Deutschlands ältester Diesel-Tuner

Deutschlands ältester Diesel-Tuner Deutschlands ältester Diesel-Tuner

Deutschlands ältester Diesel-Tuner

— 20.03.2002

Alte(r) Meister in Öl

Mit dem Golf I wurde er berühmt. Diesel-Pionier Sepp Papmahl ist schon eine Ewigkeit im Tuning-Geschäft. Doch ans Aufhören denkt der 65-Jährige nicht. Im Gegenteil.

Seit über 20 Jahren im Geschäft

Rumms! Mit lautem Knall fällt die schwere Eichentür ins Schloss. An der Wand hängt ein VW Golf-GTD-Poster neben Antilopen-Köpfen und Gepard-Fellen. Motorsteuergeräte liegen aufgereiht neben einem merkwürdigen Warzenschweinzahn-Flaschenöffner. Neben einem Schrank baumeln Schusswaffen vom Kaliber 9,2 x 64 Millimeter. Die Dame des Hauses, Rubiceida Maceo Fleitas (29) aus Kuba, hat Kaffee gekocht. Idylle à la Papmahl.

Sepp ist 36 Jahre älter als seine Frau, wirkt aber deutlich jünger. "Vielen Dank", prustet er schallend los. Er fühlt sich sichtlich wohl in seiner Rolle des reifen Gentlemans. Der passionierte Jäger dopt seit 20 Jahren alles, was vier Räder und Selbstzündung hat. Sein ehemaliger Gutshof ist das Mekka für Dieselfreaks. Denn hier, mitten in der bayrischen Einöde nahe Ingolstadt, wurde das Diesel-Tuning erfunden.

Ob Sepp Papmahl wirklich der Erste war, der einen Golf D getunt hat, weiß er selbst nicht. Er vermutet es. Und so wirbt der gebürtige Lübecker in seinen Anzeigen spitzbübisch: Deutschlands ältester Diesel-Tuner.

"Stimmt ja auch", zwinkert er, "ich bin 65 Jahre. So alt ist in der Branche keiner." Dabei blitzt der Schalk aus seinen grünen Augen. Es sind wache, freundliche Augen. Sie strahlen mit der jugendlichen Neugier, die Sepp Papmahl schon ein ganzes Leben begleitet.

Über Umwege zum Tuner

Sein Wissensdurst hat ihn weit gebracht. Von 1954 bis 62 fuhr er zur See. Um die ganze Welt als Ingenieur mit Kapitänspatent. Dann verkaufte er bis 1971 für Mercedes in Stuttgart Lkw. Für viele ein Traumberuf, für Papmahl zu öde. Er schmiss den Job und studierte von 1972 an Betriebswirtschaft in München. Vier Jahre später schaffte er den Abschluss und hängte auch noch Jura dran. Bis zum ersten Staatsexamen 1979. Irgendwann Anfang der 80er Jahre bewarb sich das norddeutsche Allround-Talent als Ingenieur. Aber es hagelte Absagen: Überqualifiziert. So blieb Papmahl nur der Weg in die Selbstständigkeit.

Der Zufall wollte es, dass ihm Walter Treser, der heutige Opel-Entwickler, über den Weg lief. Treser hatte seine Firma genau da, wo heute Papmahl wohnt. Die beiden waren sich von Beginn an sympathisch. Und so kam es, dass Sepp Papmahl als freier Konstrukteur für Treser arbeitete. "Eines Morgens kam ein Vertreter, der was von schwarzen Heckleuchten faselte. Audi-Ingenieure hatten den Mann mit den Worten zu uns geschickt: Vielleicht ist das was für Treser", erinnert sich Papmahl.

Und wie es das war. Die schwarzen Leuchten wurden eine der einträglichsten Innovationen im Zubehörgeschäft. Eingekauft für 150 Mark (77 Euro), verkauft für 520 Mark (266 Euro). Papmahl schwärmt: "Unglaublich, die verkauften sich wie geschnitten Brot. Erst für das Audi Coupé, dann für den Golf." Produziert wurde bei Hella. Verpackt und versendet bei Treser.

