Drei Generationen Mercedes S-Klasse

Mercedes-Benz S-Klasse Mercedes-Benz S-Klasse

Die Geheimnisse der neuen S-Klasse

— 28.06.2005

Die Technik von morgen

Radar, Nachtsichtgerät, brillante Grafiken, jede Menge High-Tech – die neue S-Klasse hat die Zukunft schon an Bord. Und das Beste daran: Jeder begreift es auf Anhieb.

Die Schwaben zeigen, wie es richtig geht



Zuerst die beruhigende Nachricht für alle, die Traditionen lieben: Den Kombi-Hebel für Blinker und Scheibenwischer gibt es auch in der neuen S-Klasse. Der hat sich seit den frühen Sechzigern zwar nicht gerade bewährt, aber hartnäckig behauptet. Jetzt die schlechte: Das war es dann auch – fast alles andere zum Thema Bedienung hat Mercedes-Benz umgekrempelt, aufgeräumt und neu sortiert. Sie haben das gründlich getan, und das mußte wohl auch sein. Im neuen Auto gibt es derart viel Technik für Komfort, Kommunikation, Unterhaltung und Navigation, daß herkömmliche Bedienkonzepte mit ein paar Tasten und Schaltern schnell am Ende wären.

Das Ergebnis schwäbischer Gründlichkeit und umfassender Kundenbefragungen heißt zwar immer noch Comand, funktioniert aber ganz anders als beim Vorgänger. Zum Bedien-System gehören der Controller und zwei Acht-Zoll-Bildschirme im 16:9-Format. Zwei? Richtig – einer eigentlich wie bisher, nur weit oben auf dem Armaturenträger, der zweite direkt im Kombi-Instrument. Doch davon später mehr. Der Controller ist ein runder, dicker Knopf auf der Mittelkonsole, genügend Platz gibt es dort, weil der Schalthebel für die Automatik an die Lenksäule gewandert ist. Klingt alles sehr nach 7er-BMW und sieht auch ganz ähnlich aus.

Aber, liebe Bayern, bevor ihr euch vor Freude über die Nachahmer auf die Schenkel haut, solltet ihr weiterlesen. Denn die Schwaben zeigen, wie man es richtig macht. Das fängt mit der Lage des Controllers an. Die Hand ruht hier auf einer gepolsterten Auflage, schräg darunter liegt der Knopf. Sehr bequem. Die Ablage läßt sich öffnen, darunter funkeln wie in einem feinen Etui die Tasten fürs Telefon. Mit dem Drehknopf steuert man durch sämtliche Menüs, also zum Beispiel Radio, TV, CD, Navigationssystem oder Telefon. Drehen oder schieben heißt auswählen, drücken bestätigen.

Bremsassistent mit Nahbereichsradar



Es gibt aber auch – und hier läßt jetzt mal Audi grüßen – Direktwahltasten. Diese Tasten liegen vor dem Controller und rufen auf Knopfdruck sofort das gewünschte Menü auf. Das ist einer der Tricks bei Mercedes-Benz: Viele Funktionen lassen sich auf mehreren Wegen einstellen. Über den Controller – und auch hier gibt es häufig mehrere Möglichkeiten –, über die Direktwahltasten und zusätzlich wie bisher über die Druck-Tasten am Lenkrad. Denn die gibt es ja auch noch. Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Die Bildschirm-Grafik ist optisch schön und ausgesprochen detailreich – fotorealistisch nennt Mercedes das.

Vor allem aber ist die Menüführung logischer und klarer als bei BMW. Klar, Mercedes hatte ein paar Jahre Zeit, die Fehler der anderen zu beobachten. Genügend Zeit auch, neue Technik zu entwickeln und mal wieder klar zu machen, wer Chef in der Luxusklasse ist. Die neue S-Klasse ist weitaus schlauer als seine Fahrer, knapp ein Dutzend technischer Innovationen ist an Bord, manches serienmäßig, manches gegen Aufpreis.

Kleiner Auszug aus dem Katalog: Weiterentwickeltes PreSafe-System – droht ein Unfall, werden die Gurte gestrafft, die Fenster geschlossen und manches mehr geregelt. Superschlauer Bremsassistent mit Nahbereichsradar – erfaßt vorausfahrende Autos und warnt bei zu geringem Abstand oder zu schneller Annäherung. Der neue, ebenfalls radargestützte Abstandsregel-Tempomat Distronic Plus arbeitet jetzt zwischen Tempo null und 200 und hält auch im Stop-and-go-Verkehr den richtigen Abstand zum Vordermann. Raten Sie jetzt mal, wie sich der neue Park-Assistent orientiert. Genau – auch mit Radar, damit hat er eine größere Reichweite als bisher mit Ultraschall.

Das alte S-Modell wird fast zur Mittelklasse



Wem das immer noch nicht reicht: Es gibt auch eine Rückfahrkamera mit Hilfslinien zum Einparken. Clou des Ganzen ist aber der Nachtsicht-Assistent: Zwei Infrarot-Scheinwerfer beleuchten die Fahrbahn (etwa 150 Meter weit), eine Kamera auf der Innenseite der Frontscheibe nimmt das reflektierte Bild auf, das gestochen scharf auf dem farbigen Display direkt im Kombi-Instrument angezeigt wird. Womit wir beim zweiten Bildschirm sind: Der liegt in der Mitte des Instrumentes und zeigt im Normalfall den Tacho – nur der Drehzahlmesser und die Anzeigen für Tankinhalt und Kühltemperatur haben noch ganz gewöhnliche, mechanische Zeiger.

So etwas nimmt man ja gern zur Kenntnis im ansonsten sehr modernen und ausgesprochen edlen W221. Alles wirkt hier deutlich hochwertiger als bisher. Beim Wechsel von der neuen in die alte S-Klasse (W220) habe ich mich dort fast gefühlt wie in einem Mittelklasse-Auto. Und im inzwischen gern in der Ukraine und Kasachstan gefahrenen W140 wie in einem riesigen, aber angejahrten Taxi. So groß ist der W221 dann doch nicht, obwohl gegenüber dem geradezu schlanken Vorgänger deutlich gewachsen.

Länge 5,08 Meter (plus 3,3 Zentimeter), Breite 1,87 Meter (plus 1,6 cm), Höhe 1,47 Meter (plus 2,9 cm). Spürbar ist vor allem der um satte sieben Zentimeter vergrößerte Radstand, der Fond fühlt sich deutlich luftiger an als noch im keineswegs engen aktuellen Modell. Die neue S-Klasse startet im September 2005, zu Beginn gibt es den S 350 mit 272-PS-V6 und den S 500 mit 388-PS-V8. Im Frühjahr folgen dann der S 320 CDI mit 231 PS und der S 600 mit V12 und 517 PS.

Autor: Dirk Branke

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