Die Schule der Schrauber

Die Schule der Schrauber Die Schule der Schrauber

Die Schule der Schrauber

— 30.06.2006

Unsere Meisterklasse

Aus alt macht neu: Eine Klasse der Wilhelm-Maybach-Schule restaurierte mit viel Herzblut unser marodes Mercedes T-Modell. Jetzt wird das AUTO BILD-Schmuckstück für einen guten Zweck verlost!

Kaum ein Teil des 300 TD blieb unangetastet

Das soll unser Mercedes sein? Man mag kaum glauben, daß dieser glänzende Wagen noch vor wenigen Monaten ein rostiger Schrotthaufen war. Für Stammleser ist der 300 TD aus dem Baujahr 1988 ein alter Bekannter. Zur Erinnerung: Für einen Test trat er seinen Dienst bei AUTO BILD an. Wir wollten Plakettenschwindel bei der Hauptuntersuchungaufdecken. Der Diesel-Kombi war ein ideales Opfer. Mit einer ellenlangen Mängelliste, gegen den Dan Browns Bestseller "Sakrileg" wie ein Kurzroman wirkt.

Die Berufsschullehrer Friedemann Högerle und Rainer Meier von der Stuttgarter Wilhelm-Maybach-Schule konnten sich nach Testende trotzdem für den maroden Benz begeistern. Für sie war klar: Der Wagen muß nach Stuttgart, als Übungsobjekt für die Mechatroniker im ersten Lehrjahr. Eine Idee, die zu 100 Prozent aufging. "Wahnsinn, wie das Projekt mit dem AUTO BILD-Wagen die Schüler motivierte", schwärmt Högerle. "Die wollten mit der Arbeit gar nicht mehr aufhören, schraubten selbst die Pausen durch."

Das war auch bitter nötig. Denn es verging kaum ein Tag, an dem der Kombi die Schrauber-Lehrlinge nicht mit einer neuen Herausforderung überraschte. Egal ob Fahrwerk, Motor, Sitze, Elektrik oder Blech – kaum ein Teil des 300 TD blieb unangetastet. "Das Schiebedach brachte uns fast zur Verzweiflung", gesteht Techniklehrer Meier. "Erst mit Hilfe eines Schlachtfahrzeuges vom Mercedes-Gebrauchtteilezentrum bekamen wir die rostige und klemmende Luke in den Griff."

Arbeit und Teile für mehr als 30.000 Euro

Klar, daß bei diesem Projekt eine lange Liste an Ersatzteilen nötig war (siehe Ende der Seite). Und auch das lösten die Lehrer schwäbisch sparsam: Lehrlinge ortsansässiger Betriebe, zum Beispiel von AMG, Lorinser und dem Mercedes Autohaus Trautwein, sorgten für kräftiges Sponsoring durch ihre Arbeitgeber, hielten so die Kosten niedrig. "Einer unserer Schüler hatte den Auftrag, den Reparaturumfang zusammenzurechnen", so Friedemann Högerle. "Am Ende haben unsere Lehrlinge Teile und Arbeit zu einem Werkstattpreis von mehr als 30.000 Euro in den Mercedes-Benz gesteckt."

Ein Aufwand, den nicht einmal die treuesten Liebhaber des T-Modells treiben würden. Aber er hat sich gelohnt. Nicht nur, daß der betagte Benz jetzt wie eine kostbare Perle glänzt und dank Euro 2-Nachrüstung der Unterhalt für den nächsten Besitzer bezahlbar bleibt. "Von unseren Mercedes-Schraubern warfen nur zwei Schüler das Handtuch", erklärt Högerle. "Es gab schon Jahre, in denen bis zu zehn Schüler das Klassenziel nicht erreichten." Ein Ergebnis, das der Berufsschullehrer unter anderem der besonderen Motivation durch das AUTO BILD-/Wilhelm-Maybach-Schule-Projekt zuschreibt.

Eine Fortsetzung im nächsten Jahr wird es trotzdem nicht geben. Högerle: "Ehrlich gesagt, haben wir uns den Zustand des Wagens nicht ganz so grausam vorgestellt. Kollege Maier und ich verbrachten sehr viel Freizeit mit dem Schulprojekt. Nach der Verlosung des Mercedes stehen erst einmal wieder unsere Familien im Vordergrund." Bleibt uns als AUTO BILD nur eines: Danke für die tolle Arbeit an die Lehrlinge der Wilhelm-Maybach-Schule. Für uns seid ihr schon jetzt eine Meisterklasse.

