Die Sportwagen-Zukunft

Die Sportwagen-Zukunft

— 27.08.2004

Neue Dauerbrenner

Klasse statt Masse: Der kleine Kundenkreis der Supersportwagen-Kufer kann sich freuen, in naher Zukunft schieen die PS-Protze wie Pilze aus dem Boden. Von BMW Z10 bis Maserati MC 12 AUTOMOBIL TESTS zeigt sie alle.

BMW-Supersportwagen mit 600 PS

Bayerische Sportwagenfahrer haben es derzeit nicht leicht. Whrend die Konkurrenz lngst PS-gewaltige Straen-Renner anbietet oder zumindest mit Hochdruck daran arbeitet, gucken BMW-Kunden in Sachen Supersportwagen in die Rhre. Noch.

Denn zumindest inoffiziell stehen die Zeichen in Mnchen auf Vollgas. Auslser fr die eifrigen Spekulationen ist der komplett neuentwickelte V10-Saugmotor mit 500 PS, der die Hinterrder des neuen M5 antreibt. Klingt verlockend. Wenn nur die viel zu schwere Limousinen-Karosserie nicht wre.

Fans und Experten knnten sich das bayerische Kraftwerk eh viel besser in einem Supersportwagen vorstellen. Die Zutaten, sprich technischen Bauteile, htten die Bayern schon im Haus. Der neue Zehnzylinder liee sich, untersttzt von zwei Turboladern, auf gut 600 PS Leistung trimmen und wrde im zuknftigen Z10 als Mittelmotor direkt hinter Fahrer und Beifahrer untergebracht. Direktlenkung und Siebengang-SMG knnten ebenfalls aus dem bewhrten M5 importiert werden.

Der BMW Z10 soll 310 km/h schaffen

Weil die BMW-Entwickler nicht auf den strksten, wohl aber auf einen der schnellsten Sportwagen aus sind, wird die Spaceframe-Karosserie zum Groteil aus Aluminium, Kohlefaser und Magnesium bestehen. Nur so lt sich das angepeilte Gewicht von gut 1500 Kilogramm auch halten. Zieht man alle Zutaten ins Kalkl, kommt dabei eine Spitzengeschwindigkeit von 310 km/h heraus. Der Preis des SLR-Konkurrenten: 250.000 Euro. Mindestens. Unter radikalen Sparzwang mu sich allerdings noch niemand gesetzt fhlen. Vor 2007 drfte der BMW-Bolide nicht zu haben sein.

Den entgegengesetzten Weg schlgt Mercedes-Benz ein. Nach dem fr viele Fans zu luxuris geratenen 400.000-Euro-Gescho SLR entwickeln die Ingenieure derzeit einen kleinen Sportwagen, der preislich im Bereich um 150.000 Euro liegen soll. "Wir prfen die Mglichkeit fr ein weiteres Fahrzeug", erklrte unlngst McLaren-Chef Ron Dennis.

Der SLS (Codename P8) soll ein wendiger, agiler Sportwagen werden, nicht so schwerfllig wie sein groer Bruder. Anvisierte Gegner ab 2007: Ferrari 430 und Lamborghini Gallardo. Das Chassis wird ein Mix aus Alu, Magnesium und weiteren Hightech-Werkstoffen. Als Antrieb fr den Mittelmotor-Sportler sind ein 3,5-Liter-V6 und ein grerer V8 mit bis zu 700 PS im Gesprch. Auerdem laufen bereits Tests mit einem 4,5-Liter-V8-Biturbo und 500 PS.

Ford GT: in 3,3 Sekunden von 0 auf 100

hnlich positiv blickt man bei Audi in die PS-gewaltige Zukunft. Auf der Frankfurter Automobilausstellung (IAA) noch als Studie vorgestellt, drfte mit dem Le Mans Quattro schon Ende 2006 auch Audi-Chef Winterkorn ein neues Spielzeug in der Garage stehen haben. Der Sprinter mit den vier Ringen ist praktisch baugleich mit dem Lamborghini Gallardo. Das spart Zeit und Entwicklungskosten. Fr die Herren der Ringe geht es nur noch darum, wie stark der Audi werden soll, ohne dem Gallardo in die Parade zu fahren. Mit den angepeilten 610 PS wre man fein raus. Der Lambo hat nur 500 Pferdchen im Heck.

