Start DTM 2010 Audi und Mercedes

Die DTM entwickelt sich

— 27.10.2010

DTM plant Zukunft

2011 kommt die DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) zum ersten Rennen ins Münchner Olympiastadion, 2012 steigt mit BMW ein dritter Hersteller ein. Die Serie soll so in Zukunft noch attraktiver werden

Noch wartet die DTM (Deutsche Tourenwagen Masters) auf die Zusagen weiterer Automobilhersteller. Sicher ist: Ab 2012 wird BMW Audi und Mercedes im Kampf um den Meistertitel Konkurrenz machen. Denn BMW-Motorsportdirektor Dr. Mario Theissen will mit einem dann neuen technischen Regelwerk auf Anhieb um den Sieg kämpfen. "In den letzten zwölf Monaten haben wir die BMW-Motorsportabteilung komplett umgekrempelt," sagt der 58-Jährige. Aufbauarbeit wie vor dem Formel-1-Einstieg 2006 müsse aber kaum geleistet werden. Theissen: "Wir hatten uns gleich nach unserem Ausstieg aus der Formel 1 im vergangenen Jahr auf ein anspruchsvolles Nachfolgeprojekt geeinigt und deshalb die meisten Techniker behalten. Wir sind also gut aufgestellt." Trotzdem sei der Zeitplan bis zum ersten Rennen 2012 eng gesteckt. "Wir haben deshalb längst mit der Entwicklung des Autos begonnen", verrät Theissen, "und liegen voll im Zeitplan. Die ersten Prototypen werden im zweiten Quartal 2011 fertig sein, im Sommer werden wir sie dann erstmals testen." Die Fahrerwahl sei der letzte Punkt auf der Agenda. Zuvor müsse man sich noch für die Teams entscheiden. "Aber", so Theissen, "uns fehlt noch die Info, wie viele Autos wir an den Start bringen müssen. Das wiederum ist abhängig von der Anzahl der Hersteller."

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1984, 1987 und 1989 feierte BMW die Fahrermeisterschaft in der DTM. Ab 2012 gehen die Münchner wieder auf Titeljagd.

ITR-Vorstand Hans-Werner Aufrecht rechnet noch in diesem Jahr, "wahrscheinlich sogar in wenigen Wochen" mit der Zusage eines weiteren europäischen Autobauers. Im Gespräch ist ein DTM-Comeback von Opel. Doch auch asiatischen Marken wurde der Einstieg erleichtert, weil das neue Regelwerk ebenfalls in Japan und den USA Grundlage eigener Rennserien werden soll. Aufrecht: "Wann die japanischen Hersteller dann auch nach Europa kommen, überlasse ich aber ihnen selbst." Gleichzeitig konnte sich der DTM-Chef eine Spitze in Richtung Formel 1 nicht verkneifen. "Nur weil die Hersteller sich in der DTM auf ein neues Regelwerk und die Internationalisierung einigen konnten, ist BMW jetzt dabei. Die DTM zeigt also, dass so etwas möglich ist, während die Formel 1 uns immer wieder das Gegenteil vorführt." Was Aufrecht meint: Derzeit streiten sich Teams, Hersteller und Automobilweltverband FIA in der Königsklasse gerade wieder um ein neues Motorenformat für die Zeit ab 2013. Eine Lösung ist noch nicht in Sicht.

Das "Race of Champions" der DTM-Piloten in München

Kommt auch Opel zurück? Über ein Comeback der Rüsselsheimer wird heftig spekuliert. Der amtierende Meister Timo Scheider (Audi) fuhr selbst von 2000 bis 2004 für Opel.

Neben mehr Markenvielfalt und internationaler Ausrichtung will das Deutsche Tourenwagen Masters in Zukunft noch spektakulärer werden. Ein Rennen im Münchner Olypiastadion 2011 soll da den Anfang machen. Am 16. und 17. Juli werden die DTM-Boliden von Audi und Mercedes auf einem 1,2 Kilometer langen Asphaltband mitten durchs Stadion im k.o.-System gegeneinander antreten (Tagestickets ab 29 Euro unter Telefon 01805/723000 oder im Internet unter www.dtm.com ). Jeweils sechs Runden müssen Audi- und Mercedes-Fahrer dabei auf zwei Parallel-Fahrbahnen wie beim Race of Champions gegeneinander fahren – unterbrochen von einem Boxenstopp inklusive Reifenwechsel und Nachtanken. Audis DTM-Meister und ABMS-Pilot Timo Scheider (31) freut sich schon: "Das Duell Mann gegen Mann wird etwas ganz Besonderes. Vor allem der Moment, wenn wir vor hoffentlich 65000 Zuschauern das Stadion befahren. Das wird noch einmal eine ganze andere Atmosphäre als bei normalen DTM-Rennen." Und eine ganz neue Herausforderung. Scheider: "Zwei Punkte sind entscheidend. Erstens: Wie bringe ich die Reifen auf der kurzen Runde schnellstmöglich auf Temperatur? Zweitens: Ich darf absolut keinen Fehler machen, sonst lande ich in der Bande." Mercedes-Fahrer Maro Engel (25) ergänzt: "Gerade die Reifentemperaturen könnten ein Problem werden. Sind die nämlich zu niedrig, bekommen wir Untersteuern, was in den langsamen Kurven der Stadionstrecke Gift ist."

Internes Mercedes-Titel-Duell

Am kommenden Wochenende ist die DTM aber erst einmal in Adria (Norditalien) zu Gast. Titelverteidiger Scheider hat den Kampf um die Meisterschaft bei der aktuellen Mercedes-Überlegenheit längst verloren. "Ich will mich jetzt noch mit Gary Paffett um Platz drei raufen", sagt der 31-Jährige. "Ich habe nichts mehr zu verlieren, werde voll attackieren und will endlich noch einen Audi-Sieg einfahren in diesem Jahr." Die Meisterschaft indes entscheidet sich bei den nächsten zwei Rennen in Adria (29.–31. Oktober 2010) und Shanghai (26.–28. November 2010) zwischen dem Kanadier Bruno Spengler (27 Jahre, 60 Punkte) und dem Schotten Paul di Resta (24 Jahre, 63 Punkte). Gary Paffett (29 Jahre, 49 Punkte) hat nur noch theoretische Chancen. Maximal 20 Zähler kann ein Fahrer noch erhalten. Sollte di Resta auch in Adria gewinnen, wäre er vorzeitig Champion, wenn Spengler nicht mindestens als Fünfter in Ziel käme. Der Kanadier kann aber noch aus eigener Kraft mit zwei Siegen den Titel holen, selbst wenn di Resta jeweils als Zweiter hinter ihm ins Ziel käme. Dann wäre Bruno Spengler mit einem Punkt Vorsprung Meister.
Scheider jedenfalls tippt auf di Resta als seinen Nachfolger. "Paul hat derzeit einfach einen Lauf. Bruno dagegen war bis zur Saisonmitte extrem stark, hat jetzt aber nachgelassen." Scheider weiß: "Wenn so eine Siegesserie zu Ende geht, verlierst du die Konzentration. Nichts läuft mehr richtig und ganz schnell ist die Führung dahin. Paul dagegen hat noch ein weiteres Ziel, für das er sich mit dem Titel empfehlen kann. Er will in die Formel 1. Und ich hoffe, er schafft das auch." Wobei Scheider nicht ganz uneigennützig denkt: "Dann wären wir ihn endlich los. Ich jedenfalls will mich nächstes Jahr nicht noch einmal mit ihm ärgern müssen."
 
 

Autor: Bianca Garloff

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