Die neuen GTI

Die neuen GTI Die neuen GTI

Die neuen GTI

— 04.11.2003

Kurz und knackig

Drei moderne Interpretationen eines alten Themas: Peugeot, MG und Mini raufen auf der Rennstrecke um den Titel des besten Nachwuchs-GTI.

Deutlich stärker als der Ur-GTI

Erinnern Sie sich noch? Vor 27 Jahren rollte ein Auto auf den Markt, das Geschichte schrieb: 3,70 Meter kurz, 110 PS stark und 13.850 Mark teuer. Teuer? Ja, damals zumindest. Doch die Leute liebten es. Und kauften es trotzdem: 365.000-mal in sieben Jahren. Der Golf GTI wurde zum Inbegriff sportlicher Fahr- und Lebenskultur, verhalf seinen Besitzern zu Fahrspaß und Image, seinen Erbauern zu Ruhm und Umsatz. Obwohl die VW-Ingenieure ihrem Renner eigentlich nur ein Nischendasein zutrauten, schaffte das Auto genau das, wovon Marketing-Leute stets träumen. Es begründete eine neue Klasse: die der sportlichen Kompaktwagen. Die GTI-Klasse war geboren.

Heute kennt jeder dieses Kürzel. Autos, auf die es in des Wortes ursprünglicher Bedeutung passt, muss man jedoch mit der Lupe suchen. Hochsteife Karosserien, Rundumsorglos-Sicherheitspakete und üppige Ausstattungen erhöhten das Leistungsgewicht und reduzierten das Temperament eines 110-PS-Kompakten heutiger Prägung auf ein eher betuliches Niveau.

Doch es gibt sie immer noch: kleine Flitzer mit großem Herzen, bei denen ein PS deutlich weniger als zehn Kilo auf die Sprünge hilft. Sie heißen nur anders: MG ZR beispielsweise oder Mini Cooper S oder Peugeot 206+ RC. Und sie haben deutlich mehr Leistung als ein Ur-GTI, um die Pfunde des Fortschritts zu kompensieren: Die Bandbreite reicht von den 160 PS des MG über die 163 Mini-Pferde bis zu den 177 PS des Peugeot, ihr Leistungsgewicht variiert zwischen 7,6 Kilo pro PS beim Mini und 6,3 Kilo im Fall des Peugeot. In ihren Abmessungen dagegen entsprechen sie deutlich eher dem weiland 3,70 Meter kurzen Golf der ersten Generation als seinem soeben vorgestellten und stolze 4,20 Meter messenden Ururenkel.

Kerniges Bollern erfüllt den MG

Auch formal machen sie uns mehr an als der etwas charakterschwach und wenig peppig daherkommende Wolfsburger. Allen voran sorgt natürlich der Mini im knuffigen Kastenlook für Aufsehen, doch auch der MG mit seinen rennmäßig vergitterten Nüstern und der Peugeot mit dezenten stilistischen Anleihen aus der Rallyeszene versprühen durchaus sportiven Charme, den kleine und feine Details noch unterstützen: Neckisches Flügelwerk an der Dachkante, verhältnismäßig große und ansehnliche Aluräder sowie viel versprechende und teilweise sogar dekorative Auspuffblenden dokumentieren spätestens auf den zweiten Blick, dass es sich hier ganz eindeutig nicht um Muttis Einkaufsauto handelt.

Noch deutlicher wird das im Innenraum: Lediglich im Mini beleben Kunststoffblenden im Alulook die ansonsten nachtschwarze Grundstimmung, beim Peugeot muss man schon zweimal hinschauen, um die Grenze zwischen schwarzem Plastik und schwarzem Alcantara auszumachen – und im MG gemahnen einzig dunkelgrüne Farbtupfer an Armaturenbrett, Türen und Lenkrad an die glorreiche Vergangenheit britischer Raserei. Ansonsten ist auch hier alles schwarz, sogar die Pedale, die bei Peugeot und Mini immerhin noch Alu-mäßig erstrahlen.

Die Sitzposition ist in allen dreien tadellos. Wer gerne tief liegt, fühlt sich im Mini am wohlsten; wer sich in flott gefahrenen Kurven nicht am Lenkrad festhalten will, findet in den komfortablen Schalen des Peugeot den meisten Seitenhalt. Völlig unspektakulär sitzt es sich im MG, doch mit der Normalität ist es schnell vorbei, wenn der langhubige Doppelnocker unter der Haube seine Arbeit aufnimmt: Kerniges Bollern erfüllt den Innenraum und lässt eventuell aufkeimende Zweifel an wahrer Sportlichkeit sofort verfliegen. Den objektiven Beleg für die gefühlte Potenz liefert die Beschleunigungsmessung: Mit einem attestierten Messwert von 8,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h kann man getrost auf die Piste gehen.

Der Mini geizt mit wahrer Sportlichkeit

Noch schneller kommt der Mini in die Gänge: In 8,1 Sekunden rennt der kecke Kastenwagen auf Tempo 100, doch akustisch lässt er wahre Sportlichkeit vermissen. Das kleine Kompressortriebwerk hört sich an wie ein Elektromotor – und ähnlich linear beschleunigt es auch. Ganz anders wiederum geht der Peugeot zu Werke: Der Hubraum- und PS-Protz dieses Vergleichs schafft die gleiche Übung in 7,6 Sekunden, wirkt subjektiv noch spritziger, als er objektiv ist, und lässt die Konkurrenz in Sachen Drehfreude und Temperament ziemlich blass aussehen.

