Die deutsche Diesel-Elite

Audi A4 2.0 TDI gegen BMW 320d Mercedes-Benz C 220 CDI Audi A4 2.0 TDI gegen BMW 320d Mercedes-Benz C 220 CDI

Die deutsche Diesel-Elite

— 14.03.2005

Drei(er) gegen zwei

Der alte Dreikampf geht in die nächste Runde: Kann der frische BMW 3er gegen Audi A4 und Mercedes C-Klasse nach Punkten gewinnen?

Schlagabtausch der Vierzylinder-Diesel

Zwei gegen drei – Sie meinen das klingt unfair? Das gilt vielleicht für eine Rauferei zwischen Kindern auf dem Schulhof. Auch beim Tauziehen wäre das keine gerechte Partie. Bei uns aber ist das ein höchst ausgeglichener Kampf – den wir sogar regelmäßig austragen. Auf der einen Seite zwei bekannte und für ihr prestigeträchtiges Image berüchtigte schwere Jungs aus der Dienstwagen-Gang: Mercedes-Benz C-Klasse und Audi A4. Sie müssen wieder einmal ihr Revier gegen den dynamischen 3er aus dem Süden verteidigen.

Dieser BMW ist knackfrisch auf dem Markt und recht modern gekleidet. Seit wenigen Tagen steht er beim Händler und will reichlich Unruhe im Viertel der deutschen Mittelklasse stiften. Mehr noch: Die Münchner wollen ihn – na klar – an der Spitze der noblen Mittelklasse plazieren. Zum ersten Schlagabtausch lassen wir die Vierzylinder-Diesel aufeinander los.

In dieser Kategorie ist der BMW als 320d mit 163 PS der stärkste auf der Straße. Er muß sich am erfolgreichen Mercedes-Benz C 220 CDI (150 PS) und am frisch überarbeiteten Audi A4 2.0 TDI (140 PS) messen.

Common Rail gegen Pumpe-Düse

Der Ingolstädter befüllt seine vier Brennräume nach dem Pumpe-Düse-Prinzip. Dieses Diesel-Verfahren aus dem VW-Konzern sorgt für enorm hohen Einspritzdruck (2050 bar) und für feinste Vernebelung des Sprits – mit erfreulichen Ergebnissen bei der Kraftentwicklung. Denn die maximalen 320 Newtonmeter Drehmoment haut der Audi schon bei lässigen 1750 Touren heraus.

Etwas mehr Anlauf nehmen Mercedes-Benz und BMW. Sie verfügen erst ab 2000 Kurbelwellen-Umdrehungen pro Minute über die größte Schlagkraft. Beide Diesel liefern dann ein Drehmoment-Hoch von satten 340 Newtonmetern. Anders als A4 zerstäuben 220 CDI und 320d den Dieselsprit nach dem Common-Rail-Verfahren. Soweit die Theorie – jetzt müssen sich die heißen Selbstzünder in der Praxis balgen.

Durch das Pumpe-Düse-Verfahren schlägt die Verbrennung des Audi brutal zu. Das spürt der Fahrer am härteren und rauheren Motorlauf. Im Leerlauf wird das zudem durch leichte Schüttelbewegungen im Auto deutlich. Insgesamt fühlt sich der Audi-Diesel nicht so sanft an wie die Selbstzünder bei den Konkurrenten, ist stets sehr präsent. Auch bei der Leistungsentfaltung drängt sich der A4 stärker in den Vordergrund als seine Mitstreiter. Unterhalb von 1500 Touren passiert zunächst aber nicht viel. Beim Anfahren muß der Fahrer sogar besonders viel Gefühl im Kupplungsfuß beweisen.

Motorleistung und Verbrauch

Erst nach ein paar Metern wird der A4 aggressiv. Dann aber so heftig, daß die angetriebenen Vorderräder selbst auf trockener Straße schon mal den Halt verlieren können. Zwar nimmt die Leistung oberhalb von 3000 Umdrehungen spürbar ab, der Dröhn-Pegel aber kontinuierlich zu. Richtig zäh fühlt er sich dennoch nie an. Auch der kernige Mercedes-Motor dreht zügig hoch, jedoch fällt seine Drehmomentkurve schon gleich nach Erreichen des Maximums wieder relativ steil ab.

Der Vierzylinder im 320d des BMW zeigt, wie es besser geht. Bereits kurz über Leerlaufdrehzahl beißt er nachdrücklich zu, dreht gleichmäßig kraftvoll aus. Bis fast in den roten Bereich von 5000 Touren läßt der Schub kaum nach. Dazu läuft er viel weicher als der brummige Audi TDI und subjektiv leiser als der dumpf knurrende CDI des Mercedes-Benz. Lässig sprintet der kultivierte 320d so seinen Widersachern davon. Von null auf 100 nimmt er dem Mercedes 1,4 Sekunden ab. Hört sich wenig an, sind aber Welten.

