Die Stars der Auto Shanghai 2009
— 16.04.2009
Das Tor zur heilen Auto-Welt
Während in Europa Auto-Messen um Aussteller und ums Überleben kämpfen, ist Shanghai auf Expansionskurs. autobild.de zeigt die Stars und Sternchen der Auto Shanghai 2009.
Automessen? Das waren mal Selbstläufer. Für Besucher, Journalisten und natürlich Veranstalter. Sich der Öffentlichkeit zu präsentieren, das wollte sich kein Autobauer entgehen lassen. Geld für aufwändige Messeauftritte war praktisch unbegrenzt vorhanden. Schnitt. Alles Schnee von gestern. Wenn heute die großen Messeveranstalter zum Stelldichein rufen, dann versammelt sich das, was von der heilen Auto-Welt noch übrig ist. Im Fall der Veranstaltungen in Bologna, Leipzig oder Tokio ist das nicht viel. Im Fall der
Shanghai Auto 2009 aber doch eine ganze Menge. Denn während die europäischen Messen ums Überleben kämpfen oder diesen Fight bereits verloren haben, protzen die Chinesen mit 20 Prozent mehr Ausstellungsfläche als 2007. Vergebener Ausstellungsfläche, versteht sich. Der Grund ist einfach: China ist einer der letzten Wachstumsmärkte. Praktisch alle großen Autobauer konnten das chinesische Jahr 2008 mit satten Umsatzzuwächsen abschließen. Da wundert es nicht, dass selbst
Ford, GM und
Chrysler für eine Reise nach Shanghai die letzten Dollar zusammengekratzt haben.
Lust am Luxus: Die deutschen Hersteller geben in China Vollgas
Hossa! MG lebt in China weiter und zeigt in Shanghai die flotte Stufenheck-Studie MG6.
Traditionell kommt man auf dem Weg nach China nicht an den deutschen Autobauern vorbei. Volkswagen, einer der Pioniere in der Volksrepublik, verkauft mit Segen der Partei eine bunte Mischung aus neuen, alten und uralten Modellen gleich über drei Gemeinschaftsunternehmen: FAW-Volkswagen, FAW-Audi und Shanghai Volkswagen. Die Messe-Neuheiten der Wolfsburger sind zwar noch unter Verschluss, aus den Reihen der FAW-Fraktion ist aber zu hören, dass zur Auto Shanghai ein Facelift des
VW Sagitar ansteht, der bei uns als
Jetta verkauft wird. Außerdem soll natürlich der
Golf VI zu seiner Asien-Premiere kommen. Deutlich exklusiver geht man bei
Porsche die Veranstaltung an. Die Schwaben feiern in Shanghai die Weltpremiere des
Panamera. Kein Auto für die chinesische Landbevölkerung – wohl aber für die netten Herren des Politbüros. Die sollen sich auch für den
BMW 760i interessieren – das neue Zwölfzylinder-Topmodell der
7er-Baureihe. Oder für die überarbeiteten S-Klasse-Topmodellen
S 63 AMG und S 65 AMG. Für bestimmte Kreise interessant ist auch der gepanzerter
X5 Security Plus, dessen Passagiere sich getrost mit Kalaschnikow-Gangstern anlegen können. Nichts für zarte Damenhände. Die sollen eher ins Lenkrad des neuen
Mini Cabrio greifen, das in Shanghai seine Asien-Premiere feiert.
Schlecht kopiert und nichts gewonnen: Ohne Plagiate geht es noch nicht
Schön war der alte Subaru Forester noch nie. Yema kopiert in trotzdem und nennt das Ergebnis SQJ6451.
Klingt verlockend. Ist es auch. Aber nur, wenn man sich im Dunstkreis der Europäer bewegt. Wo die einheimische, sprich chinesische, Automobilindustrie das Zepter schwingt, wird die Sache kompliziert. Und gerne auch skurril. Beispiel gefällig? Wie wäre es mit
Geely. Die Marke mit dem lustigen Namen hat sich in den vergangenen Jahren vor allem durch detailgetreue Kopien europäischer Modelle hervorgetan. Da ist 2009 Besserung in Sicht. Denn so schmucke Klein- und Kompaktwagen wie der GC515 oder der GX313 sind vielleicht nicht unbedingt hübsch – dafür aber zumindest auf den eigenen Zeichenbrettern entstanden. Und zudem überaus umweltfreundlich. Sagt
Geely. Kaum eines der neuen Modelle kommt ohne
Hybrid- oder
Elektro-Aufkleber aus. Ob allerdings auch drinsteckt, was draufsteht, weiß kein Mensch. Und so ganz geht es bei
Geely offensichtlich auch nicht ohne Kopiererei. Star des Shanghai-Ensembles ist der riesige
GE. Der soll besonders lusxuriös sein und sieht aus wie ein proportional mächtig verschobener
Rolls-Royce Phantom.
Zarte Design-Pflänzchen
Zum
Thema Plagiat kann auch der bislang unauffällige Autobauer Yema seinen Beitrag leisten. Ab Mai 2009 soll nämlich der SQJ6451 bei den Händlern stehen. Mit Allrad und 96-PS-Motor. Für umgerechnet 6500 Euro. Klingt fair. Wäre es auch. Wenn der Allradler nicht eine 1:1-Kopie des alten
Subaru Forester wäre. Nicht ganz so dreist, aber immer noch von europäischen Vorbildern inspiriert: die Neuen von Great Wall Motors. Alle im SUV-Stil. Und mit dem ein oder anderen Bauteil, das
Fiat- oder
Chevrolet-Fahrern bekannt vorkommen sollte. In Erinnerungen schwelgen werden Citroën-Fahrer beim Anblick des
Dongfeng Fengshen. Der schiebt zwar einen modernen Riesen-Kühler durch den Wind, ist aber technisch nicht mehr als ein solider
Citroën ZX. Dass es auch anders geht, zeigt Großkonzern
SAIC, der die Reste von Rover und
MG aufgekauft hat.
Rover heißt jetzt Roewe und wird in Shanghai den N1 an den Start bringen – eine kompakte und recht seriennahe Stufenheck-Studie, die mit dem MG6 parallel auch noch ein sportliches Brüderchen bekommen wird. Noch was? Ja. Der Changan e301. Ein sehr futuristischer kompakter Flügeltürer, der garantiert so nie gebaut werden wird – aber immerhin die heile Auto-Welt beschwört. Auf nach Asien!