Die Zubehör-Schatzkammer

Teile mit Weile Teile mit Weile

Die Zubehör-Schatzkammer

— 08.01.2003

Teile mit Weile

Unverkaufte Ware jahrzehntelang aufgehoben: "Auto Zubehör Emcke" in Hamburg-Altona ist ein Paradies für Oldie-Zubehör.

Unglaubliche Schatzkammer in HH-Altona

"Ich kenne da jemanden, der weiß von einem, der ..." Solche Sprüche sind mir zur Genüge bekannt. Meist folgen dann Berichte über skurrile Typen, die sich beim Nachhaken als Märchen von XY-chen und den sieben Windeiern entpuppen.

Mit mehr hatte ich auch nicht gerechnet, als ich von einem Tante-Emma-Laden hörte, in dem seit Ewigkeiten die Zeit stillstehen soll. Nur nicht mit Leckerschmeckern, Grünem-Apfel-Shampoo und Super-Luzil in den Resopal-Regalen. Sondern mit Autozubehör aus dieser verblichenen Ära. Und nicht in einem hinterwäldlerischen Kaff, sondern mitten in Hamburg, im Multi-Kulti-Stadtteil Altona.

Die Adresse stimmt: Königstraße 14, gleich hinter der sündigen Reeperbahn. Mittagspause. Zeit, durch das Schaufenster hindurch zu stöbern: völlig vergilbte Plakate und Packungen, dazwischen liebevoll drapierte Teile, die seit Auto-Generationen auf dankbare Abnehmer warten. Hella-Bremsleuchten für die Hutablage. Blinker vom VW 411. Simca-Radlauf-Chromleisten. Eine unglaubliche Schatzkammer.

Liebhaberstücke zu Liebhaberpreisen

Die Tür geht auf, der Reifenständer rollt heraus. Dahinter trottet "Tante Emma" auf das Trottoir: Lothar Wolfgang Emcke, von Stammkunden "Lo-Wo" genannt. AUTO BILD? Nee, nee, keine Publicity. Fernsehteams hat er auch schon weggejagt, Werbung brauche er nicht. Nur mal schauen? Bitte, gern.

Ich trete ein, sehe mich um. Da oben: Das sind doch diese Radkappen, die Käfer-Felgen zu Porsche-911-Rädern machten. Da drüben: Hängt da etwa eine jungfräuliche Reparaturanleitung für den Citroën ID 19? Dort hinten: Skai-Schonbezüge, Schiebedach-Windabweiser und Nachrüst-Gurte, die geduldig auf ihre Verwendung in NSU Ro 80, Ford Capri I und DAF 44 warten.

"Damals von Kunden bestellt, aber nie abgeholt worden", sagt der Museumsdirektor wider Willen – "aber irgendwann findet alles seinen Liebhaber." Zu den damaligen Preisen, versteht sich.

"Lo-Wo" hat Kunden aus der ganzen Welt

Ein chaotischer Messie ist Emcke indes nicht. In seinem 20-Quadratmeter-Mikrokosmos herrscht zwar keine preußische Ordnung, aber aus den überladenen Regalen, die von Wagenhebern gestützt werden, fischt er jeden Artikel zielgenau heraus: Vergaserdichtungen für den Rekord A, Zündkontakte für den Mercedes 180, Asbest-Bremsklötze für den Fiat 124 – der Mann weiß, was er hat und wo es liegt. Im Zweifel helfen Uralt-Unterlagen wie der Bosch-Katalog von 1965. "Vieles daraus ist noch bestellbar. Aber die großen Läden haben solche Listen längst entsorgt, können die Kunden nicht bedienen", weiß der 62-Jährige, der seit der Eröffnung vor 38 Jahren alles aufgehoben hat.

Und womit bestreitet er sein Alltagsgeschäft? "Mit ganz normalen Teilen, die es bei mir stets unter Listenpreis gibt. Meine treuen Stammkunden wissen das." Wobei die Hafennähe für eine teilweise exotische Klientel sorgt: "Seeleute aus der ganzen Welt, die beim Landgang shoppen gehen. Auf den Kapverden mitten im Atlantik fährt kein alter Benz ohne meine Ware", erzählt der Ex-Seefahrer stolz.

Es liegt wohl an meiner Begeisterung für seine kleine, heile Welt, dass Lo-Wo mir schließlich grünes Licht gibt: "Schreiben Sie ruhig Ihren Artikel. Hab ja eigentlich nix Besonderes zu verbergen." Aber umso mehr zu verkaufen, denke ich. Wird Zeit, dass ich mir selbst ein paar Stücke aussuche.

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