Die neuen Stars aus Fernost

Die neuen Stars aus Fernost

— 09.01.2004

Showcars mit Signalwirkung

Der Mazda Ibuki zeigt, wie der neue MX-5 aussieht, der Honda HSC soll den NSX ablsen, und mit dem Scrambler fhrt Subaru auf einer ganz neuen Linie.

Honda HSC: Sportwagen auf Ferraris Spuren

Ob Ui Yoshio wohl glcklich war? Da stellt Hondas Chefdesigner ein silberglnzendes Geschoss auf die Rder, das ausnahmslos jedem Betrachter den Atem verschlgt. Kaum hfthoch (1,14 Meter), das Gesicht von Ansaugkanlen zerfurcht, ein Traum von einem Sportwagen der Honda Sports Concept, kurz HSC. Und dennoch murmelt jeder beim Staunen nur leise "Enzo" und sieht im Geiste den Ferrari vor sich. Die Welt ist doch unfair.

Mag ja sein, dass Ui Yoshio nicht gengend stilistische Distanz zum italienischen Supersportler gewahrt hat, doch in den prickelnden Linien des HSC steckt ganz unbersehbar eine Kampfansage gen Stuttgart und Modena. Die heit: Honda wird 2005 einen neuen NSX prsentieren, der Porsche Turbo und Ferrari Modena herausfordert und das mit aller Technik, Leistung und dem Selbstbewusstsein eines fnfmaligen Formel-1-Weltmeisters.

Die Japaner meinen es richtig ernst. Legen erst den Motor fest (voraussichtlich ein 3544 cm3 groer V6-Turbo mit knapp 400 PS), bauen drumherum den Sportwagen nicht mit grtmglicher Power, sondern so, dass der Mensch im Mittelpunkt die ganze Kraft jederzeit selbst kontrolliert, lenkt und stoppt. Schluss mit dem Elektronik-Exzess. "In heutigen Sportwagen gibt es sehr viele Sachen, die fr normale Menschen schwer zu verstehen sind", sagt Ui Yoshio. Klingt nach einer echten Fahrmaschine.

Mit 1,90 m fast so breit wie ein Modena

Und die fllt kleiner, strker und windschlpfiger aus als der erste NSX, der seit 1989 genau 17.665 Mal gebaut wurde (davon 396 fr Deutschland). Der HSC ist kaum lnger als ein Golf (4,25 Meter), aber mit 1,90 Metern fast so breit wie ein Modena. Wie beim NSX werden Rahmen und Anbauteile wieder gewichtsparend aus Alu bestehen, der Traum von noch leichteren Carbonteilen wird vermutlich vom Rotstift gestrichen. Der Preis soll unter dem eines vergleichbaren Porsche liegen, also bei rund 90.000 Euro.

Dafr werden Leder, Klima und Soundanlage serienmig an Bord mitfahren, geschaltet werden sechs Gnge automatisch oder mit Schaltwippen am Lenkrad. Ob die Heck- Kamera, die den Rckspiegel ersetzt, in Serie geht, steht nicht fest.

Ui Yoshio hat fr den HSC noch zwei Vorschlge in petto, die der Chefdesigner im stillen Kmmerlein hlt. "So wie der HSC jetzt dasteht, geht er bestimmt nicht in Produktion." Was schade wre. Wir wrden auch nie wieder "Enzo" denken. Versprochen.

Scrambler zeigt Subarus Zukunfts-Design

"Dass Subaru was taugt, das wei man ja. Ab sofort soll man die Qualitt aber auch von auen erkennen knnen", forderte vor gut zwei Jahren auf der Frankfurter IAA Kyoji Takinaka, damals frisch gebackener Vorstandschef.

Neue Prsidenten kehren gut! Und halten auch Wort. Der Legacy bekam bereits ein europisches ueres, und auf der Tokyo Motor Show im Oktober glnzte der Roadster B9 Scrambler, der im Mrz 2004 auch in Genf stehen wird. uerlich ist der Zweisitzer die Folge einer Personalie: Im April 2002 kaufte Takinaka den Stardesigner Andreas Zapatinas ein, der sich bei Fiat, BMW und Alfa Romeo bereits einen Namen gemacht hat. Mit leuchtenden Augen spricht der gebrtige Grieche von der Subaru-Zukunft und verrt, dass viele Designelemente des Scrambler knftig in die Serie einflieen werden.

Ob so viel frischer Wind den Scrambler eines Tages Wirklichkeit werden lsst? Immerhin hatte Subaru ja auch mal den Mut zu dem (heute sehr seltenen) Coup SVX. Da lcheln die Japaner hflich, da mag sich keiner festlegen.

Roadster mit verstellbarer Bodenfreiheit

Doch eine neue Form allein reicht natrlich nicht, wie wir uns in Tokio berzeugen konnten. Unters Blech des 4,20 Meter langen Scrambler packten die Techniker einen Boxermotor, der Antrieb erfolgt ber alle vier Rder. Das hat bei Subaru Tradition. Da Scrambler Kletterer oder Kraxler bedeutet, lsst sich auch die Bodenfreiheit verstellen. Doch noch ist der Roadster eine Studie.

