Die Niki-Lauda-Kolumne

Schumi-Streit macht Lauda Sorge

Die Niki-Lauda-Kolumne

— 25.05.2005

Die Schumis machen mir Sorgen

Beinahekollision der deutschen Brüder nach der Zieleinfahrt in Monte Carlo. Neuer Höhepunkt im seit Jahren kritischen Familienduell. Mercedes hat plötzlich doch noch Titelchancen. Und sogar BMW macht wieder Spaß.

Silberner Schwung schwer zu bremsen

Herrschaften, jetzt wird alles gut. Wir haben spannende, aktionsgeladene Rennen und kriegen nun eine Super-WM serviert. Mein Dank dafür geht an McLaren-Mercedes, die momentan klar das schnellste Auto haben. Kimi Räikkönen hat einen Lauf, der das gesamte Team beflügelt. Und Montoya ist wieder im Kommen. Er wird Räikkönen noch wertvolle Dienste erweisen, indem er Fernando Alonso vom zweiten Platz fernhält und so Stück für Stück beim Abbau von dessen Vorsprung helfen wird. Für das aktuell führende Renault-Team ist das eine gefährliche Situation. Alonso wird noch ein paarmal gewinnen, aber den Schwung der Silberlinge wird seine Equipe nur schwer bremsen können.

Der Nürburgring gilt als McLaren-Mercedes-Paradekurs. Das größte Problem dabei: Uns stehen in den kommenden elf Wochen acht Rennen bevor. Außer Ferrari testen alle Teams, wenn sie fair bleiben, nur dann, wenn zwischen den Rennen zwei Wochen Pause liegen. Also dreimal. Bei diesem erbarmungslosen logistischen Stakkato an Einsätzen ist schon der bloße Rennbetrieb eine Extremanforderung, das technische Nachrüsten parallel dazu unheimlich schwierig.

Natürlich weniger für Ferrari. Dort kommt es nun darauf an, wie schnell sie ihre Probleme mit den Bridgestone-Reifen lösen. Mich beunruhigt dabei, wie lange diese Krise bereits anhält. Das geht mir – ehrlich gesagt – nicht ganz in den Kopf. Und Ferrari ist kein Team, das Krisen lange übersteht. Dazu ist der öffentliche Druck in Italien zu groß.

Michaels Angriff war durchaus gerechtfertigt

Mein Dank geht auch an BMW-Williams. Und dort besonders an Nick Heidfeld, der mit seinem zweiten Platz half, ein Podest deutscher Motorenhersteller zu komplettieren. Heidfeld fährt astreine Rennen. Diesmal schlug er Alonso mit einem blitzsauberen Überholmanöver in der Hafenschikane. Sein Teamkollege Mark Webber, den er ebenfalls bügelte, tat sich mit dem gleichen Ansinnen ungleich schwerer.

Webber kann einfach nicht so gut überholen und offenbart in nahezu jedem Rennen kleine Schwächen, die ihn Plätze und Punkte kosten. Diesmal verhaute er – im Gegensatz zu Heidfeld – den Start. Ich würde mir an Frank Williams' Stelle gut überlegen, ob ich Heidfeld nach Saisonende wieder an die Luft setze. Nur muß der kleine Nick in der Qualifikation ein bißchen zulegen. Dann wird er irgendwann Big Nick.

Mein Dank geht auch an Michael und Ralf Schumacher für ein hitziges Gefecht bis zur Ziellinie und darüber hinaus. Aber im Ernst: Michael attackierte Ralf noch auf dem Zielstrich. Der rechnete nicht damit und mußte überrascht ausweichen. Sonst hätte es geknallt. Danach sagte er: "Michael spinnt." Und: "Der hat sie nicht mehr alle." Eine Aussprache lehnte er mit dem Hinweis ab, es sei bei seinem Bruder sowieso sinnlos, über dessen Fehler zu reden. Starker Tobak.

Aber ich darf an dieser Stelle Einspruch erheben. Michael fehlten am Ende lächerliche 46 Tausendstelsekunden auf Ralfs Toyota. Da muß ich doch feststellen, daß der Angriff durchaus gerechtfertigt war. Oder glaubt Ralf, Michael klebt ihm mit der Nase im Getriebe und bedankt sich hinterher artig dafür, daß er so dicht auffahren durfte? Ein Rennen geht nun mal bis ins Ziel, nicht nur bis zur letzten Kurve. Bei Tempo 250 muß man selbst auf dem Zielstrich auf seine Nebenleute aufpassen.

Damit ist aber nicht Schluß. Die beiden Schumachers sind sich einfach nicht mehr grün. Ich denke, seit Michael Ralf 2001 auf dem Nürburgring an die Wand gedrückt hat. Jedenfalls ist für mich offensichtlich, daß es in der Familie nicht mehr stimmt. Ich hoffe, die Spannungen führen nicht irgendwann mal zu einem schlimmen Crash. Aber ich befürchte, daß die zwei das nicht in den Griff bekommen. Ihr Verhältnis ist und bleibt getrübt.

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