Die neue Mercedes-Benz E-Klasse

Mercedes E-Klasse W211 Mercedes E-Klasse W211

Die neue Mercedes-Benz E-Klasse

— 14.02.2002

Die intelligente E-Klasse

Keine Angst: Denken kann auch dieser Mercedes noch nicht. Aber verflixt schlau reagieren. Voll gestopft mit Elektronik, steht die neue E-Klasse ab März 2002 zu (fast) alten Preisen beim Händler.

Technisch ganz weit vorn

Ein Antippen mit den Fingerspitzen, und die Tür klackt auf. Drinnen wiegt der Sitz vorsichtshalber den Beifahrer, weil der Airbag beim Crash je nach Passagier-Gewicht härter herausknallt. Überhaupt diese Spezialsitze. Fahre ich eine gepfefferte Linkskurve, dann blasen sich die rechten Sitzwangen zum Schraubstock auf. Meine Güte, ist das noch ein Auto? Oder schon ein Fahrcomputer mit dem Stern vorne drauf? Nein, ganz einfach: die neue E-Klasse von Mercedes. Sie soll ein beeindruckend intelligentes Auto geworden sein. Mehr als nur eine Nummer W 211, Nachfolger des seit 1995 gebauten Vier-Augen-Mercedes.

"In vielen Technikbereichen ein großer Sprung nach vorn", sagt stolz Pkw-Chef Jürgen Hubbert. Mercedes feiert den Einzug der Elektronik, wir üben Begriffe wie Speedtronic (Tempomat), Distronic(Abstandsradar), Linguatronic (Sprache regelt das Navi-System) oder Thermotronic. Chip, Chip, hurra. Vielleicht klingeln die Stuttgarter nur deshalb mit Worten, weil der Fortschritt so auffällig unauffällig verpackt ist.

Da steht die vertraute E-Klasse, wie mit feinem Bleistift korrigiert. Okay, die Augen schauen dynamischer, die Flanken straffer, das ganze Auto S-klassiger. Ein Mercedes, der exakt zwischen seine jugendlichen Modellbrüder passt. C, E und S - aber nun wirken die Stuttgarter Limousinen so einheitlich (oder verwechselbar) wie früher BMW. Zumindest im Format gab es ein zeitgemäßes Null-Wachstum: Bei gleicher Länge (4,82 Meter) streckte sich die Karosserie nur um einen Zentimeter in der Höhe und zwei in der Breite - und im Innenraum gar nicht. Aber beim Platz war die E-Klasse sowieso erstklassig.

Ungewohnt leichtes Design

Der Raum geht drauf für eine 18 Prozent steifere (also leisere) Karosserie, für reparaturfreundliche Crash-Module in Front und Heck sowie für modernste Unfall-Sicherheit. Die Mercedes-Forscher sind so weit, dass Zusatz-Sensoren vorn im Auto frühzeitig den Unfalltyp erkennen und die innere Sicherheit entsprechend reagiert. Adaptiv, das heißt je nach Schwere, blasen sich Frontairbags weicher oder härter auf, die Gurtstaffer ziehen unterschiedlich straff an.

Ob die meist älteren Käufer (Alters-Durchschnitt jetzt 54 Jahre) das neue Interieur ähnlich beurteilen, bleibt abzuwarten. Jedenfalls lüfteten die Designer den in die Jahre gekommenen Schrankwand-Stil und schufen ungewohnte Leichtigkeit. Die Klimaregler (aus dem SL) thronen nun über einer durchschwingenden Dekorleiste, die Bedientasten des serienmäßigen Radios im Lenkrad.

So ist Mercedes: Endlich gibt es die umlegbare Rückbank- und Beifahrerlehne für 2,90 Meter langes Gerät (die Mazda oder Volvo seit Jahren bieten), aber auch die hypermoderne Klimaanlage Thermotronic, die alle vier Sitze individuell belüftet - beides natürlich gegen Aufpreis.

Kleine Schritte zur Perfektion

Völlig serienmäßig fahren viele kleine Neuerungen mit: Motorhaube, vordere Kotflügel und Kofferraumdeckel aus leichtem Alu helfen ebenso, das Gewicht des Vorgängers zu halten, wie Leichtmetall an der Hinterachse. Aus dem neuen SL zieht die elektronische Bremse SBC in die E-Klasse ein, die bei Notbremsungen und Nässe mehr Sicherheit bietet. Die werden besonders Automatikfahrer schätzen. Denn im Stop und Stau der Stadt unterdrückt SBC das störende Anhalteruckeln - der E bremst wie ein Chauffeur mit Seidenpantoffeln.

Fest steht: Auf dem Niveau der E-Klasse ist der Fortschritt kein großer Sprung mehr, sondern bedeutet viele kleine Schrittchen zur Perfektion. So leistet der E 240 als (zunächst) kleinster Benziner sieben PS mehr (jetzt 177), ebenso die beiden Diesel dank höherer Einspritzdrücke. Zumindest auf dem Papier verbrauchen die Motoren sogar weniger - auch dank Sechsgang serienmäßig.

Ein kleiner Ausblick: Im Herbst folgen ein 320 CDI und als Einstiegs-Motor ein Benzin-Direkteinspritzer: der E 200 CDI mit 143 PS. AMG liefert wieder das Topmodell E 55 mit Kompressor und rund 450 PS. Im Frühjahr 2003, wenn das neue T-Modell startet, sollen der "Taxidiesel" E 200 CDI und ein E 400 CDI Premiere feiern. Ein E 430 ist derzeit nicht geplant.

Bessere Serienausstattung

Genügend Dampf also, um einen weiteren Fortschritt zu erfahren. Die E-Klasse soll nicht nur in Spitzentechnik und Design Trendsetter sein, sondern auch im Fahrspaß - wieder mit Hilfe elektronischer Heinzelmännchen. Die neue Luftfederung AIRmatic (noch so eine Chip-Vokabel) überwacht jeden Krümel zwischen Asphalt und Autofahrer, steuert erstmals Federung und Dämpfung gleichzeitig. Mal sehen, ob die Stuttgarter Wolke den 5er-BMW übertreffen kann, den Maßstab in puncto Fahrwerk. Serienmäßig steckt die AIRmatic (1856 Euro extra) erst im Topmodell E 500.

Aber E-Klasse-Kunden finden trotz besserer Serienausstattung wieder reichlich Gelegenheit, Geld loszuwerden. Entweder in drei Designlinien, vier Innen- oder 15 Außenfarben und in der nochmals gewachsenen Liste aufpreispflichtiger Leckereien. Der Multifunktionssitz, das war der, der sich in Linkskurven rechts aufbläst, kostet 550 Euro. Wenn die E-Klasse Mitte März beim Händler steht, soll zumindest der E 320, die meistgekaufte Variante, nicht mehr kosten als bisher: 43.500 Euro. Wie intelligent.

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