Der Smart für vier im Vergleich

Smart forfour gegen Nissan Micra, Mazda2 und VW Polo Smart forfour gegen Nissan Micra, Mazda2 und VW Polo

Der Smart für vier im Vergleich

— 29.03.2004

Bewährungsprobe für den forfour

Der kleine Smart ist groß geworden. Zeit für einen Vergleich mit Mazda2, Nissan Micra und VW Polo.

Wer entzaubert den Newcomer?

Das Spiel heißt "Vier gewinnt", wird mit Steinen in zwei Farben gespielt und von dem gewonnen, der vier Chips in eine Reihe kriegt. Nebeneinander, übereinander oder auch schräg, ganz egal. Klingt einfach und ist doch so kompliziert. Ein solches Kinderspiel wird der Start des neuen Smart bestimmt nicht. Mit dem forfour – also "für vier" – wagt sich Smart erstmals auf ein Spielfeld, auf dem etablierte Konkurrenz lauert. Die Kontrahenten warten nur darauf, den Newcomer zu entzaubern.

Den ersten Stein dürfen die Smart-Leute setzen. Denn mag das Konzept auch bestimmt nicht neu sein, das witzig-fröhliche Design ist es auf jeden Fall. Irgendwie schafft es der Kleine, mit seinem frechen Grinsen und dem stämmigen Hintern die Menschen fröhlich zu stimmen. Auch ein Talent.

Spaß an der Arbeit hatten die Designer offensichtlich auch bei der Inneneinrichtung. Alles hier wirkt auf sympathische Art anders, frisch und freundlich. Doch trotz aller Einfälle: Im forfour gibt es vorn weniger Platz als im Polo und vor allem als im Mazda2.

forfour: gelungene Fahrwerkabstimmung

Im Fond zieht er mit den beiden dann etwa gleich – aber auch nur wegen der um 15 Zentimeter verschiebbaren Rückbank. Schiebt man diese Richtung Heckklappe, entsteht viel Raum für die Knie auch von Erwachsenen. Richtig bequem wird es jedoch nicht: Die Bank ist eher dünn gepolstert, du hockst flach über dem Boden und hast trotzdem spürbar weniger Kopffreiheit als im Mazda und im VW.

Dass Smart das Auto nicht neu erfinden konnte, merkt man dann an der Variabilität: Die Rückbank ist zwar verschiebbar, die Lehne neigungsverstellbar und geteilt umlegbar. Aber dann: Die Sitzfläche lässt sich nur in einem Stück nach vorn klappen, das ist einfach unpraktisch. Zwar gibt es eine kippbare Lehne für den Beifahrersitz, aber die kostet extra (im Paket 195 Euro). Und bei anderen, dem neuen Mitsubishi Colt zum Beispiel (zu 40 Prozent baugleich mit dem forfour), kann man die Sitze auch noch ausbauen.

Besser gelungen ist die Fahrwerkabstimmung: Der stramm federnde Smart wieselt genau so lässig um die Ecken, wie er aussieht. Die Lenkung spricht zackig an, das bringt ohne Gewöhnung etwas Nervosität ins Auto, nach kurzer Zeit gibt sich das aber. Und als Einziger hier hat er serienmäßig ein ESP an Bord. Auch der nagelneue 1,3-Liter-Motor mit seinen 95 PS passt gut zum temperamentvollen Auto. Der quirliglebhafte Vierzylinder klingt angenehm heiser, dreht locker aus, verbraucht mit 7,5 Litern jedoch eindeutig zu viel.

Micra: für die gemütliche Fahrt gebaut

Viel sparsamer fährt der kleine Nissan mit 7,2 Litern auch nicht, doch er eilt mit den 88 PS seines rau laufenden 1,4-Liters unerwartet zügig über die Straßen, gefällt mit dem besten Durchzug. Wie Smart probiert auch Nissan mit eigenständigem, originellem Design zu punkten. Funktionell hat die kugelige Form des Micra jedoch Nachteile: Platzangebot und Kofferraum sind in diesem Vergleich am schlechtesten, besonders vorn ist es eng.

Immerhin, eine verschiebbare Rückbank im Fond hat er auch, der Knieraum wächst bei Bedarf auf ein anständiges Maß. Nicht aber die Kopffreiheit – wie beim Smart. Auffällig ist dann noch die elegante und zugleich praktische Inneneinrichtung des Micra: Da gibt es zum Beispiel ein Staufach unter dem Beifahrersitz (ab Acenta), eine Schublade im Handschuhfach, einen Haken (für die Handtasche?) am Armaturenbrett und vieles mehr.

Das sind so die Werte, auf die der Nissan Wert legt, Fahrdynamik spielt weniger eine Rolle. Der Micra ist für die gemütliche Fahrt gebaut, nur keine Hast. Bei schnellen Ausweichmanövern gerät er schnell in Hektik, neigt zum Aufschaukeln. Und die zu gefühllose Lenkung ist in solchen Situationen auch keine große Hilfe. Unbedingt empfehlenswert daher: das ESP für 720 Euro.

