Detroit Auto Show 2006, Teil 3

Ford Shelby GT500 Ford Shelby GT500

Detroit Auto Show 2006, Teil 3

— 12.01.2006

Detroit zeigt wieder Muskeln

Keine Spur von Bescheidenheit: Die US-Hersteller setzen auf Leistung und schiere Größe. Von Muscle Cars und Mega-Trucks.

Comeback der Muscle Cars

Coole Jungs in schnellen Karren: In den Sechzigern und frühen Siebzigern hatten die sogenannten Muscle Cars – übermotorisierte, aber bezahlbare Midsize-Modelle – Hochkunjunktur. Die Ölkrise bremste diese glorreiche Ära der Amischlitten brutal ein; in der ehemaligen Motor City Detroit verpufften die Qualmwolken, verblichen die Reifenspuren auf dem Asphalt. Ein Schlamuscle, könnte man sagen – für PS-Nerds und für die Autoindustrie.

Heutzutage sind Muscle Cars in Werbung, Musikvideos, Filmen und auf dem Oldtimermarkt wieder Kultobjekte – warum also sollte die Muscle-Ära nicht auch in der Gegenwart für Inspiration und Belebung der Absatzzahlen sorgen? Detroit erinnert an unvergessene Namen der Automobil-Historie: Dodge zeigte den Challenger Concept, Chevrolet die Studie Charger, Ford den Shelby GT500 – fast alle US-Hersteller haben irgendein potenzstrotzendes Monster im Programm.

Schon 2004 stellte Pontiac nach 30 Jahren erstmals wieder einen GTO vor (als eher biedere BMW-Kopie, aber immerhin), und Dodge präsentierte einen neuen Charger (als Viertürer, nun ja), aber am meisten Aufsehen erregte letztes Jahr der Ford Mustang GT: Für umgerechnet knapp 22.000 Euro bietet das neue Pferd im Ford-Stall nicht nur V8-Motor und 4,6 Liter Hubraum, 300 PS, 434 Newtonmeter und 230 km/h Spitze, sondern auch ein kraftvolles Design, das viele Elemente des Urahns aus den späten 60er-Jahren wieder aufnimmt, allen voran das schnittige Fastback-Heck, mit dem schon Steve McQueen damals im Kult-Krimi "Bullitt" einem Dodge Charger hinterherjagte. Ein Knaller für wenig Geld – "Bang For The Buck". Ford mußte die Produktionskapazität von 110.000 auf 192.000 Exemplare erhöhen.

Kraftvolle Studien im Retro-Look

Dieser Schuß vor den Bug von GM und Chrysler blieb nicht ohne Folgen für die aktuelle Detroit Motor Show. GM enthüllte ein neues Chevrolet Camaro Concept für 2008/2009, das mit spitz zulaufender Front, mächtigem Haubenbuckel und extrem kurzem Heck wie ein bulliger Zwilling des berühmten 1969er Camaro SS 396 wirkt.

In den Schatten gestellt wird das beeindruckende Design allerdings von dem vorgestellten Prototyp des neuen Dodge Challenger: Auf den ersten Blick sind Unterschiede zum Urahn von 1970 kaum auszumachen, Kühlergrill, Motorhaube, die hochgezogene Heckpartie und die Lackierung mit dem klassischen Motorhauben-Streifen wurden fast 1:1 übernommen. Auch unter der Haube lauert die große Vergangenheit: Ein 6,1-Liter-HEMI-Motor mit 425 PS prügelt den "Chally" in rund 4,6 Sekunden auf 100 km/h, Höchstgeschwindigkeit ca. 278 km/h.

Da trabt der Mustang schön hinterher, wäre da nicht Autoveredler und Rennlegende Carroll Shelby, der nach 40 Jahren wieder Hand an den Mustang legte: 2007 soll der neue Ford Shelby GT500 losgaloppieren, mit turbogeladenen 475 PS aus 5,4 Liter Hubraum, aufgemöbeltem Fahrwerk und Interieur – und wie damals in weiß oder rot mit markantem Doppelstreifen über die ganze Fahrzeuglänge.

Detroit zeigt wieder Muskeln, unzeitgemäß, aber schön für das Image. Sind die neuen Muscle Cars nur Ablenkungsmanöver von anderen, "biederen" Konzepten in der Schublade? Oder werden Camaro und Challenger den Mustang, Charger und GTO auf die Straße folgen? Frei nach "Ton, Steine, Scherben" ist der amerikanische Traum eigentlich aus, aber die kommenden Retro-Kraftprotze könnten dafür sorgen, daß er Wirklichkeit wird.

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