Mchtig qualmen lt es Ford. Seit Sommer luft die Produktion des GT, der den legendren GT 40 beerben soll. Die Chancen stehen bestens. Der Kompressor-V8 im Heck leistet 550 PS und stellt den Hinterrdern 678 Newtonmeter Drehmoment zur Verfgung. Den Sprint auf 100 km/h bringt der Ford in sensationellen 3,3 Sekunden hinter sich. Damit tut er, was auch schon seine Vorgnger getan haben: Ferrari schlagen. Ein 360 Modena braucht fr die gleiche Strecke ber eine Sekunde lnger.

Bestzeiten wrde man auch gerne bei Bugatti knacken, Allerdings wurde das 1001-PS-Projekt Veyron zunchst auf Ende 2005 verschoben und hinkt damit zwei Jahre hinter dem ursprnglichen Zeitplan hinterher. Bugatti-Chef Thomas Bscher hat derzeit mit "einer Unzahl von Kleinigkeiten" zu tun, die den ber-Sportwagen einbremsen. So fehlt beispielsweise eine adquate Benzinpumpe, die das 16-Zylinder-Kraftwerk mit gengend Kraftstoff versorgen kann. Auch ein bezahlbares Getriebe, das die 1500 Newtonmeter Drehmoment verkraftet, mu das Team um Bscher noch entwickeln. Interessenten knnen sich derweil ber die Zinsen freuen, die der eingesparte Kaufpreis von gut einer Million Euro in der Zwischenzeit abwirft.

Tuning-Projekt Apollo lockt mit 650 PS

Gnstiger einkaufen kann man hoffentlich ab Ende 2004 im ostthringischen Altenburg. Dort will Tuner MTM zusammen mit Zulieferer Nitec Engineering und der Uni Mnchen den Apollo bauen. Eine aggressiv gestylte Flunder, die technisch halten soll, was sie optisch verspricht.

Die Leistungsdaten klingen verlockend: bis zu 650 PS, 810 Newtonmeter Drehmoment, ber 360 km/h Spitze. Als Kraftquelle dienen von MTM getunte Audi-V8-Biturbo-Motoren. Der Preis: zwischen 115.000 und 175.000 Euro. Das Problem: Noch ist kein einziger Apollo gebaut, das Projekt existiert bislang ausschlielich am Computer.

Solche Sorgen mssen sich Porsche-Kunden nicht machen. Der neue 911 Turbo kommt. Lediglich der Zeitpunkt seiner Markteinfhrung ist mit Mitte 2006 noch grob umrissen. Klar ist, da der zwangsbeatmete 911er nher an den Supersportwagen Carrera GT heranrckt. Der Boxer wird 480 PS leisten und erstmals mit (DSG) zu haben sein.

Maserati MC 12 mit Enzo-V12-Motor

480 PS im Porsche Turbo? Das wird Dr. Ullrich Bez in England gar nicht gefallen. Der ehemalige Porsche-Mann leitet inzwischen die Geschicke der Traditionsmarke Aston Martin und will seinem ehemaligen Arbeitgeber Kunden abwerben. Dazu geht im Sommer 2005 der DB8 an den Start. Der kompakte Aston vertraut auf einen berarbeiteten V8-Motor von Jaguar, der gut 350 PS leisten wird. Spter soll eine Vantage-Version mit 450 PS den gehobenen 911ern Feuer unterm Hintern machen. Preislich drfte sich der Aston auf Porsche-Niveau bewegen, soda ihm eine exklusive Kundschaft sicher ist.

Geschockte Ferrari-Kunden, die keinen der 463 Enzo abbekommen haben, knnen sich ab Sommer 2005 bei Maserati den MC 12 bestellen. Unter der Haube des GT-Renners schlgt der Zwlfzylinder aus dem Enzo. Die erste Auflage des 630-PS-Boliden war bereits vor ihrer Produktion im Sommer 2004 ausverkauft.

Ein Einzelstck ist bislang die Fingerbung von Tony Parker, Professor an der Massey Universitt in Wellington, Neuseeland. Sein Hulme.F1Champion1967 erinnert an den neuseelndischen Formel-1-Weltmeister Dennis Hulme, der 1992 whrend eines Tourenwagenrennens an einem Herzinfarkt starb. Angetrieben wird die Mischung aus Formel-1-Renner und Ferrari Enzo von einem 450 PS starken BMW-V8, der direkt hinter Fahrer und Beifahrer eingebaut ist. Hoffnungen auf eine Serienfertigung macht sich Parker nicht. Noch nicht. Denn Fans aus aller Welt haben bereits reges Interesse an dem Flitzer von der anderen Seite der Ende bekundet.

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