Deutsche Kontrolle für türkische Autos

Deutsche Kontrolle für türkische Autos

— 15.08.2007

Vorhang auf für "TÜV Turk"

Der TÜV Süd kümmert sich künftig um die Verkehrssicherheit der zwölf Millionen Kraftfahrzeuge in der Türkei. In Zukunft müssen alle Personen- und Lastkraftfahrzeuge im ähnlichen Turnus wie in Deutschland zum "TÜV Turk".

Gut zwei Jahre nachdem der TÜV zusammen mit zwei türkischen Partnern eine internationale Ausschreibung gewonnen hat, werden jetzt türkische Autos von deutschen Gutachtern beäugt. Die türkische Regierung gab nun endgültig grünes Licht für die auf 20 Jahre angelegte Exklusivvereinbarung, erklärte TÜV-Süd-Vorstandschef Axel Stecken. Das neue Gemeinschaftsunternehmen "TÜV Turk" löst schrittweise die bisherige, nach TÜV-Angaben eher laxe, staatliche Kontrolle ab. Im Rahmen des 633 Miollionen Euro teuren Vorhabens sollen bis Ende 2008 in der Türkei flächendeckend 189 Prüfstationen errichtet werden. Der TÜV Süd habe sich selbst das Ziel gesetzt, dass spätestens in fünf Jahren die türkischen Kraftfahrzeuge dem deutschen Sicherheitsstandard entsprechen sollten, sagte TÜV-Turk-Vorstand Thomas Aubel. Zunächst werde der TÜV Turk jedoch in Absprache mit dem türkischen Verkehrsministerium nach wesentlich großzügigeren Kriterien vorgehen.

"Würden wir eins zu eins den deutschen Standard anwenden, müssten wir in der Türkei über 50 Prozent der Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen", sagte Aubel. "Das würde jedoch in der Bevölkerung eine Revolution auslösen", fügte der TÜV-Experte hinzu. Der türkische TÜV werde zwar nach deutschem und EU-Standard alle Mängel der Fahrzeuge auflisten, aber zunächst nur bei schweren Sicherheitsmängeln etwa an Bremsen oder Reifen die künftig vorgeschriebene Prüfplakette verweigern. "Wir verhandeln derzeit noch mit dem türkischen Verkehrsministerium, was als mittlerer oder schwerer Mangel einzustufen ist", sagte Aubel. Schrittweise solle das Sicherheitsniveau aber auf den europäischen Standard gebracht werden. Dies sei Teil der türkischen EU-Beitrittsbemühungen. Derzeit sei die Zahl der Verkehrstoten in der Türkei doppelt so hoch wie im EU-Durchschnitt. Vor Ort arbeite der neue TÜV Turk überwiegend mit türkischen Franchise-Partnern zusammen.

EDV-System gegen Korruption

Kampf dem maroden Unterboden: Bald gibt's deutsche Qualitätskontrolle für türkische Autos.

Aubel betonte, dass der TÜV Süd in das neue Kontrollsystemen zahlreiche Maßnahmen zur Qualitätssicherung eingebaut habe, auch um Korruptionsfällen vorzubeugen. So werde ein auch in Deutschland angewandtes EDV-System eingesetzt, das sofort Auffälligkeiten oder Abweichungen bei einzelnen Service-Stationen feststelle. Damit soll verhindert werden, dass ein Autobesitzer gegen Geld ungerechtfertigt eine TÜV-Plakette bekommt. "Wir werden früher oder später sicher mit Korruption konfrontiert werden", sagte Aubel. "In diesen Fällen werden wir konsequent durchgreifen", kündigte er an. Örtliche Partner würden dann nicht nur ihre Lizenz, sondern auch ihre Firmeneinlage in Millionen-Euro-Höhe ersatzlos verlieren. An dem neuen TÜV Turk sind der TÜV Süd und seine türkischen Partner, der Mischkonzern Dogus und das Bauunternehmen Akfen, zu je einem Drittel beteiligt. Alle drei Partner teilen sich entsprechend Kosten und Gewinne. "Während der 20-jährigen Vertragsdauer wird sich der Umsatz des Gesamtprojektes auf elf Milliarden Euro belaufen", sagte TÜV-Süd-Chef Stepken. Damit sei es "eines der größten und bedeutendsten Auslandsprojekte in der Geschichte von TÜV-Süd". Das türkisch-deutsche Gemeinschaftsunternehmen, das für die Lizenz insgesamt 409 Mio. Euro bezahlt, will bereits in drei Jahren die Gewinnschwelle erreichen.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.