Doch Spritzigkeit ist nicht alles im Leben. Schließlich geht es nicht immer geradeaus, schon gar nicht im Motopark Oschersleben, wo die Rennzwerge ihre wahren Qualitäten unter Beweis stellen sollen. Und da wartet der MG mit einer netten Überraschung auf. Denn das konzeptionell älteste Auto im Vergleich – genau betrachtet, stand hier schließlich noch der vorletzte Honda Civic Pate – verblüfft mit einer ordentlichen Vorstellung. Dank der direkten Lenkung lässt er sich präzise um die Ecken zirkeln, wirkt nur auf den Geraden ein wenig nervös, überzeugt aber mit einem höchst neutralen Verhalten im Grenzbereich.

Dazu glänzt er mit belastbaren Bremsen und einer Rundenbestzeit, für die er sich nicht schämen muss: Mit 2.01,4 Minuten steht er dem für seine Fahrwerkqualitäten gerühmten Mini nur um einen Hauch nach. Dafür gibt es gewichtige Gründe: So ist der Mini äußerlich zwar der Kleinste, auf der Waage aber der Schwerste im Bunde. Und eine bessere Rundenzeit vermasselt er sich vor allem in den lang gezogenen Kehren, von denen es in Oschersleben gleich drei Stück gibt. Dort entwickelt die aufwändig geführte Hinterachse so viel Grip, dass der in England gefertigte Bayer bei beherzter Fahrweise in starkes Untersteuern verfällt und sich damit selbst einbremst. Noch enttäuschender: die Bremsen des bayerisch-britischen Retro-Renners, die schon nach wenigen Runden ein überraschend starkes Fading entwickelten.

Auf der Piste glänzt der Peugeot

Als deutlich sportlicher und belastbarer erwies sich da der 206 RC, an dem die Peugeot-Erfahrungen aus der Rallye-WM offenbar nicht ganz spurlos vorübergegangen sind. Auch der kleine Gallier neigt zwar zum Untersteuern, lässt sich aber bei Bedarf jederzeit per Lastwechsel zu einem gut kontrollierbaren Übersteuern veranlassen und kommt so flott um jede Ecke.

Seine Bremsen vermitteln dank exakt definiertem Druckpunkt ein gutes Gefühl – und das trügt auch nicht. Selbst nach zehn schnellen Runden lässt ihre Wirkung nicht gravierend nach. Kein Wunder, dass der Peugeot mit solchen Qualitäten, dem geringsten Gewicht und dem bissigen, spontan reagierenden Motor die Bestzeit für sich verbucht: Mit 1.58,5 Minuten lässt er die Konkurrenten ziemlich langsam aussehen.

In der Verbrauchswertung dagegen hat der MG die Nase vorn: Sein Testverbrauch von 9,2 Litern fällt im Vergleich zu den Werten der beiden anderen Kandidaten geradezu bescheiden aus. Vor allem der Mini entpuppt sich als arger Schluckspecht: 12,5 Liter Super pro 100 Kilometer sind eine Menge Futter auch in Anbetracht von 163 Pferden – hier lassen Kompressor einerseits und viele Kilos andererseits grüßen. Das ist für heutige Maßstäbe eindeutig zu viel, aber: Viel weniger brauchte ein Golf GTI des Jahrgangs 1976 zur Fütterung seiner 110 PS auch nicht, doch damals war der Liter Sprit ja auch noch für 80 Pfennig zu haben. Fast unvorstellbar, wenn man es mit den heutigen Preisen von 1,10 Euro vergleicht ...

Kosten und Ausstattung

Seitdem ist aber nicht nur der Sprit teurer geworden. Für die Nachfahren des guten alten GTI müssen wir rund 20.000 Euro auf den Händlertresen blättern – und damit etwa dreimal so viel, wie damals für den heutigen Klassiker fällig wurden. Doch dass sich der Spaßfaktor ebenfalls verdreifacht hat, können wir nicht unbedingt bestätigen.

Fazit und Technische Daten

Peugeot 206 RC Ein Rennzwerg erster Güte. Wer auf Geräusch- und Federungskomfort pfeift und einfach nur möglichst schnell um die Ecken brezeln will, ist hier bestens bedient. Optischer Nachteil: Er ähnelt stark seinen harmlosen Artgenossen, das Überholprestige tendiert gegen null.

Mini Cooper S Auf der Piste macht er nicht die beste Figur, im Alltag umso mehr: Neben der coolen Optik überzeugt er mit viel Komfort, guter Verarbeitung und einem Motor, der gut schiebt, ohne auf Dauer penetrant zu wirken. Störend allerdings: der unzeitgemäß hohe Verbrauch.

MG ZR 160 Auch wenn es sich nicht gerade um Englands blühendste Rose handelt – sein Mauerblümchendasein hat der Brite nicht verdient. Als Einziger ist er mit vier Türen zu haben, gibt sich genügsam im Verbrauch und kernig im Sound. Außerdem ist die Marke MG Kult für Anglophile.

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