Ergebnisse Shell Eco-Marathon 2009

Shell Eco-Marathon 2009 Shell Eco-Marathon 2009

Die Ergebnisse des Shell Eco-Marathon 2009

— 11.05.2009

Internationale Allianz

Beim 25. Shell Eco-Marathon auf dem Lausitzring gab es (fast) nur Gewinner – der härteste Gegner beim Spritspar-Wettbewerb war wie immer die Technik. Den Titel holten sich die Vorjahressieger aus Frankreich.

Die Hamburger sind nervös: "Pingu II" hat bisher keinen Lauf durchgehalten, meist muckte die Maschine und ließ ihn vorzeitig auf der Piste verenden. Das ulkige Sparmobil mit dem kleinen Pinguin als Maskottchen steht nun aufgebockt im Zelt der Hochschule für angewandte Wissenschaften und den Gesichtern der umstehenden Studenten ist vor dem letzten Lauf  anzumerken: Es geht ums Ganze! Der "Pingu" tritt mit Brennstoffzelle beim Shell Eco-Marathon an und liegt damit offenbar auf der Höhe der Zeit – es fahren in diesem Jahr mehr Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb mit als je zuvor. 39 sind es insgesamt – gegenüber 112 konventionellen Verbrennungsmotoren. Am Ende schafffen es sechs Fahrzeuge mit H-Antrieb in die Top 10 Gesamtwertung.

Wasserstoff ist auf dem Vormarsch – beim Eco-Marathon

Bitte lächeln: Vor dem Start belagert ein Kamerateam den Renner der Münchener Hochschule für angewandte Wissenschaft.

Erst vor fünf Jahren nahmen erstmals Brennstoffzellen-Mobile – damals noch im südfranzösischen Nogaro – teil. Das Wachstum zeigt, dass die Technik inzwischen beherrschbar geworden ist, die Lücke zur Alltags-Anwendbarkeit fast gechlossen. Doch der Energieträger Wasserstoff hat eben auch seine Tücken: "Pingu" ist beim vorherigen Lauf wegen Dichtigkeitsproblemen nicht duch die Sicherheitsprüfung gekommen: 1 ppm (part per million) austretendes Gas haben die Kontrolleure gemessen. "Das ist keine Undichtigkeit, das ist ein Messfehler", meint Professor Hans-Dieter Stucke mit gequältem Lächeln. Protest ist zwecklos, und außerdem: Zu ernst sollte man die Sache nicht nehmen, wenn man beim Shell Eco-Marathon dabei ist.

Bizarre Party zwischen Disco und Drehbank

Goldige Stimmung: Für drei Tage tobte am Lausitzring eine bizarre Party zwischen Disco und Drehbank.

Vor der Haupttribüne des Eurospeedway Lausitz zwischen Berlin und Dresden ist für drei Tage ein riesiges buntes Zeltlager entstanden, Studenten von 200 Hochschulen aus halb Europa feiern Tag und Nacht eine bizarre Party zwischen Disco und Drehbank. Wer ein Problem hat bleibt nicht lange allein. "Das ist das Beste. Da kommt auf einmal jemand aus Indien, Holland oder sonstwoher vorbei und hilft einfach mit", sagt Prof Stucke. "Wir haben seit gestern zwei neue Überdruckventile – und wissen nicht, woher!" Irgendjemand hat immer ein Teil, was der andere gerade dringend benötigt im Werkzeugkasten. Die internationale Gemeinschaft – im Bastler-Lager am Lausitzring ist sie bereits Realität.

Jeder hilft jedem

So haben sich auch die Deutschen untereinander geholfen: Das Team von der Münchener Hochschule für angewandte Wissenschaften, dieses Jahr erstmals dabei, hat nach dem Zusammenbruch des eigenen Materials nun eine badische Brennstoffzelle an Bord. Beim Einbau halfen die Hamburger. Endlich steht der leuchtend rote Renner am Start und ein Kamerateam vom Bayerischen Rundfunk belagert die Lokalmatadoren. "Pingu II" kullert hinterher: Die Dichtigkeitsprüfung ist bestanden, der letzte Lauf kann beginnen. 48 km/h hat die Pilotin mit dem schwarz-weißen Dreirad bereits geschafft. Das muss sie auf den acht Runden auf dem Lausitzring natürlich nicht durchhalten. Ein Durchschnittstempo von 30 km/h ist vorgeschrieben, doch noch wichtiger ist der Verbrauch: Ein Liter Sprit (oder das Equivalent in Joule für die Elektrofahrzeuge) steht zur Verfügung – und von dem muss so wenig wie möglich durch die Leitungen gejagt werden.

Ein deutsches Team auf dem vierten Platz

Öko-Monster: Talentierte türkische Designstudenten haben dieses Fahrzeug in eine echte Kampfmaschine verwandelt.

Am Schluss siegt ein haushoher Favorit: Die französische Technische Oberschule Saint-Joseph La Joliverie aus Nantes schaffte – hochgerechnet – 3771 Kilometer mit einem Liter. Damit verteidigten die Franzosen ihren Vorjahrestitel, blieben allerdings hinter dem absoluten Rekord von 2005 zurück, den die ETH Zürich mit 3836 Kilometern aufgestellt hat. Doch auch die Deutschen können zufrieden sein. Auf dem vierten Platz landete die Fachhochschule Trier mit 3178 Kilometern, die ebenfalls auf Wasserstoff gesetzt hatte. Das Team der TU Chemnitz, im vergangenen Jahr mit "Fortis Saxoniae" noch grandios gescheitert, erreichte ebenfalls in nur einem gültigen Wertungslauf auf Wasserstoff-Basis einen grandiosen neunten Platz (2469 Kilometer). Ein Überraschungserfolg gelang dem Nicolaus August Otto Berufskolleg in Köln: Mit ihrem Propangas-Antrieb schafften sie es aus dem Stand ins Mittelfeld.

"Beim nächsten Mal wird alles anders"

Und auch "Pingu II" kam ins Ziel. Platz 18 mit nur einem gewerteten Lauf. Nicht schlecht, hieß es doch anfangs noch pessimistisch: "Wenn man sich hier umschaut, dann verfügen manche Teams über  Fräsanlagen und Hydraulikpressen – und wir sind hier mit einem abgebrochenen Schraubenzieher angerückt", so Prof Stucke. Sein Fazit: "Bei Pingu III wird alles anders." Diese Tage soll die Konstruktion beginnen. Klarer Fall: Auch beim Shell Eco-Marathon ist nach dem Rennen vor dem Rennen. Nächstes Jahr sehen sich alle wieder.

Mehr Impressionen und die Ergebnisse der deutschen Teilnehmer gibt es oben in der Bildergalerie!


1200 Ausgaben AUTO BILD! Holen Sie sich das Jubiläumsheft (Ausgabe 19/2009, vom 8. bis 14. Mai am Kiosk), und gewinnen Sie einen von 1200 tollen Preisen!

Autor: Roland Wildberg

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.