Die allerlei Leckerbissen in sich birgt. So soll sich das Blechdach einmal aus dem Kofferraum herausfalten. Im Moment rauben Batterien den Platz, die den 140 PS starken Zweiliter mit einem 136-PS-Elektromotor untersttzen. Bis 80 km/h bernimmt er ganz allein den Vortrieb, das soll einmal unsere Stadtluft sauber halten. Schnellere Fahrt besorgt dann der Boxer, der nur beim Beschleunigen wiederum vom Elektromotor untersttzt wird. Sind die Batterien leer, so setzt ein 50-kW-Generator sie wieder frisch unter Strom.

Mit dieser Hybrid-Technik arbeitet ja bereits der Toyota Prius. Im Scrambler sollen die Metallhydrid-Speicher aber durch neuartige Mangan-Lithium-Batterien ersetzt werden. Die brauchen weniger Platz, knnten sogar unter die Motorhaube passen. Doch diese Kraftspender sind derzeit noch der Traum aller Entwickler. Hoffen wir also, dass Scrambler wenigstens mit herkmmlichem Antrieb gebaut wird. Frs Museum wre er viel zu schade.

Mazda Ibuki: Vorreiter des neuen MX-5

Der MX-5 ist ein Glcksfall fr Mazda. Der Roadster verkauft sich seit ber zehn Jahren weltweit wie von selbst, ist nicht nur in Japan lngst zum Kultauto avanciert. Und Mazda pflegt das Image. Im vergangenen Jahr haben sie einen Turbokit entwickelt, in Kleinserie (150 bis 250 Stck) drei Coup-Varianten aufgelegt und ein werkseitiges Aufbereitungsprogramm fr Fahrzeuge der ersten Serie (19891998) ins Leben gerufen.

Mit dem Ibuki erreichte die MX-Manie auf der Tokyo Motor Show einen neuen Hhepunkt. Der knuffige Zweisitzer mit der mattblauen Lackierung ist zwar nur ein Konzeptfahrzeug, doch jeder MX-5-Fan sprt, dass sich hinter dem 3640 mm kurzen Hingucker das fr 2005 avisierte Nachfolgemodell verbirgt. Der schottische Designchef Moray Callum hlt das fr keine schlechte Idee: "Diese Studie funktioniert als Bindeglied zwischen Vergangenheit und Zukunft. Sie ist auf den ersten Blick als Evolution des MX-5 zu erkennen."

Zu den Stilelementen, die vom Ur-MX-5 bernommen wurden, gehren der ovale Lufteinlass, die Grafik der Leuchteinheiten und die minimalistischen Proportionen. Vllig neu und modern ist dagegen das deutlich gerumigere Cockpit. "Die Mittelkonsole aus Aluminium funktioniert nicht nur als optische Klammer zwischen Interieur und Exterieur", erklrt Moray Callum. "Sie symbolisiert auch die doppelte Zentralrahmenkonstruktion, die eine berdurchschnittliche Verwindungsfestigkeit gewhrleistet." Heizung und Klimaanlage wurden hinter die Sitze verlegt das spart Platz und sorgt fr eine ausgeglichene Achslastverteilung.

MX-5 behlt sein manuelles Stoffverdeck

Der Ibuki basiert auf einer verkrzten RX-8-Plattform. Joe Bakaj, der bei Mazda die Entwicklungsabteilung leitet, fasst die Vorteile des Front-Mittelmotor-Konzepts zusammen: "Diese Technik reduziert das Giermoment um 15 Prozent, sie schrft das Einlenkverhalten, und sie verbessert die Beherrschbarkeit im Grenzbereich."

Fr die Serie nicht vorgesehen ist der im Ibuki eingebaute Hybridantrieb. Gute Chancen darf man dagegen dem 180 PS starken 1,6-Liter-Direkteinspritzer einrumen, der den Roadster in weniger als sieben Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen soll.

"Der MX-5 wird sein Segment nicht verlassen", verspricht Joe Bakaj. "Es bleibt auch in Zukunft beim Vierzylinder, beim klassischen Schaltgetriebe und beim manuellen Stoffverdeck." Womit klar ist, dass auch der nchste MX-5 ein preiswerter Roadster fr unter 25.000 Euro bleibt.

Weitere Neuheiten und Studien aus Japan allesamt vertreten auf der North American International Auto Show 2004 in Detroit haben wir in der Bildergalerie zusammengestellt: Mitsubishi Eclipse und Sport Truck, Mazda MX-Micro Sport, Nissan Pathfinder und Honda SUT. Mehr dazu gibt es bei "Abenteuer Auto" immer samstags um 17.05 Uhr auf Kabel 1.

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