Die Öko-Autos der NAIAS 2009 — 15.01.2009
Alles grün, oder was?
Wo sich einst die automobile Welt mit V8-Motoren und Pick-ups feierte, sollen nun Elektro- und Hybridautos den Weg in die Zukunft weisen. Beim Händler stehen die Saubermänner deshalb aber noch lange nicht.
Die Zukunft vorauszusehen, das ist so eine Sache. Wäre es nach den Auto-Visionären der 50er-Jahre gegangen, dann säßen wir heute in cool gestylten Schlitten mit Turbinenantrieb. Tun wir aber nicht. Unter den Motorhauben unserer Autos explodiert es nach wie vor. Und das wird auch noch eine ganze Weile so bleiben. Daran können auch die unzähligen Öko-Autos kaum etwas ändern, ohne die inzwischen keine
Automesse der Welt mehr auskommt. An Ideen mangelt es nicht. Dafür aber an der Umsetzung. Die
NAIAS 2009 ist dafür das beste Beispiel. Die Zukunft des Automobils ist fast auf jedem Messestand zu bewundern – Lösungen und Antworten auf die Fragen der Gegenwart sind aber noch rar.
Die grüne Gegenwart beginnt bei Chrysler erst 2012
Jeep will elektrisch in die Zukunft rollen. 2012 sollen die ersten Serienmodelle starten.
Von einem Aufbruch in eine neue Zeit sprechen vor allem die amerikanischen Autobauer. Bei Chrysler,
Jeep und
Dodge stehen ausnahmslos Elektroautos im Rampenlicht.
200C EV Concept heißt die bildschöne Elektro-Limousine, die die Chrysler-Jungs zur
NAIAS 2009 aus dem Hut gezaubert haben. Unterm Blech die neue
ENVI-Technik, bei der ein kleiner Verbrennungsmotor die Reichweite eines Elektroantriebs vervielfacht. ENVI ist vielseitig einsetzbar. Im
Jeep Wrangler zum Beispiel. Oder im
Jeep Patriot. Oder im
Chrysler Voyager. Klingt toll. Leider ist ENVI aber auch noch nicht reif für die Serie. 2012, so orakeln die Chrysler-Manager, sei man spätestens soweit. Woher die nötigen Akkus kommen sollen, weiß aber noch kein Mensch. Da ist man bei
Chevrolet schon weiter. Ein kleines Stück wenigstens. Der
Volt, ebenfalls angetrieben von einem Elektromotor, der auf längeren Strecken Saft von einem kleinen Benziner bekommt, soll 2010 in Serie starten. Die Technik sei fertig. Am passenden Werk baut man bei GM gerade. Wie cool die "Voltec" genannte Technik verpackt werden kann, zeigt die
Coupé-Studie Converj, die
Cadillac am Start hat. Serienfertigung? Sie ahnen es: 2012.
Toyota entwickelt die Hybrid-Technik souverän weiter
Smart und USA? Das geht prima. Klar, dass auch der Elektro-Smart ed mit nach Detroit durfte.
Auch bei
Ford hat man sich an die Hausaufgaben gemacht. Der
Mittelklasse-Hybrid Fusion soll den
Toyota Prius angreifen. Hier und heute. Der Startschuss bei den Ford-Händlern fällt unmittelbar nach der NAIAS 2009. Mehr Sorgen als über den
Ford Fusion macht man sich bei
Toyota aktuell über den Benzinpreis. Der ist in den USA derzeit im Keller – wie die Verkaufszahlen von Hybrid-Fahrzeugen. Am Nachschub mangelt es nicht. Die
dritte Prius-Generation ist fertig. Größer, stärker und sparsamer als der Vorgänger. Wer ein bisschen mehr Geld für Hybrid-Technik ausgeben kann, bekommt bei
Lexus in Zukunft den
HS 250h. Nebenbei haben die Japaner den neuen Winzling
iQ zum Elektroauto umgerüstet. Der
Toyota FT-EV kommt mit einer Akkuladung rund 80 Kilometer weit und hat garantiert eine Karriere als Serienmodell vor sich. 2012, oder so. Auch bei Hybrid-Pionier
Honda tut sich was.
Insight heißt der neue Hybrid, der noch 2009 auch in Europa an den Start gehen soll. Etwas kleiner als ein Prius – mit knapp 20.000 Euro aber auch kompatibel für Standard-Geldbeutel.
Die werden bei
Fisker nicht weit kommen. Die kalifornische Hybrid-Manufaktur des Dänen Henrik Fisker zeigt in Detroit die Serienversion des
Karma – eine rassige Sportlimousine für knapp 100.000 Dollar. Direkt daneben: das passende Cabrio. Wobei der
Karma S noch eine Studie ist.
BYD (Build Your Dreams) aus China leistet mit dem
e6 seinen Beitrag zur grünen Zukunft. Der Kompaktvan ist ein reines Elektroauto und soll, so BYD, mit einer Akkuladung 400 Kilometer weit kommen. Wir werden sehen. Deutlich glaubwürdiger ist da schon die
Mercedes-Studie BlueZero, mit der die Schwaben den Elektroantrieb salonfähig machen wollen – und gleichzeitig einen Ausblick auf die nächste
B-Klasse geben. Bereits einen Elektromotor unter der Haube hat der
Smart ed, der ebenfalls mit nach Detroit durfte und von dem bereits 100 Testfahrzeuge durch Berlin rollen. Ohne echtes
Öko-Auto ist
VW angereist. Die Wolfsburger zeigen dafür mit dem
Roadster-Konzept BlueSport, wie sparsam und sauber die neueste Diesel-Generation mit Harnstoff-Einspritzung ist. Der Roadster schafft, laut VW, einen Durchschnittsverbrauch von 4,3 Liter auf 100 Kilometer – bei einem CO
2-Ausstoß von 113 Gramm pro Kilometer. So kann die Zukunft kommen.