Rundgang NAIAS 2014: Die Amis in Detroit

Detroit Auto Show 2014: Die Amis

— 15.01.2014

Peinliches und Endgeiles in Detroit

Kollege Hirschberger nahm sich auf der Detroit Auto Show die amerikanischen Neuheiten zur Brust. Und die bekamen nicht selten ihr Fett weg.

Deutsche Autofans lieben offensichtlich den amerikanischen Schiffsbau. Kaum zwei Stunden nachdem mein Kollege Boris Pieritz das erste Video vom neuen Ford F-150 bei Facebook postete, hatte der Artikel mehr als 50.000 Likes. Doch das bullige Flaggschiff der US-Autobranche schippert nicht nur im Netz in Gewässern, die für unsere Verhältnisse unvorstellbar sind. Der Volks-Pick-up wurde gerade zum 32. Mal in Folge meistverkauftes Auto in den USA. Über 760.000 Stück wurden 2013 verkauft, alle 41 Sekunden unterschreibt irgendwo auf der Welt ein Kunde einen Kaufvertrag. Jetzt stellt Ford die 13. Generation vor – und der F-150 vollzieht damit vollends seine abenteuerliche Transformation vom rustikalen Arbeitstier für Farmer zum luxuriösen Laster für alle Fälle. Optisch ist er stattlich wie eh und je, reichlich behängt mit blitzendem Chrom, aber dank Alukleids jetzt rund 320 Kilo leichter und mit allem erdenklichen elektronischen Schnickschnack an Bord.

Sitzprobe Ford F-150

Der Dodge Ram "Mossy Oak" ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten.

Für Amerikaner, die sich bei einem Spritpreis von unter 70 Eurocent tatsächlich noch Gedanken über den Verbrauch machen, bietet Ford nun einen 2,7-Liter-EcoBoost-Sechszylinder an, der auf 100 Kilometer nur acht Liter vernaschen soll. Theoretisch jedenfalls. In der Praxis dürfte der Big Mäc mit Ladefläche deutlich größeren Appetit entwickeln. Was den Amis freilich komplett am Allerwertesten vorbeigeht. Sie lieben ihre kauzigen Blechkameraden. Schließlich gibt es einen F-150 schon zum Gegenwert eines Polo Highline (ab 23.000 Dollar), da verzeiht man einiges. Überhaupt haben die Amis ihre American Icons wieder ganz doll lieb. Natürlich auch die Fettbrumme Ram, die bei Dodge steht – in jeder Größe, in jeder Ausprägung. Besonders ans Herz legen möchte ich hier den Pick-up "Mossy Oaks", ein sonderbares Sondermodell mit abenteuerlich hässlichen Camouflage-Applikationen für den hemmungslosen Jäger und Sammler, das an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten ist.

Chrysler 200: Detroit Auto Show 2014

Chrysler 200 (Modelljahr 2015) Chrysler 200 (Modelljahr 2015) Chrysler 200 (Modelljahr 2015)

Bääh: Giftgrünes Viper-Exemplar auf der Detroit Auto Show.

Wenn dann vielleicht von der giftgrünen Viper, die nebenan, umringt von reichlich ausuferndem SUV-Blech, den Grenzbereich des guten Geschmacks längst verlassen hat. Egal. Ikonen dürfen das. Schnöde Mittelklasselimousinen nicht. So kommt der neue Chrysler 200C dann auch relativ unspektakulär daher. Aber gar nicht mal sooo hässlich. Unterm Blech steckt die Technik vom Alfa Giulietta, was die Befürchtung schürt, dass der 200C bei uns eines Tages als Lancia für weitere Missverständnisse und Peinlichkeiten sorgen könnte. Gebaut wird der Chrysler in Stirling Hights, Michigan, und soll in der extrem wichtigen oberen Mittelklasse gegen solche emotionalen Pulsbeschleuniger wie Toyota Camry, Hyundai Sonata oder Ford Fusion punkten. Los geht's ab April bei 95 PS für 21.700 Dollar.

Die Amis und andere Highlights aus Detroit

Bevor uns nun endgültig die Füße einschlafen, geben wir Gas. Die derzeit stärkste Corvette Z06 parkt nur einen Steinwurf weiter. Ein endgeiles Teil mit 6,2-Liter-V8, angeblasen von einem 1,7-Liter-Eaton-Kompressor und der bescheidenen Leistung von 635 PS. 861 Newtonmeter Drehmoment attackieren entweder über eine Siebengang-Handschaltung oder eine neue Achtgangautomatik die 20-Zoll-Hinterräder, auf denen sich 335er-Walzen mit dem Asphalt verschmelzen. Wahlweise liefert Chevrolet ein herausnehmbares Dachteil, Anbauteile aus Kohlefaser-Imitat, Sportreifen oder eine Carbon-Keramikbremsanlage. Startfreigabe erhält die Boden-Rakete Anfang 2015, über Preise schweigt das Standpersonal beharrlich.

Ford Mustang 2014: Preise

Wer Ami-Schlitten mag, wird den neuen Ford Mustang lieben.

Das gilt auch für die ewig junge Legende Mustang, die sich erneut komplett verjüngt hat. Wer Ami-Karren mag, wird den neuen Mustang lieben. Angeblich jedes Teil sei neu, versichern mir ewig lächelnde How-do-you-do-Menschen mit Ford-Sticker am blütenweißen Hemd. Insgesamt viel niedriger (das Dach wurde um sieben Zentimeter abgesenkt) und mit breiterer Spur (darunter sitzt nun eine komplett neue Einzelradaufhängung) hat sich der Mustang in seinem 50. Produktionsjahr einiges vorgenommen. EcoBoost-Motoren sollen auch bei ihm den Heißhunger auf fossile Brennstoffe stillen. Schließlich kommt der Klassiker Anfang 2015 nun auch offiziell zu uns und soll sich hier benehmen. Sähe nicht wirklich elegant aus, wenn der Mustang hemmungslos unsere Tankstellen leer saufen würde. Denn so etwas quittiert die Fangemeinde umgehend und zu Recht mit Tausenden von Dislikes.

Sitzprobe im Porsche 911 Targa

Autor: Tomas Hirschberger

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