Die Kosten für die Restaurierung im Überblick (ermittelt von den Lehrlingen der Wilhelm-Maybach-Schule)

So können Sie den Benz gewinnen



Das Mercedes T-Modell aus dem Wilhelm-Maybach-Schule-/AUTO BILD-Projekt wird für einen guten Zweck verlost. Das Geld geht ohne Abzüge an das Kinderheim Casa Aberta in Brasilien. Es lohnt sich: Mit frischem Lack, Oxi-Kat und DVD-Radio steht der Benz glänzend da.

Und so nehmen Sie teil: Den Lospreis von fünf Euro auf das Konto der Wilhelm-Maybach-Schule überweisen. Im Betreff-Feld Namen und Telefonnummer eintragen. Tip: Wer höhere Beträge überweist, nimmt automatisch mehrfach teil. Die Kontoverbindung lautet: VDF Wilhelm-Maybach-Schule, Konto-Nr. 509 300 006, BLZ 600 901 00, Stuttgarter Volksbank. Wir drücken die Daumen!

Sie wollen wissen, wie alles begann? Hier können Sie Artikel über unseren alten Benz herunterladen – kostenlos und im Original Layout! Einfach auf die jeweiligen Links klicken, dann können sie den gewünschten Artikel öffnen oder speichern

• Die Schule der Schrauber (Folge 1): Erste Begutachtung des 300 TD

• Die Schule der Schrauber (Folge 2): Der Dreck muß weg!

• Die Schule der Schrauber (Folge 3): Neues Blech für den Benz

• Hauptuntersuchungen im Test: Alles nur Plaketten-Schwindel?

Das sollten Sie über den W124 wissen

Schwachstellen (allgemein für 300 TD): Die Hardyscheibe am Getriebeausgang verschleißt und bekommt Risse. Nicht zu früh tauschen, oberflächliche Risse sind unbedenklich. Bei der Lenkung verschleißen Lenkgetriebe und Spurstangen. An der Hinterachse poröse Achslenkerbuchsen. Bei Benzinern erhöhter Nockenwellenverschleiß (bis Bj. 1992).

Technische Daten: Hubraum: 2996 cm³, Leistung: 109 PS, Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h • Unterhaltskosten 300 TD, 109 PS:Verbrauch: 7,9 l Diesel/100 km • Inspektion: 200 bis 500 Euro • Haftpflicht (21): 854 Euro • Teilkasko (24): 311 Euro • Vollkasko (19): 788 Euro • Kfz-Steuer (Euro 2, nachgerüstet): 482 Euro • Ersatzteilpreise:Lichtmaschine (AT): 335 Euro • Anlasser (AT): 561 Euro • Wasserpumpe (AT): 198 Euro • Zahnriemen: entfällt (Kette) • Endschalldämpfer: 211 Euro • Kotflügel vorn, lackiert: 537 Euro • Bremsscheiben und -klötze vorn: 215 Euro

Info Kfz-Mechatroniker Seit dem 1. August 2003 gibt es einen neuen Ausbildungsberuf: den Kfz-Mechatroniker. Er wurde geschaffen, weil sich bei der täglichen Werkstattarbeit mit modernen, elektronisch hochgerüsteten Autos Kfz-Mechanik und Kfz-Elektrik kaum noch trennen lassen. Im Mittelpunkt der Ausbildung stehen Diagnose-, Instandhaltungs-, Um- und Nachrüstarbeiten vor allem an Kraftfahrzeugen jüngeren Datums. Neu sind das Codieren von Steuergeräten und die Anpassung an verknüpfte Fahrzeugsysteme, die Kommunikation mit Kunden sowie der Umgang mit dem Internet zur Reparatur und Informationsrecherche. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Bei Bewerbern wird als Eingangsniveau ein guter Realschulabschluß oder ein sehr guter Hauptschulabschluß vorausgesetzt. Mehr Infos: www.autoberufe.de und www.kfzgewerbe.de.

Autor: Bernd Volkens

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