Szenerie in Detroit

Detroit meldet Insolvenz an

— 19.07.2013

Eine Autostadt ist pleite

Die einst blühende Autostadt Detroit hat Insolvenz angemeldet. Es ist die größte Städtepleite in der Geschichte der USA. Die Motor City konnte auch von einer sich erholenden Autoindustrie nicht gerettet werden.

(dpa/rtr/cj) Die amerikanische Autometropole Detroit ist pleite. Die hoch verschuldete Stadt im US-Staat Michigan – Schauplatz der ersten und einst wichtigsten Automesse des Jahres, der Detroit Auto Show – meldete offiziell Konkurs an. Es ist das erste Mal in der Geschichte der USA, dass eine Stadt dieser Größe Insolvenz anmeldet. Detroit war zuletzt kaum fähig, die Kosten für die Straßenbeleuchtung zu zahlen. Einsätze von Polizei und Feuerwehr wurden auf die wichtigsten Notrufe reduziert. Michigans Gouverneur Rick Snyder sprach in einem an den Insolvenzantrag angehängten Brief von einer "verfehlten Pflicht gegenüber den Bürgern". Die Stadt hat nach Medienberichten zufolge Schulden in Höhe von rund 19 Milliarden Dollar (15,5 Milliarden Euro).

Reportage: Ein Tag in Detroit



Das Magazin, 15.1.09 (1)

Detroit: Überlebenskampf einer sterbenden Stadt

Einst bekannt für seine blühende Autoindustrie, kämpfte die Motor City seit Jahren ums finanzielle Überleben. Autobauer General Motors, Ford und Chrysler verhalfen der Stadt mit zeitweise zwei Millionen Einwohnern zur Blüte. Vor 100 Jahren startete Henry Ford dort mit der Fließband-Produktion seines Tin Lizzy genannten Model-T und schrieb damit Geschichte. Doch die scharfe Konkurrenz aus Japan, Fehlentscheidungen in den Unternehmen und Misswirtschaft in der Stadtverwaltung ließen Detroit in einem "60 Jahre andauernden Niedergang" abstürzen, wie Snyder den Verfall der Stadt bezeichnete. Heute leben in der Stadt noch 700.000 Menschen, ein Drittel davon in Armut. Die Ausgaben zum Betrieb der städtischen Dienste übersteigen seit 2008 die Einnahmen jährlich um rund 100 Millionen Dollar. Zudem zehren Zahlungen für langfristige Verbindlichkeiten von rund 8,5 Milliarden Dollar fast 20 Prozent des Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse.

Aus dem Archiv: Detroit – die größte Autostadt der Welt

Einst mit zwei Millionen Einwohnern eine blühende Industriemetropole, leben heute noch 700.000 Menschen in Detroit – davon viele in Armut.

Der Abwärtstrend von Detroit hatte sich jahrelang auch in der Situation der großen Autohersteller GM, Chrysler und Ford sowie auf der Messe NAIAS widergespiegelt. Im Sommer 2009 musste mit GM sogar der einstmals größte Autobauer der Welt Insolvenz anmelden. Staatliche Hilfen und Maßnahmen wie die Abwrackprämie führten dann zu einer spürbaren Erholung des amerikanischen Marktes, auch auf der NAIAS 2013 zeigten sich die US-Autobauer wieder mit breiter Brust.

Nach Angaben Snyders soll Detroit nun mit einem Gläubigerschutz unter Kapitel neun des US-Insolvenzrechts saniert werden. Ein Umstrukturierungsplan sehe vor, dass in den nächsten zehn Jahren 1,25 Milliarden Dollar in die Infrastruktur gesteckt werden – in Polizei und Feuerwehr, Müllabfuhr oder Straßenbeleuchtung. Das Ziel sei ein "Comeback" der Stadt.

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