Deutsche Autobauer buhlen um Benedikt

Deutsche Autobauer buhlen um Benedikt

— 04.05.2005

Poker ums Papamobil

Seit 1929 kämpfen Hersteller um einen besonderen Auftrag: die Autos für den Papst und den Vatikan. Jetzt wurde die Wettfahrt neu gestartet.

Kaum war Papst Johannes Paul II. tot, begann der Streß für Hans-Peter Hagemeister. Der Leiter des Fahrservice von Audi mußte ganz schnell neun gepanzerte A8-Limousinen nach Rom bringen lassen, damit Gäste wie der spanische König mit Technik aus Ingolstadt auf der Beerdigung vorfahren konnten. Bei der Überführung der Fahrzeuge schreckte Hagemeister auch vor kleinen Sünden nicht zurück – was bedeutet schon ein Nachtfahrverbot in der Schweiz, wenn die Schweizer Garde wartet?

Audis Aktionismus ist nur zu verständlich, schließlich streiten sich Autohersteller seit 76 Jahren um die Ehre, Papst und Vatikan mobil zu machen. Das erste katholische Oberhaupt aus Deutschland seit 482 Jahren weckt nun ein besonderes Interesse bei den meisten deutschen Herstellern. Der Papst im Porsche? Volkswagen für den Vatikan? Benedikt im Benz? Oder doch im BMW? Wer bekommt den Segen?

"Wir wären stolz, das Auto des Papstes erneut stellen zu dürfen", eröffnet Gerd Esser von Mercedes-Benz den Poker um das Papamobil. Johannes Paul II. fuhr eine umgebaute M-Klasse und Cabrios auf Basis des W 140 und W 108. "Unser Importeur in Italien hat sehr gute Kontakte", kontert Audis Hans-Peter Hagemeister. Und Rudolf Probst von BMW sieht eine gewisse Logik darin, daß ein Papst aus Bayern auch ein Auto aus seiner Heimat fährt. "Aber nur für schnelle Dienstreisen im Ausland", sagt Probst. Im Schritttempo durch Rom – das entspräche dann doch nicht dem dynamischen BMW-Image.

Volkswagen würde Josef Ratzinger beim Weltjugendtag in Köln gern in einen umgebauten Touareg setzen. Bei Opel hat man sich dagegen noch keine Gedanken gemacht. Wenn es denn eine Chance gäbe, heißt es, wären sie aber dabei. Einzig Porsche winkt beim Wettlauf um den katholischen Werbeträger ab.

Zu den Männern, die es zunächst zu überzeugen gilt, zählt der Papst ohnehin nicht. Chef des rund 50 Autos umfassenden Fuhrparks im Vatikan ist Kardinal Edmund Kasimir Skoza (79), Erzbischof von Detroit. Als er das Amt übernahm, sorgte der Amerikaner erst einmal dafür, daß die traditionell aus Fiat bestehende Flotte ausschließlich um Ford-Modelle erweitert wurde. Ihm zur Seite steht Bischof Renato Boccardo, der die Tagesgeschäfte leitet und die Verhandlungen mit den interessierten Autokonzernen führen wird.

Im Vatikan soll die Wahl eines Deutschen auch Hoffnungen auf neue Dienstfahrzeuge geweckt haben, wie ein Vertrauter Boccardos berichtet. Nicht wenige Bischöfe fahren noch immer alte Fiat Regata oder Ritmo. Josef Ratzinger selbst bevorzugte vor seinem Umzug nach Rom eher bodenständige Modelle.

Als Kardinal besaß Benedikt XVI. noch einen Golf IV. Welchen Wert der Papst für ein Auto haben kann, zeigt die aktuelle Versteigerung des kompakten Würdenträgers im Internet: Einen Tag vor Auktionsende (pünktlich zu Himmelfahrt) kletterte das Höchstgebot auf himmlische 63.698 Euro – und damit auf das Sechsfache des ursprünglichen Kaufpreises.

Autor: Hauke Schrieber

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