Die Stars von Genf 2008, Teil 5

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Die Stars von Genf 2008, Teil 5

— 06.03.2008

Zahme Krawallmacher

Grob und oft dreckig, trotzdem sauber und formschön? Klingt irgendwie absurd. Ist es aber keineswegs. Auf dem 78. Genfer Salon präsentieren die Hersteller ihre Matsch- und Geröll-Fraktion mit harter Hülle und sanftem Gemüt.

Was 2007 noch milde belächelt wurde, ist auf dem 78. Genfer Salon zum jüngsten Trend im boomenden Allradsektor angewachsen: Das SUV-Coupé wird gesellschaftsfähig. Fast alle Neuheiten der Frühjahr-Saison 2008 folgen der neue weichen Welle – und zwar mit guten Chancen, einen Kundenkreis zu erobern. Bestes Beispiel ist der Volvo XC60. Hinter den Frontsitzen fällt sein Dach sanft nach hinten ab, statt harter Kanten zeigen die Rücklichter einen modischen Schwung, der vor Jahren an Geländewagen noch undenkbar schien. Die Leuchten rücken den Schweden in die Nähe seines lifestyligen Kompakt-Bruders. Tatsächlich sagte Volvo-Chef Fredrik Arp bei der Vorstellung des XC60: "Das ist ein Auto für die Aufsteiger vom C30." Vom SUV ist keine Rede mehr, Arp spricht in seiner Rede nur vom "Crossover".

Beeindruckende Blechburg

Klingt, als braucht die neue Auto-Spezies endlich einen neuen Namen. Auch technisch entfernt sich der Volvo immer mehr von seinen rauhen Wurzeln. Zwar gehören der permanente Allradantrieb und eine Bergabfahrhilfe zur Serienaustattung, doch eine Geländeuntersetzung fehlt ebenso wie sperrbare Differenziale. Der XC60, dessen Verkauf im Herbst 2008 zu Preisen ab 33.900 Euro startet, ist konsequent auf der Straße angekommen – dort, wo diese Autos auch eingesetzt werden. Deshalb kündigt Arp für 2009 einen XC60 mit reinem Frontantrieb und einem 163 PS starken Dieselmotor an. "Damit sinkt der CO2-Ausstoß auf 170 Gram je Kilometer", betont der Volvo-Boss. Nicht schlecht für ein 4,65 Meter langes Auto, aber vom Sparwunder ist sein "Crossover" noch weit entfernt. Die niedrigere Dachlinie lässt den XC zwar schrumpfen, doch er bleibt eine beeindruckende Blechburg. Von einem "Kompakt-SUV" zu sprechen, wie es einige Techniker tun, verbietet sich angesichts der Ausmaße noch immer.

Der Kuga bekommt in Genf mit seinem sparsamen 136-PS-Diesel und gelungenem Design positives Feedback. Ab 26.500 Euro ist er zu haben.

Kompakt erscheint schon eher der 4,44 Meter lange Ford Kuga, der ab Herbst nicht nur diejenigen Käufer ansprechen dürfte, die von langen Wartefristen auf ihren VW Tiguan die Nase voll haben. Der Ford wirkt mit seiner Coupé-Linie, der betonten Keilform und den katzenhaften Scheinwerfern wie der modischere Bruder des Tiguan. In der Preisliste stehen zunächst nur ein Motor (136-PS-Diesel), zehn Farben (darunter zwei Weißtöne) und wahlweise Front- sowie Allradantrieb ab 26.500 Euro. Zwar ist der Kofferraum mit maximal 1355 Liter kleiner als im VW (bis zu 1510 Liter), doch in Genf gab es viel beifälliges Nicken für den Kölner. "Wir glauben, dass er für die Marke viele neue Kunde erobern kann", so Ford-Boss John Fleming bei der Vorstellung. Auch der neue Renault Koleos verschreibt sich der weichen Linie. Es gibt wahlweise Front- und Allradantrieb sparsame 2,0-Liter-Diesel mit 150 und 173 PS sowie – noch eine Gemeinsamkeit der Neuheiten – die geteilt zu öffnende Heckklappe. Der Koleos, den Renaults Konzerntochter Samsung in Korea produziert, kommt im Herbst 2008 auf den Markt.

SUV vom anderen Stern

Vor der sanften Welle im 4x4-Segment erscheint der neue Mercedes GLK wie von einem anderen Stern: kantig, konturierte Kotflügel, klassisch steil im Heck. Ist der nun Außenseiter oder wieder formal voraus? Es steht fest, dass der Mercedes ein Verkaufserfolg wird, zumal Kunden und Händler lange auf einen BMW X3-Gegner mit dem Stern warten mussten. Und technisch zeigt die GLK Hybrid-Studie in Genf, wohin die Reise technisch geht: Die Allradler müssen Sprit sparen, der CO2-Ausstoß muss runter. 5,9 Liter verbraucht die Mercedes-Studie, das entspricht 157 Gramm CO2. Allerdings steckt im Genfer Showcar der neue 2,2-Liter-Diesel, der schon aus Kostengründen wohl nie mit einem Elektromotor kombiniert wird. Stattdessen verspricht Mercedes einen Hybriden mit kostengünstigerem Benzinmotor, der etwa 2011 in die C-Klasse einzieht. Es dauert noch einige Zeit , bis die neuen, kleinen SUV das Sparen lernen.

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Autor: Joachim Staat

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