Deutschlands bester Autofahrer

Deutschlands bester Autofahrer

— 31.07.2009

Wer fährt besser Auto?

(K)eine Frage des Alters! Generations-Vergleich nach Punkten. Jugend trifft Routine. Wie zwei Teilnehmer auf dem Luk Driving Center in Rheinmünster plötzlich in den Mittelpunkt unserer Sicherheitsaktion rückten.

"Rentner rast in Schützenumzug". Der tragische Unfall im sauerländischen Menden mit drei Toten und mehr als 50 Verletzten heizt die Diskussion um eine Eignungsprüfung für Senioren am Steuer erneut an. Noch gehören die Grauen Panther zwar statistisch gesehen zur unauffälligsten Altersgruppe überhaupt, doch seit 1991 steigt ihre Beteiligung an schweren Unfällen konstant. Und die Alterspyramide spricht eine klare Sprache: Bereits 2015 wird jeder dritte Autofahrer über 60 sein. Jürgen Bente vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) hält trotzdem wenig von staatlicher Bevormundung: "Es geht ja nicht um alt oder jung, es geht um fit oder nicht fit und um Verantwortung am Steuer."

Praktische Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen

Deutschlands bestem Autofahrer 2009 winkt ein Ford Kuga 2.5 im Wert von 20.200 Euro.

Seit 21 Jahren begleitet Bente als Trainer die Aktion Deutschlands bester Autofahrer und springt für die routinierten Alten in die Bresche: "Wir merken immer wieder: Praktische Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen." Auf dem Luk Driving Center in Rheinmünster bei Baden-Baden machen wir aus aktuellem Anlass den Generationen-Check. 40 Teilnehmer sind heute bei schwülen 30 Grad zum Fahrsicherheitstraining erschienen. Frauen und Männer, Alt und Jung. Darunter auch zwei, die Opa und Enkel sein könnten. Alfred Bucherer (77) und Sebastian Stach (18). Als sich der eine so langsam auf die Rente vorbereitete, wurde der andere gerade geboren. Fast 60 Jahre trennen beide, und doch sind sie sich ganz ähnlich. Beide sind absolute Autofans, und beide kommen aus einer Risikogruppe. Seine Reifeprüfung hinterm Steuer hat Bucherer 1950 abgelegt. Auf einem Käfer. Erstes Auto Knutschkugel Isetta, dann Fiat 500, dann NSU TT, heute Skoda Octavia. "Insgesamt hatte ich zwölf Autos", erzählt der rüstige Rentner nicht ohne Stolz. "Immer unfallfrei, seit 59 Jahren." Offensichtlich kein Grund, sich selbstgefällig zurückzulehnen: "ABS, ESP und das ganze moderne Zeugs – darauf habe ich ja nie gelernt. Ich will mal sehen, wo ich stehe", lächelt uns der Bonner Ex-Banker aus dem Cockpit eines Ford Kuga entgegen. Sebastian Stach ergänzt: "Ja richtig, und mal den Grenzbereich ausloten – kann man ja auf der Straße sonst nicht."

Die Angst vor dem Verlust der eigenen Mobilität schwingt immer mit

Die Sponsoren von "Deutschlands bester Autofahrer" stellen Preis im Wert von 100.000 Euro zur Verfügung.

Der Frankfurter Gymnasiast hat seit 14 Monaten den Führerschein, leiht sich ab und zu den Fiesta von Muttern und träumt vom Shelby GT 500. "Leistung fasziniert mich." Für Stach wäre es übrigens durchaus okay, "eine Altersgrenze am Steuer zu setzen und dann einen jährlichen Test durchzuführen". Bucherer sieht das etwas anders. Natürlich, möchte man hinzufügen. "Wer prüft denn bitte die Prüfer?", gibt der hellwache Auto-Veteran zu bedenken "Nee, zum Prüfungskatalog habe ich kein Vertrauen." Auch wenn laut Umfrage die meisten Rentner überraschend einen Eignungstest befürworten, schwingt die Angst vor dem Verlust der eigenen Mobilität doch immer mit. So beherzt wie Bucherer hier ins Lenkrad greift, müsste er allerdings keinen Prüfer fürchten. "Lernfähig und abgeklärt", beurteilt Instrukteur Frank Seidel seine Leistung.

In der Theorieprüfung lässt er Junior Stach sechs Ränge hinter sich (Platz 24 zu 30), und selbst mit ESP und ABS freundet sich der Senior schnell an. Was aber auch deutlich wird: Komplexere Aufgaben sind ein Problem. Statt nach jeder Prüfung das Auto am Ende zum kompletten Stillstand zu bringen, rollt Bucherer stets ein paar Meter weiter – und damit aus den Top-Plätzen heraus. Mit denen hat auch Stach letztlich nichts zu tun. Im ungebremsten Spurwechsel ist er top (Platz vier), versemmelt dann den Slalom (Platz 34). Insgesamt aber für einen Fahranfänger eine gute Leistung. Routine trifft Jugend. Nur eine Momentaufnahme. Nicht mehr, nicht weniger. Der alte Autofahrer, der ein Verkehrsrisiko darstellt, ist ebenso wenig die Regel wie der übermotivierte Jungspund, der über seine Verhältnisse fährt. Vielleicht würden regelmäßige Eignungstests helfen. Aber ab welchem Alter? Ab 50? Ab 60? Ab 70? Nur einen Tag nach unserem Generationen-Test hat in Rheinmünster übrigens ein gewisser Günter Sprungk mit null Fehlern souverän die Theorieprüfung gewonnen. Sein Alter: 86 Jahre.

"Die Jüngeren profitieren von den Älteren"

DVR-Instrukteur Jürgen Bente: "Die Jüngeren profitieren von den Älteren."

Die Motivation bei den Jüngeren ist häufig eine Steigerung ihrer eigenen Fahrfertigkeiten. Richtiges Bremsen oder Ausweichen und das Erleben der fahrdynamischen Grenzen werden oft bei Trainingsbeginn als persönliche Erwartung geäußert. Ältere Teilnehmer haben meistens eine ganz andere Erwartung. Für sie steht das Erleben ihrer eigenen Grenzen und Fähigkeiten im Vordergrund – gerade im Vergleich mit den Jüngeren. Die Herangehensweise an die praktischen Übungen ist deshalb auch unterschiedlich. Die Jüngeren beginnen oft übermotiviert und stellen dann fest, dass sie ihre eigene oder die Grenze des Fahrzeugs überschritten haben. Beim nächsten Durchgang senken sie dann das Tempo deutlich. Die Älteren wiederum beginnen langsamer und steigern die Geschwindigkeit von Durchgang zu Durchgang, bis auch sie die Grenze des Machbaren erreichen. Da das Sicherheitstraining auf den Erfahrungen der Teilnehmer aufbaut und diese mit einbezieht, profitieren die Jüngeren von den Älteren. Diese wiederum erleben bei den praktischen Übungen, dass sie nicht schlechter sind als die Jüngeren. Dieser Austausch zwischen Alt und Jung beim Training führt nach meiner Erfahrung auch zu einem besseren Verständnis untereinander.

Autor: Tomas Hirschberger

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