Der neue Subaru Legacy

Der neue Subaru Legacy Der neue Subaru Legacy

Der neue Subaru Legacy

— 30.05.2003

Mit dem Legacy auf Audi-Kurs

Ganz neue Töne von Allrad-Spezialist Subaru. Die sonst so zurückhaltenden Japaner fordern plötzlich das automobile Oberhaus heraus.

Backpfeife für die hauseigenen Designer

Traditionen sollte man pflegen. Wer wüsste das besser als die tief in ihrer Geschichte verwurzelten Japaner! Doch manchmal muss man sich von alten Zöpfen auch trennen. Auch im Land der aufgehenden Sonne. Und so kam es am 22. Mai 2003 auf dem Fuji-Speedway gleich zu einer doppelten Weltpremiere: Subaru stellte in seiner Heimat den brandneuen Legacy vor. Und das vor ausländischen Journalisten. So etwas hatte es bei Subaru in der Tat noch nie gegeben.

Ein deutliches Zeichen für das neue Denken, das bei der selbst nach japanischen Maßstäben als ziemlich verschlossen und eigenbrötlerisch geltenden Firma Einzug gehalten hat. Der Wandel begann vor knapp zwei Jahren, als Kyoji Takenaka Präsident der Subaru-Mutter Fuji Heavy Industries wurde. Takenaka hatte bei Amtsantritt das für diesen Posten und für japanische Verhältnisse unfassbar jugendliche Alter von 55 Jahren. Und sagte dann gleich mal Dinge wie: "Subaru sind technisch hochwertig und zuverlässig. Aber es wird jetzt Zeit, dass man das auch von außen sieht." Eine brutale Backpfeife für die hauseigenen Designer.

Aufgestachelt von genau diesem Denken, haben die sonst so zurückhaltenden Japaner sich neue Ziele gesetzt, reden ganz unverhohlen von Premium-Anspruch und Konkurrenten wie Audi, Alfa oder BMW. Wozu sie sich vor knapp einem Jahr den Designer Andreas Zapatinas holten, der den Zeichenstift früher unter anderem bei den beiden Letztgenannten führte.

Klare Linien und viel Liebe zum Detail

Auf das Design des neuen Legacy hatte Zapatinas allerdings noch keinen Einfluss. Und das sieht man. Der Legacy ist mit jetzt 4,68 Meter Länge und 1,73 Meter Breite ein stattliches und selbstbewusstes Auto. Im Format exakt zwischen A4 (4,55 Meter) und A6 (4,80 Meter). Zumindest die Limousine sieht auf den ersten Blick jedoch genauso brav und unauffällig aus wie bisher. Falls sich jemand überhaupt an das Vorgängermodell erinnert – über 80 Prozent der bei uns verkauften Legacy waren Kombis. Auf den zweiten Blick konnte ich dann aber wenigstens die grimmig blickenden Scheinwerfer und das Heck im Stil des letzten Audi A4 entdecken.

Mehr Schärfe und Raffinesse haben die Designer dem Kombi ins Blech gebügelt. Der liefert mit der spitz zulaufenden Fensterlinie und den angepfeilten Rücklichtern eine auffällige, fast schon aggressive Erscheinung. Wohin die Reise bei Subaru wirklich geht, erschließt sich jedoch am besten innen. Kein Vergleich mit dem Vorgänger oder irgendeinem anderen Subaru. Hochwertige Kunststoffe, klares Design und viel Liebe zum Detail, Platz sowieso.

Entwicklungschef Kiyoshi Sugimoto sagt dazu: "Wir haben wirklich Wert auf das winzigste Detail gelegt." Entwicklungschefs sagen so etwas zwar immer, hier stimmt es aber. Was Stil und Qualität betrifft, rangiert der Legacy irgendwo zwischen Audi A4 und Mazda6, manche Bauteile scheinen direkt aus Ingolstadt oder Hiroshima angeliefert. Den Türeinsatz mit Öffner und Lautsprecher etwa gibt es ganz ähnlich bei Audi, die Mittelkonsole erinnert an den Mazda6. Und beim Kombi hat Subaru dann ganz genau hingeguckt: Die geteilt klappbare Rückenlehne faltet sich auf Knopfdruck von ganz allein – wie beim Mazda.

Rote Instrumente in Durchlicht-Technik

Bei den hochwertigeren Versionen gönnt sich Subaru dann richtig was. Feinheiten wie zum Beispiel die wunderschönen roten Instrumente in Durchlicht-Technik, die beim Einschalten der Zündung aus der Tiefe des Cockpits hervorglühen. Oder eine Highend-Anlage vom Spezialisten McIntosh inklusive 13 Lautsprechern.

Nicht so ganz zum selbst verkündeten Premium-Anspruch passen dagegen Dinge wie das nur in der Höhe verstellbare Lenkrad, die manuelle Stütze für die Motorhaube, fehlende Griffe innen und außen an der Heckklappe (nur Fernentriegelung) oder eine nachlässig mit ausgefranstem Filz beklebte Kofferraum-Bodenplatte. "Noch Vorserie", entschuldigt Legacy-Projektchef Kazuyoshi Shimizu den billigen Filz, "das ändern wir natürlich noch."

Nichts mehr zu ändern brauchen die Subaru-Leute an Fahrwerk, Motoren und am wie bisher serienmäßigen Allradantrieb. Mit einer Ausnahme: Der Hillholder fehlt. Und diese praktische Anfahrhilfe am Berg, bisher so typisch für Subaru wie Boxermotoren, Allrad und rahmenlose Scheiben, sollte schleunigst wieder eingebaut werden.

Zunächst drei Motoren zur Auswahl

Zu uns kommt der Legacy zunächst mit drei Motoren: zwei Vierzylindern (2.0/137 PS und 2.5/165 PS) sowie einem Dreiliter-Sechszylinder mit 245 PS, Boxer natürlich allesamt. Die Motoren wurden komplett überarbeitet, Ansaugsystem und Abgasanlage neu gestaltet. Für Runden auf dem Fuji-Ring nahe Tokio stand uns der Zweiliter zur Verfügung, der wohl auch weiterhin den Bestseller geben dürfte. Er bollert sanft, reagiert hellwach aufs Gas und dreht leichtfüßig bis 7500 Touren. Diese Drehzahlen braucht er allerdings auch, geht erst so ab 4000 Touren richtig zur Sache.

Für alle Motoren gibt es auf Wunsch (3.0 Serie) eine neu entwickelte Fünfgangautomatik mit manueller Schaltfunktion, die schon mit dem Zweiliter bestens harmoniert. Und gut zum Charakter des Legacy passt. Auf dem Rundkurs blieb die Japan-Version des Allradlers immer entspannt, lag ruhig und ausgewogen auf der Bahn.

Über Ausstattungen und Preise schweigen die Japaner noch. Subaru-Deutschland-Chef Jens Becker rechnet für 2004 mit 2500 verkauften Legacy. Angesichts dieser Zahl müssen weder Audi noch BMW die neue Offensive aus Fernost fürchten. Wenn sie aber weiter solche Fortschritte macht, brechen sie irgendwann womöglich auch mit dieser Tradition.

Autor: Dirk Branke

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