Der Erfolg kam mit dem Golf GTD

Doch der Erfolg machte übermütig. "1985 zogen wir in riesige Räume nach Ingolstadt. Während Treser und ich stets sparsam lebten, haben sich die neu angeworbenen Vertriebsleute dicke Dienstwagen und fette Provisionen gegönnt. Dazu kam noch Tresers eigene Sportwagen-Fabrik in Berlin. Nur wenige Treser TR1 wurden gebaut, dann kam der Konkurs", sagt Papmahl.

Er selbst war zu diesem Zeitpunkt lange aus dem Rennen; blieb aber in den alten Treser-Räumlichkeiten und firmierte fortan als Papmahl Automobiltechnik GmbH Hofstetten. Die hatte eine neue Nische entdeckt: das Diesel-Tuning. Schon 1981 flanschte der gelernte Schiffsingenieur einen Turbo versuchsweise in seinen VW Golf 1,6 Diesel. Zunächst ohne großen Erfolg.

"10.000 Mark (5113 Euro) Umbaukosten waren zu teuer. Das kaufte kein Golf-Fahrer." Bis 1982. Da kam VW mit dem ersten Golf GTD auf den Markt. "Meine Rettung", freut sich Papmahl noch heute. Denn der erste serienmäßige Turbodiesel hatte keinen Ladeluftkühler (LLK). Ruckzuck hatte der Tausendsassa einen entwickelt. "Wie bei meinen großen Schiffen." Im Golf brachte der Intercooler 90 statt 70 PS. Die Höchstgeschwindigkeit stieg von 165 auf 182 km/h. Das Ganze für 2998 Mark (1533 Euro).

Selbst Camper werden flott gemacht

Seine Kunden waren begeistert. Bis 1986 ist er mit dem Selbstzünder-Tuning fast allein auf weiter Flur: Papmahl, der Diesel-König. Es folgen Ladeluftkühler für Vans und Geländewagen. Für die erste digitale Dieselelektronik im BMW 524td (1988) erfindet Papmahl ein Zusatzsteuergerät: Das kleine, aber wirksame Potentiometer-Kästchen macht heute den Hauptumsatz aus.

Und längst sind es nicht nur Pkw, die in Hofstetten schneller gemacht werden. Gute Kunden sind auch Wohnmobil-Fahrer, deren Camper von Papmahl und seinem Kfz-Meister Josef Heimisch elektronisch auf Trab gebracht werden. Privat lenkt der Diesel-Doktor einen Jaguar XJ durch die bayrische Provinz. Natürlich umgerüstet auf einen getunten Audi TDI-Fünfzylinder mit 170 PS - die weltweit einzige Katze mit Diesel-Schnurren.

Wenn die Sonne scheint, schwingen sich Sepp und Rubiceida auf ihre BMW K 1100; noch mit Zünd- statt Glühkerzen. Aber was noch nicht ist, kann ja noch kommen. Papmahl ist schließlich Querdenker. Und vielleicht deshalb kein Mitglied im Verband Deutscher Automobil Tuner. "Das ist ein Klüngelclub. Nix für mich. Ich mag keine Vereinsmeierei. Außerdem ist mein Laden ist nur ein kleiner Familienbetrieb und kein Zuliefergigant."

Stimmt. Papmahl betreut alle Kunden persönlich, in der Werkstatt scheint die Zeit zu stehen. Dort bekommt gerade ein roter Seat Arosa SDI einen Turbo und Ladeluftkühler verpasst. Fast wie vor 20 Jahren.

Die Papmahl-Geschichte

1982 Der erste Ladeluftkühler für den VW Golf I GTD verhilft Papmahl zum Durchbruch als gefragter Diesel-Tuner.

1987 Tuning für den Mitsubishi Pajero.

1988: Zusatzsteuergerät für den BMW 524td erweitert das Programm. Außerdem erster VW Bulli mit getuntem TD-Motor.

1989 Tuning-Kit für Wohnmobile und Transporter.

1991 Dem Audi 100 TDI verhilft Papmahl ebenfalls zu mehr PS.

1992 Erster VW Sharan VR 6 mit Turbolader.

1993 Leistungssteigerung für den Golf TDI.

1999 Erste Motorbremse zum Nachrüsten.

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