Die neuen Coupés

Alfa Romeo Brera Alfa Romeo Brera

Die neuen Coupés

— 04.04.2002

Schöne Aussichten

Auf der Suche nach neuen Nischen hat die Autoindustrie die Coupés wiederentdeckt. In den nächsten Jahren erlebt das Segment eine Renaissance. Ob Audi, BMW, Nissan oder VW - hier kommen die Appetithäppchen.

Das Comeback der Siebziger

Alles kommt einmal wieder. Die Disco-Welle der Siebziger mit Retorten-Bands à la Alcatraz, Schlaghosen und Schuhen mit Plateausohlen ist heute nicht nur bei den Teenies absolut angesagt. Die automobile Mode kennt ebenfalls wiederkehrende Zyklen. Nach den Roadstern der Neunziger erleben nun zu Beginn des dritten Jahrtausends die Coupés eine neue Blütezeit.

Volkswagen beispielsweise war mit dem Sportcoupé Scirocco Mitte der Siebziger sehr erfolgreich. Die zweite Auflage, und später der Corrado, konnten daran nie anknüpfen. Jetzt besinnen sich die Wolfsburger wieder alter Stärke. War das Bora Coupé 1996 mehr zaghafter Design-Versuchsballon, so durfte Tochter Skoda auf dem diesjährigen Genfer Salon zeigen, in welche Richtung der Konzern zu marschieren gedenkt.

Den Tschechen bleibt zwar die Umsetzung der Studie Tudor in die Serie verwehrt, dafür plant Mutter VW die Auflage eines Coupés. Auf der Plattform des nächsten Passat (Debüt 2004) könnte in rund zweieinhalb Jahren in der Gläsernen Manufaktur in Dresden ein Granturismo vom Band laufen, der, quasi als Ergänzung zum luxuriösen Phaeton, gegen Mercedes CLK und Co. antritt.

Als klassischer 2+2-Sitzer bietet er vier Passagieren großzügige Platzverhältnisse. Unter dem elektrisch zu öffnenden Kofferraumdeckel befindet sich ein üppiges Gepäckabteil von rund 460 Litern. Das relativ sportlich abgestimmte Fahrwerk muss auf eine Luftfederung verzichten, bietet aber für eine verwöhnte Klientel dennoch genügend Fahrkomfort. Antriebsschlupfregelung, ABS mit Bremsassistent und ESP gehören ebenso zur Serienausstattung wie sechs Airbags.

Standesgemäße Leistung selbstverständlich

Weil der neue Passat von Längs- auf Quermotoren umsteigt, bleibt vorerst nur der Einbau kompakter Sechszylinder, die bei etwa 180 PS beginnen. Alternative: Eine zusätzliche, verlängerte Plattform für den Längseinbau. Dann würde standesgemäß auch der 280 PS starke W8 Platz unter der Haube finden. Diese Probleme hat BMW mit dem brandneuen Sechser nicht. Als eigenständige Baureihe soll sich im Frühjahr 2003 zunächst das Coupé etablieren, ein Cabrio mit elektrohydraulischem Stoffdach folgt knapp ein Jahr später.

Angepeilte Konkurrenten sind Audi und natürlich Mercedes CLK. Dabei hat der Sechser von den Dimensionen her bereits das große CL Coupé der Schwaben im Visier. Abgeleitet von der künftigen Fünfer-Reihe, bietet das Coupé Technik vom Feinsten, also Alu-Komponenten an Fahrwerk und Karosserieteilen sowie eine abgespeckte und leichter bedienbare Version des umstrittenen iDrive aus dem Siebener. Die aktive Lenkung ASF greift bei Seitenwind und Vollbremsungen regulierend ein und hält das Auto in der Spur.

Das Design wirkt extrem bullig, die sehr flache Niere und üppige Kotflügelverbreiterungen machen aus dem Sechser im Gegensatz zum relativ glücklosen Vorgänger (Achter-Reihe) schon im Stand ein dynamisches Kraftpaket. Leistungsmäßig schöpfen die Bayern aus dem Vollen. Das Basismodell 630Ci wird vom bekannten Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum und 231 PS angetrieben, dürfte aber wegen höheren Leergewichts nicht so quicklebendig wie ein gleich motorisiertes Dreier Coupé unterwegs sein. Die beiden Achtzylinder 635Ci und 640Ci haben 272 und 333 PS. Letzte Leistungsstufe ist ein M6 mit komplett neu entwickeltem V10-Motor, der aus 5,5 Liter Hubraum satte 500 PS schöpft und damit den SL 55 AMG in den Schatten stellt.