Nur in den Durchzugs-Disziplinen kann der lang übersetzte BMW seinen Leistungsvorteil nicht ausspielen. In sämtlichen Elastizitätswerten fährt er der C-Klasse leicht hinterher. Dem A4 muß er sich sogar deutlich geschlagen geben. Und der hat immerhin 23 PS weniger. Da gilt beim Überholen: runterschalten – sonst sind Audi und Mercedes auf und davon.

Spätestens an der Tankstelle sieht man sich jedoch wieder. Der BMW braucht geringfügig mehr als der Audi – zudem läßt sein kleinerer Tank die Reichweite schrumpfen. Der 220 CDI muß auf jeden Fall noch früher an die Säule. Mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,5 Litern verbrennt er 0,7 Liter mehr als der A4. Für alle drei gilt aber: Mit sanftem Gasfuß sind sogar Verbrauchswerte mit einer Fünf vorm Komma drin.

Fahrverhalten und Komfort

Keinen Einfluß läßt sich dagegen auf das Fahrverhalten nehmen. Das muß auch niemand. Denn hier gibt es keine Probleme. Sehr sicher, berechenbar und ausgewogen zeigt sich der Mercedes-Benz. Auch im Komfort-Kapitel verdient er dank weichen Abrollens gute Noten. Der Audi schlägt ungehemmter zu. Straffer gedämpft, rumpelt er recht steif und hörbar über Querfugen. Er geht ähnlich gutmütig und fahrstabil durch Biegungen wie die C-Klasse – fühlt sich durch seine leichtgängigere Lenkung aber agiler an.

BMW setzt dagegen lustvoll ungeniert auf Kontaktsport-Taktik: Straff gefedert, schlägt er trocken zu. Trifft aber nie voll. Er bewegt sich somit zwar haarscharf an der Grenze zu übertriebener Härte. Aber das macht ihn im Kapitel Fahrdynamik zum Bandenchef in diesem Trio. Die sensibel ausgelegte Lenkung fordert im Stadtverkehr erhöhte Aufmerksamkeit. Bereits kleinste Erhebungen in Längsrichtung zerren an den steifen 17-Zoll-Rädern (grundsätzlich mit Notlaufeigenschaften). Dieser nervöse Geradeauslauf paßt gar nicht zum sonst so unbeirrbaren Gesamtauftritt des 3ers. Dazu ist die Lenkung viel zu schwergängig.

Schließlich stimmt auch der Qualitätseindruck im Innenraum: Unsere Angst, Oberflächen könnten wie im Gelände-Bruder X3 billig wirken, bestätigt sich nicht. Und mehr Platz bietet er auch. Die Fondpassagiere haben spürbar mehr Kniefreiheit als beim Vorgänger, nur fehlt es an Kopffreiheit. Auch erschwert der breite Bogen am Radhaus das Ein- und Aussteigen arg. Beim Kofferraum macht's der neue 3er besser. Jetzt passen 460 Liter hinein (früher: 440), womit er knapp die C-Klasse schlägt und mit dem A4 gleichzieht. Bei der Zuladung jedoch haut der 320d voll daneben: 380 Kilogramm sind zuwenig.

Kosten und Ausstattungen

Zum Schluß die Preisfrage: Volltreffer zunächst für den Audi. Doch vergleichbar ausgestattet steigt auch sein Preis auf über 30.000 Euro. Womit sich am Ende alle drei ganz einig sind. Wie schade.

Technische Daten und Testwerte

Vorbildliche Leistungen: Keiner der Kandidaten braucht mehr als 39 Meter, um aus 100 km/h zum Stehen zu kommen. Bester Wert: runde 38 Meter des BMW 3er mit heißen Bremsscheiben.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jan Horn Wenn wir von moderner Dieseltechnik und von Premium-Autos reden, dann müssen wir auch über den Rußfilter sprechen. Den bietet Audi noch gar nicht an. Erst im Sommer soll der Partikel-Fänger kommen – gegen Aufpreis versteht sich. So gesehen, sind für mich Mercedes-Benz und BMW die moralischen Sieger – der Audi eher ein theoretischer, berechneter Gewinner. Wer sein Auto streng nach Kosten beurteilt, der sollte ihn trotzdem kaufen – in der gewerteten Basisversion. Beim Geld hört der Spaß ja bekanntlich auf. Wer dagegen Sportgeist besitzt und ihn auf der Straße herauslassen will, kommt um den straffen, aber äußerst fahraktiven, spannenden BMW nicht herum. Und immerhin hat der 3er jetzt auch hinten etwas mehr Platz. Wer dagegen einfach nur das angenehmste Auto sucht – er wird mit der C-Klasse glücklich. Ausgewogen, ausgereift, ausgesprochen gut – nur eben leider etwas teuer.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie Noten für Audi A4, BMW 3er und Mercedes-Benz C-Klasse. Das Ergebnis sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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