Mazda2: für Leute, die Platz brauchen

Diese Anschaffung (520 Euro) ist auch beim Mazda2 ratsam, der in solchen Situationen aber eine Spur souveräner reagiert. Die Lenkung spricht präziser an, das Auto liegt etwas ruhiger. Der Motor, mit 1,6 Liter Hubraum und 100 PS hier der Größte, Stärkste und auch Durstigste (8,3 Liter), dröhnt bei hohen Touren zwar etwas, überrascht aber mit flotten Fahrleistungen. Diese Spritzigkeit traut man dem kastenförmigen Mazda gar nicht zu.

Denn eins ist klar, der 2 ist in diesem Vergleich das Auto für Leute, die wirklich Platz brauchen. Mehr Raum bietet hier niemand, weder vorn noch im Fond noch im Kofferraum. Und: Der Mazda hat als Einziger eine schön niedrige Ladekante – so etwas schont die Bandscheiben.

Mazda-typisch lässt sich auch die Lehne des Beifahrersitzes umlegen, dann passt selbst die Leiter aus dem Baumarkt rein. Die Rückbank ist klappbar – Lehne und Sitzfläche sind praktisch geteilt. Interessant ist noch, dass der 2 nicht so sauber und penibel verarbeitet ist wie sonst von Mazda gewohnt. Macht sich da etwa die Verwandtschaft bemerkbar? Der Mazda teilt sich die Technik mit dem Ford Fiesta.

Polo: gediegen, gutmütig, souverän

Gerade auf diesem Gebiet glänzt der VW mit tadelloser Verarbeitung und hochwertigen Materialien. Der Polo, der im direkten Vergleich erstaunlich geräumig ist, fährt sich als Einziger wie ein Auto aus einer höheren Klasse: gediegen, gutmütig, souverän. Er rollt weich ab und bietet mit seiner schluckfreudigen Federung den höchsten Fahrkomfort. Die großen, straff gepolsterten Sitze sind mit Abstand die bequemsten – auch im Fond. Und der Motor säuselt gut gedämmt irgendwo leise in der Ferne.

Dieser 1,4-Liter-FSI mit 86 PS tritt eigentlich gut an, dreht bei hohen Touren aber nur gehemmt und wirkt dann wie zugeschnürt. Die Fahrleistungen reichen in diesem Umfeld nur für den letzten Platz. Dank seiner Direkteinspritzung knausert er aber wie kein anderer, begnügt sich mit 6,5 Litern. Allerdings vom teuren Super plus.

So modern der Motor, so herkömmlich ist das Konzept des Polo. Wie so häufig fehlen VW einfach die Ideen der Konkurrenz – die Rückbank etwa ist geteilt umklappbar, kein Gedanke jedoch an eine darüber hinausgehende Variabiliät.

Kosten und Ausstattungen

Mit 15.100 Euro ist der VW endlich mal nicht der Teuerste in einem Vergleich, den Spitzenplatz sichert sich mit 16.130 Euro selbstbewusst der Smart. In der getesteten Top-Version kostet der Mazda 15.790 Euro, und mit Abstand am günstigsten ist hier der Nissan für 13.400 Euro. Das Spiel ist damit aus – und es endet unerwartet ernst für den Smart: Gegen die erfahrenen Gegner gewinnt er zwar Sympathiepunkte, aber nicht diese Partie.

Technische Daten und Testwerte

Alle vier bremsen für Kleinwagen gar nicht schlecht. Der Smart steht aber deutlich als Erster, alles andere wäre eine Enttäuschung beim neusten Fahrzeug im Vergleich.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke Dass so ein Vergleich kein Kinderspiel für den neuen Smart werden würde, war klar. Trotzdem überrascht das Ergebnis. Der forfour belegt hier den letzten Platz. Klassischer Fehlstart? Davon kann nun auch wieder keine Rede sein. Er sammelt schließlich mit seinem unbekümmerten Auftritt, dem eigenständigen Design, dem lebhaften Motor und dem knackigen Fahrverhalten eine Menge Pluspunkte. Aber gegen erfahrene, starke Konkurrenz reicht das eben nicht. Nissan, Mazda und allen voran VW wissen seit vielen Jahren sehr genau, wie man in dieser Klasse Autos baut, Smart noch nicht. Originelles Design bietet der Micra eben auch, ein Mazda2 hat viel mehr Platz als der Smart und ist mindestens genauso praktisch. Der VW Polo, ausgereift und qualitativ auf höherer Stufe, fährt eine ganze Klasse komfortabler. Und mehr Raum bietet selbst er noch.

Smart hat es unter anderem versäumt, beim Thema Variabilität neue Maßstäbe zu setzen. Die werden wieder aus Frankreich kommen, da bin ich sicher. Stellt man dann noch die unverschämt hohen Preise in Rechnung, wird klar, dass für den forfour in einem solchen Vergleich nichts zu gewinnen ist. Hier geht es um Fakten. Ich bin übrigens trotzdem sicher, dass der forfour Erfolg haben wird. Auch der erste Smart startete mit einem Misserfolg. Schon vergessen?

Wie urteilen Sie über forfour & Co?

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Polo, Mazda2, Nissan Micra und Smart forfour.

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