Die schnellsten Serienautos

Die wahren Tempomacher Die wahren Tempomacher

Die schnellsten Serienautos

— 17.07.2006

Klub der Gasgeber

Einige dürfen, andere nicht: Was steckt hinter dem freiwilligen 250-km/h-Limit vieler Hersteller? In der Fotogalerie: die schnellsten Typen dieser Tage.

Eine Initiative für die Sicherheit

Alles begann mit dem Audi 200 Turbo. Er kam 1979 in Deutschland am Markt und raste mit einer Höchstgeschwindigkeit von genau 203 km/h in die Herzen der Leistungsgesellschaft. Er schaffte das mit der aus dem Audi 100 bekannten Technik und einem aufgeladenen Fünfzylinder.

Heute leistet der stärkste Audi fast dreimal mehr, fährt aber trotzdem nicht viel schneller. Der 450 PS starke Audi S8 könnte zwar locker die 300er-Barriere knacken, wird vom Werk aber bei 250 km/h chipgesteuert eingebremst.

Grund dafür: die "freiwillige Selbstbeschränkung" auf Tempo 250, die auf eine Hersteller-Initiative Ende der Achtziger zurückgeht. Damit wollten die Unternehmen das Signal aussenden, daß sie sich trotz der Produktion sportlicher Autos ihrer Verantwortung für die Sicherheit im Straßenverkehr und für den nicht gänzlich maßlosen Umgang mit den Erdölreserven bewußt seien. Zudem besaß die Reifenindustrie kaum Erfahrungswerte darin, tonnenschwere Limousinen mit Pneus für Geschwindigkeiten von 300 km/h auszurüsten. Es gab auch keinen Grund: Welcher Viertürer schaffte das damals schon?

Die Reifenindustrie hat gelernt

Doch seither hat sich einiges geändert. Die Reifenindustrie hat längst Gummimischungen im Sortiment, die extremen Geschwindigkeiten standhalten – wie zum Beispiel den Conti SportContract Vmax, der bis 360 km/h freigegeben ist. Hinzu kommt: Die Autos werden immer stärker, die Topmodelle von Audi und BMW haben mittlerweile die 500-PS-Grenze überschritten, die sonst konservativen Schwaben mit dem Sternenlogo liegen gar bei 612 PS für die stärkste Limousine.

Die Sachlage wirft Fragen auf: Macht ein Tempolimit denn noch Sinn? Bei den großen Herstellern wie Audi, BMW und Mercedes steht man offiziell voll hinter der 250er-Vereinbarung, doch ganz will man sich von Konkurrenten wie Maserati, Bentley & Co (alle offen) nicht ausbremsen lassen – fast jeder hält sich ein Hintertürchen offen.

Bei Audi war es vor zwei Jahren der RS6 Plus, der plötzlich mit werksgenehmigten 280 km/h über die Autobahnen preschen durfte, um so als "Last Edition" den Schlußverkauf der Modellreihe anzukurbeln. Die aktuelle Modellpalette der Ingolstädter zeigt sich wieder zugeknöpft. Keiner darf schneller sein als Tempo 250, doch Audi-Sprecher Udo Rügheimer läßt hoffen: "Für die Käufer des neuen RS4 wird momentan eine Entriegelung geprüft."

BMW empfiehlt Fahrtechnikkurse

BMW offeriert diese Möglichkeit bereits für M5, M6 und Z4 M Coupé. Gegen Zahlung von 2350 Euro gibt's neben der Anhebung der Höchstgeschwindigkeit sogar einen Fahrerlehrgang inklusive. "Wir empfehlen diesen Lehrgang unseren Kunden", so M-GmbH Sprecher Friedbert Holz. "Allerdings können wir niemanden dazu zwingen." Die Entregelung bekommt man trotzdem: Der Z4 läuft dann 275 km/h, M5 und M6 dürfen sogar 305 km/h rennen – und damit einen Tick schneller als die Konkurrenz von AMG, die maximal 300 km/h erlaubt. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Friedbert Holz jedenfalls nicht: "Wir möchten nur sicherstellen, daß die Kunden eine Reifenklasse wählen müssen, die nicht genau bei 300 km/h endet, sondern Sicherheitsreserven bietet."

Der SLR McLaren schafft 334 km/h

In Affalterbach stört man sich daran weniger. Nach Zahlung von 2200 Euro wird beispielsweise der E 63 AMG seiner elektronischen Fesseln befreit und darf mit 300 Sachen die linke Spur nutzen, nur der SLK 55 AMG wird aufgrund seiner Aerodynamik bereits bei 280 km/h eingebremst. Daß selbst Supersportwagen nicht frei von Zwängen sind, beweist der CLK DTM AMG mit satten 582 PS: Sowohl Coupé als auch Cabriolet werden bei 320 km/h "abgeregelt" (viel mehr ist sowieso nicht drin), lediglich der SLR Mc Laren darf seine Höchstgeschwindigkeit von 334 km/h voll ausschöpfen.

Alternativ helfen auch Tuner High-Speed-Süchtigen. Das Problem: Sobald das Motorsteuergerät zwecks Vmax-Entregelung modifiziert wird, ist es mit der Hersteller-Garantie vorbei. Geschieht das Ganze ohne TÜV-Gutachten, kann sogar der Versicherungsschutz erlöschen. Seriöse Tuner weisen ihre Kunden darauf hin oder bieten Ersatzgarantien, von den anderen sollte man die Finger lassen: Denn wer bei 300 km/h ans Sparen denkt, der sollte vielleicht mal Bungee-Jumping ohne Seil probieren.

Autor: Phillip Tonne

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