Deutschlands beste Autofahrer 2004

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Deutschlands beste Autofahrer 2004

— 26.05.2004

Wir fahren mit Sicherheit nicht anders

Gleich neun Frauen gingen in Fürstenfeldbruck auf die Jagd nach dem Titel. Und heizten den Männern richtig ein.

Rekord: Neun Leserinnen im Finale

Die alten, längst ausrangierten Jagdbomber sehen aus, als flögen sie noch. Auf Stahlpfosten kämpferisch in Szene gesetzt, säumen sie die Straße zum Flugfeld. Es ist kurz vor acht. Vor dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck haben sich fast alle 50 Teilnehmer des heutigen Tages mit ihren privaten Autos in Stellung gebracht, warten gespannt darauf, dass sich der rot-weiße Schlagbaum endlich hebt. Eine von ihnen ist die Schülerin Carina Ofterdinger aus Oberschleißheim.

Sie ist an Prüfungsstress gewöhnt. Denn ihre Abi-Klausuren liegen gerade einen Monat zurück, und das Mündliche folgt in einer Woche. Doch für die 19-Jährige kein Grund, hier zu kneifen: "Wann bekommt man schon mal so eine Chance?" Und so stehen statt Deutsch und Erdkunde heute eben Gasgeben, Bremsen und Ausweichen auf dem Stundenplan – Praxisunterricht in Sachen Physik. Währenddessen mustert die Konkurrenz. Überwiegend Männer. "Könnte schwer werden", murmelt die junge Frau, doch nervös ist sie nicht. Immerhin ist sie in bester Gesellschaft: Gleich neun Frauen gehen heute auf die Jagd nach dem Ticket fürs Finale – Rekord im 16. Jahr. "Autofahren eben längst keine Männersache mehr", gibt sich Ofterdinger selbstbewusst. Und außerdem weiß sie: Die fünf besten Frauen aller Vorrunden kommen unabhängig vom Tagessieg ins Finale nach Oschersleben, "da rückt der Titel doch in greifbare Nähe". wenn’s nun nicht klappt? Auch egal, dann haben wir Jungs wenigstens gezeigt, dass wir mit Sicherheit nicht anders fahren!"

Schlag acht Uhr hebt sich am Checkpoint der Schlagbaum. Endlich, es geht raus aufs Flugfeld. Dorthin, wo bereits alles vorbereitet ist: Die Pylonen glänzen in der lauen Morgensonne, drei Sprinkleranlagen wässern die hellroten Rutschmatten, und das Wettkampfgerät steht in Reih und Glied: Insgesamt 25 Ford der Baureihen Mondeo Turnier und Focus C-Max – schon bei der Begrüßung hält es die Teilnehmer kaum noch auf den Stühlen.

Frauen beim Bremsen und Einparken Spitze

Doch zunächst einmal ist Sitzprobe angesagt – eine wichtige Übung. "Denn viele", erklärt Werner Klotz, einer der vier Fahrtrainer, "sitzen zu weit hinten." Wie etwa Christine Frey aus Syrgenstein. Sie streckt Arme und Beine voll durch. "Wenn’s kracht, ziemlich gefährlich", weiß Klotz, "denn die Gelenke können nicht schnell genug nachgeben" – Knochenbrüche sind programmiert. "Deshalb immer leicht angewinkelt ans Steuer", schnell hat der Instruktor die Altenpflegerin in die richtige Position gebracht.

Dann dürfen die Kandidaten den Parcours ein erstes Mal "erfahren". Zunächst langsame Erkundungsrunden, dann immer schneller – Autos kennen lernen und locker machen für die Wertungsläufe am Nachmittag. Unter den fachkundigen Anweisungen der Trainer gehen sie bis ans Limit. Carola Schneider lernt ihre Grenzen beim Bremsversuch auf glattem Untergrund kennen. Mit Tempo 60 und ausgeschaltetem ABS kachelt die Fliesenhändlerin aus dem Fränkischen auf die Rutschmatte. Als sie sich voll in die Eisen stemmt, bricht der anderthalb Tonnen schwere Mondeo sofort aus. Die Reifen knarzen und quietschen übers nasse Plastik, wie ein Kreisel dreht sich das Fahrzeug über die 40 Meter lange Gummibahn und kommt am Ende schwankend zum Stehen. Klotz lächelt verschmitzt: "Wann bringen wir Männer die Frauen schon mal so ins Schleudern?"

In den Wertungsläufen jedenfalls nicht. Gleich im ersten räumt Brigitte Bayer (34) ein ewiges Vorurteil aus dem Weg – auf dem Programm steht rückwärts einparken: Wo die Herren sich minutenlang mit wildem Gekurbel aufgeregt in die Lücke schaukeln, macht die blonde Nürnbergerin kurzen Prozess. In nur 27,19 Sekunden steht sie souverän in der Lücke – Platz vier, ganze 39 von 41 Männern hinter sich gelassen. So viel zum Thema Frauen und Einparken. Beim Thema Frauen und Bremsen lehrt Carina Ofterdinger die Männer das Fürchten: Auf der Rutschmatte soll aus möglichst hohem Tempo gebremst und einer Pylonenreihe ausgewichen werden. Als die junge Frau aus Kressbronn mit dem Rekordtempo des Tages (44 km/h) anrauscht und nur eine Pylone berührt, verwandelt sich die stolze Männerriege in einen kleinlauten Kegelclub: Keiner ist schneller, fast alle räumen die komplette Hütchenreihe ab.

Dass am Ende keine Frau auf dem Treppchen landet, verdanken die Männer einzig der schwachen Theorieprüfung von Brigitte Bayer. Bis hierhin liegt sie auf Platz drei, fällt danach auf den zwölften zurück. "Aber was ist schon die graue Theorie", tröstet Sieger Alexander Mois aus Röttenbach anerkennend, "in der Praxis jedenfalls fahren Frauen mit Sicherheit nicht anders!"

Autor: Henrik Fels

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