"Projekt Rosemeyer" als Erkennungszeichen

Da kann selbst Audi nicht ganz mithalten. Die Ingolstädter konzentrieren sich beim A4 Coupé nun auf eine zweitürige statt der technisch aufwändigeren Viertürer-Version. Das schafft Kapazitäten für einen GT auf Basis des neuen A6, der Ende 2003 in den Handel kommt. Schon auf dem Genfer Salon 2004 könnte das Coupé dann Premiere feiern. Weil es die technologische Speerspitze der Baureihe darstellt, sind Alukarosserie und -fahrwerk nahezu Pflicht.

Den Gewichtsvorteil gegenüber der Konkurrenz dürfte der knapp 4,80 Meter lange Viersitzer in herausragende Manieren und Fahrleistungen umsetzen. Frontantrieb ist nur für die beiden Einstiegsversionen mit 2,7 und 3,0 Liter Hubraum vorgesehen. Avisierte Leistung: 180 und 240 PS. Die beiden Achtzylinder (4,2 l/300 PS) und S6 GT Biturbo (450 PS) gibt es nur mit Allradantrieb.

Beim Design der Frontpartie hat sich der neue Audi-Chef Dr. Martin Winterkorn noch nicht endgültig entschieden. Neben der im Bild gezeigten Variante mit geteiltem Kühlergrill gibt es im Haus eine Fraktion, die eine abgewandelte Version des mächtigen Kühlers von der Sportwagenstudie "Projekt Rosemeyer" als künftiges Erkennungszeichen der Marke favorisiert. Um mit dem BMW 6er mitzuhalten, ist innen ein neues Bedienkonzept geplant. Auf Wunsch gibt es eine Luftfederung, und die Bremsen arbeiten hier mit elektrohydraulischer Unterstützung.

Vier Türen für ein Coupé

Gegen das deutsche Quartett formiert sich eine starke ausländische Konkurrenz. DaimlerChrysler hat neben dem neuen Mercedes CLK (ab Mai 2002) mit dem Chrysler Crossfire ein zweites heißes Eisen im Feuer. Technisch basiert der Ami auf dem Mercedes SLK 320, hat also Heckantrieb und den 3,2-Liter-V6 mit 215 PS. Knappe Karosserieüberhänge und groß dimensionierte Räder bis 19 Zoll prägen den Auftritt. Ab Tempo 80 fährt am Heck automatisch ein Spoiler aus. Voraussichtliche Markteinführung: Frühjahr 2003.

Nissan kann auf eine lange Coupé-Tradition zurückblicken. Die Z-Baureihe ist seit 1969 - der 240 Z legte den Grundstein - das meistgebaute Sportwagenmodell weltweit. Im Sommer 2003 kommt der neue Z nach Deutschland. Die knackigen Proportionen des Zweitürers, Sechsganggetriebe und ein 3,5-Liter-V6 mit 280 PS dürften die Fangemeinde begeistern. In den Vereinigten Staaten kostet das Modell günstige 26.269 Dollar.

Rover verschiebt die Einführung des rassigen X80 von Sommer 2002 auf Frühjahr 2003. Außerdem gibt es auch beim Antrieb Änderungen. Statt bisher 385 PS leistet der aufgeladene 4,6-Liter-V8 von Ford "nur" 360 PS. Einstiegsmotor: wie geplant 260 PS.

Mazda kommt mit einem spektakulären Karosseriekonzept im Frühsommer 2003 auf den deutschen Markt: Der RX-8 ist das erste viertürige Coupé überhaupt, wobei die beiden schmalen hinteren Türen nicht an der B-Säule, sondern an der C-Säule angeschlagen sind. Als Antrieb für den Viersitzer dient ein komplett neu konstruierter Wankelmotor, der in zwei Leistungsstufen mit 192 und 231 PS angeboten wird. Der Hecktriebler hat eine ideale Gewichtsverteilung von 50:50.

Alfa Romeo Traumhaft schön ist die Coupé-Studie Brera von Guigiaro. Als Designvorlage für den Alfa GTV gehandelt, regt das 4,39 Meter lange V8-Coupé mit 400 PS nicht nur die Fantasie an.

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