eine wesentliche Rolle. Berücksichtigt werden auch Schwere des Unfalls oder der Verletzungshandlung, aber auch eine zögerliche Regulierung durch die Versicherung. Feste Sätze gibt es nicht. Dafür sind die Umstände des Einzelfalles zu unterschiedlich. Die Gerichte entschädigen schwerwiegende Verletzungen zunehmend höher, lassen dagegen minimale Unpässlichkeiten unberücksichtigt. "

Schmerzensgeld-Beispiele Armbruch/-amputation: 2000/30.000 Mark. Beinbruch/- amputation: 2400/120.000 Mark. Gesicht entstellt: 30.000 Mark. HWS-Syndrom: 600 Mark. Querschnittlähmung: 800.000 Mark. Verbrennung 2. und 3. Grades: 180.000 Mark

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