Die Niki-Lauda-Kolumne

Mercedes muß auf Kimi bauen Mercedes muß auf Kimi bauen

Die-Niki-Lauda-Kolumne

— 31.08.2005

Mercedes muß auf Kimi bauen

Für eine Traumhochzeit mit Michael Schumacher reicht dessen Zeit nicht mehr. Und wenn doch, würde die Ehe zum Alptraum. Deshalb rät Ex-Champion Lauda Mercedes strikt davon ab.

Entscheidung jetzt wäre Schwachsinn

Welch eine Aufregung – und wofür? Halten wir uns an die Fakten und lassen die Logik wirken: Michael Schumacher und Kimi Räikkönen haben gültige Verträge für 2006. Die werden sie beide erfüllen. Kimi bleibt 2006 bei McLaren-Mercedes und Schumi bei Ferrari.

Im nächsten Jahr werden sich dann alle Parteien auf 2007 ausrichten. Deshalb ist eine Personaldiskussion zum jetzigen Zeitpunkt – aus meiner Sicht – völlig überflüssig. Denn 2006 werden die Fahrer, wenn nach neuer Motorenregel nur noch Achtzylinder erlaubt sind, neu abwägen, wo sie 2007 die größten Erfolgs- und Verdienstmöglichkeiten sehen. Im Mai etwa geht dann das übliche Transfertheater los. Das wäre, nach meiner bescheidenen Erfahrung, das normale Prozedere. Sich jetzt schon festzulegen, wäre hingegen – Entschuldigung – totaler Schwachsinn.

Besonders aus Sicht von Michael Schumacher: Denn der wird sich mit bald 37 Jahren zunächst einmal grundsätzlich darüber klar werden müssen, ob er 2007 überhaupt weitermachen will. Das ist – wenn ich mal von mir ausgehe, obwohl ich bekanntlich recht eigenwillige Denkprozesse anstelle – noch gar nicht klar. Zum Weitermachen müßte er im Herbst – oder Spätherbst? – seiner Karriere noch richtige Lust am Rennfahren verspüren, volle Risikobereitschaft mitbringen, seinen ganzen Einsatz, der ihn als Teamleader ausmacht. Er müßte also ein hundertprozentig intaktes Verhältnis zu seinem Sport haben. Sonst macht es keinen Sinn.

Bleibt Ferrari als Team schlagkräftig, wozu eine deutliche Steigerung notwendig ist, dann wird er wohl einen neuen Vertrag mit den Italienern aushandeln. Und dann bleiben auch die anderen Schlüsselpersonen im Team. Für diese Verhandlungen mit Ferrari würde ich mir ein Angebot von McLaren-Mercedes besorgen. Denn mit einer Konkurrenz-Offerte in der Tasche kann man ganz andere Forderungen auf den Tisch legen.

Zeit zu knapp für Farbenwechsel

Soweit zunächst einmal das zu erwartende Szenario. Natürlich kann es passieren, daß Michael wegen eines Unfalls ins Grübeln gerät, das Risiko neu bewertet und deshalb Schluß macht. Oder daß die Scuderia auch 2006 hinterherfährt und sich personell dringend erneuern muß. Aber auch dann, denke ich, wird Michael seine Karriere bei Ferrari beenden. Er bleibt ein Siegfahrer und Ferrari treu, auch wenn ihm seine aktuellen Plazierungen schon sehr gegen den Strich gehen und er notfalls aus dem Mittelfeld in den Ruhestand abtritt.

Ein Wechsel zu McLaren-Mercedes macht aus meiner Sicht auch von der anderen Seite her keinen Sinn. Denn McLaren-Mercedes hat Kimi Räikkönen. Der ist ähnlich gut wie Schumi, kostet aber nur ungefähr die Hälfte bis ein Drittel von Michaels Salär und hat seine besten Jahre noch vor sich.

Michael hingegen ist am Zenit angelangt. Er hat höchstens noch zwei, drei Jahre vor sich. Und allein die würden verstrichen sein, bis er sich im neuen Team eingelebt und angepaßt hätte. Die Zeitspanne wäre für ihn zu kurz, um diesen totalen Farbenwechsel noch zu vollziehen.

Die Rechnung geht also nicht auf. Deshalb stehe ich in diesem Fall auf der Seite von McLaren-Boß Ron Dennis, der eine lange Zusammenarbeit mit seinen aktuellen Fahrern anstrebt. Er ist auch der Grund, der mich chemisch an der Verbindung zweifeln läßt. Dennis wie Schumacher dulden keine Könige neben sich. Beide beanspruchen die volle Kontrolle. Beide können sich nicht riechen. Liebe Freunde und Träumer, ich fürchte, Mercedes und Schumacher – das wird nichts.

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