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Deutschlands beste Autofahrer 2013

Ohne Teamwork geht es nicht

In Zweier-Teams starten "Deutschlands beste Autofahrer" in das Sicherheitstraining. Die Teilnehmer kennen sich nicht, müssen aber eigenständig Teams bilden: Und die Chemie stimmt bei allen Paaren.
Angst hat in Klettwitz offiziell niemand. Und doch ist die Erleichterung groß, als es endlich losgeht und das Organisationsteam von "Deutschlands beste Autofahrer" den Tagesablauf erklärt. 40 Teilnehmer haben sich heute für die Vorrunde auf dem Fahrgelände der DEKRA versammelt. Zum Warmwerden nehmen alle, aufgeteilt in vier Grup­pen, an einem Sicherheitstraining teil. Danach gibt's erst mal Mittagspause und den Theorie-Test. So richtig spannend, könnte man meinen, wird es erst am Nachmittag beim praktischen Wettbewerb. Doch gleich zu Beginn stellen die Gruppenleiter die vielleicht schwerste Aufgabe. "Suchen Sie sich einen Beifahrer Ihres Vertrauens", sagt Jens Grünewald zu seinen zehn Teilnehmern. Keine leichte Entscheidung für die Teilnehmer, fast ein bisschen unan­genehm, denn niemand kennt sich. Doch die Teilnehmer haben wieder ein sehr gutes Bauchgefühl gehabt. "Ich weiß nicht, wie sie es machen", sagt Grünewald. "Aber in 25 Jahren haben sich wirklich immer die Richtigen gefunden." Heute auch. AUTO BILD hat fünf Paare begleitet.

Deutschlands beste Autofahrer

Paar 1: Conny Burr und Björn Zimmermann – Die Teamplayer

Die beiden wirken, als würden sie sich schon ewig kennen. Na ja, zumindest kennen sie sich länger als der Rest der Teilnehmer, denn Conny (27) und Björn (46) trafen sich bereits ungeplant vor Trainingsbeginn. Im strömenden Regen sammelte Conny morgens den triefnassen Björn am Eingang zum Fahrgelände ein. Björn reiste mit Bahn und Bus bis nach Klettwitz und musste noch ein gutes Stück zu Fuß laufen. Wie es der Zufall so wollte, landeten die beiden dann auch noch in der gleichen Gruppe und sind sofort ein Team. Beim Fahrsicherheitstraining geben sie sich Tipps und sehen alles ziemlich gelassen. Im Einzelwettbewerb reicht es bei Conny und auch Björn nicht zum Medaillenrang. Als Team sind die beiden einfach besser.

Paar 2: Frank Dignas und Ingolf Huß – Die Analytiker

Jede einzelne Pylone nehmen Ingolf Huß (46) und Frank Digas (43) beim Elchtest unter die Lupe. Einer fährt, der andere beobachtet scharf Abstand, Fahrverlauf und Tachoanzeige. Nach einer Tour wird alles analysiert. Erst das eigene Fahrverhalten, dann das der übrigen Teilnehmer. "So lernt man ja einfach am allermeisten", erklärt Frank. In keinem anderen Team wird so viel abgeschätzt, untersucht und sich gegenseitig motiviert. "Klasse, großes Kino, richtig, richtig gut", sagt Frank, wenn Ingolf flott und präzise den Slalom gerockt hat. "Nur die allerletzte Pylo­ne, die kannst du noch ein bisschen enger nehmen. Nur ein kleines bisschen." Optimierung erster Klasse, so­gar beim Wettbewerb unterstützen sie sich. Konkurrenzdenken hat kaum eine Chance. "Es geht nicht ums Gewinnen", meint Ingolf. "Dabei sein ist alles!"

Paar 3: Gabriele Kobalz und Gunter Horuschitzky – Die Vorsichtigen

Lange dauert es, bis sich Gabriele Kobalz (50) traut, ordentlich reinzutreten – aber so richtig klappt es trotzdem nicht. "Das ABS wurde nicht ausgelöst", sagt Instrukteur Grünewald über das Mikro. "Tritt noch fester zu." Das ist wichtig, um den kürzesten Bremsweg zu erreichen. Gabrieles Beifahrer Gunter Horuschitzky (54) ist schon zum zweiten Mal bei "Deutschlands beste Autofahrer" dabei. Auch er geht das Training eher zaghaft an. Nicht immer ein Nachteil, wie das Lenken auf nasser Straße beweist. Diese Übung ist die Glanzstunde der "Vorsichtigen". Sanft und mit sehr viel Gefühl steuern sie das Auto über die glatte Oberfläche.

Paar 4: Lutz Hierschemann und Stefan Wiener – Die Coolen

Still muss es sein im Wagen von Lutz Hierschemann (33) und Stefan Wiener (27). Nach einer kurzen Vorstellung reden sie kaum noch miteinander. Sympathisch sind sie sich schon, ihr Schweigen hat taktische Gründe. "Wir wollen uns nicht ablenken", erklärt Lutz. Es ginge ihnen nicht ums Gewinnen. Natürlich. Trotzdem ist der Ärger da, als der Dresdner den Elchtest verreißt und eine Pylone umfährt. Dass die Coolen auch kleine Streber sind, zeigt sich beim Theorie-Test. Beide haben vorher kräftig gepaukt, zumindest Stefan Wiener wird dafür belohnt. Er landet beim Wettbewerb in der Gesamtwertung auf Platz vier.

Paar 5: Daniel Polzer und Olaf Münzner – Die Erfahrenen

Daniel Polzer (32) steigt ins Auto und stellt den Sitz ein. Der nächste Griff geht gleich zum Radio. "Musik beruhigt den Körper", sagt er. Und lenkt nicht ab? "Quatsch. Ich höre immer Radio beim Fahren." Daniel ist Busfahrer. Souverän steuert er den Wagen durch den Hütchen-Parcours, lenkt ihn entspannt durch den Elchtest und gleitet über die Wasseroberfläche, als würde er ausschließlich auf glatten Straßen fahren. Lässig, aber immer konzentriert. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen. Sein Teampartner ist ähnlich tiefenentspannt. Kein Wunder: Olaf Münzner (38) hat schon einmal an einem Fahrsicherheitstraining teilgenommen. "Das möchte ich jetzt auffrischen", erklärt er. Was kaum notwendig ist bei seiner Fahrweise.

Der Gewinner von Klettwitz: Michael Hubrich

Der Gewinner von Klettwitz: Mit nur 26 Fehlerpunkten sicherte sich Michael Hubrich seinen Platz im Finale.

Er ist der Gewinner der ersten Vorrunde in Klettwitz: Michael Hubrich (36). Nur ganz knapp, mit einem Strafpunkt weniger, konnte er sich gegen den Zweitplatzierten durchsetzen. Das Kuriose: Hubrich gewann keine der Einzelprüfungen, schnitt aber im Durchschnitt von allen am bes­ten ab. In der Endrunde wird er gegen die Ge­winner aller Vorrunden antreten und vielleicht, mit etwas Glück und sehr viel Können, den Titel "Deutschlands bester Autofahrer 2013" holen. Wer den Jubiläumstitel mit nach Hause nehmen darf, entscheidet sich beim großen Finale Anfang August in Linthe/Brandenburg.

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