Die Zukunft der Kompaktklasse

Die Zukunft der Kompaktklasse

— 01.10.2004

Formel K

Die Hersteller haben ihr Herz fr die Kompakten wiederentdeckt. Der Golf und seine Konkurrenten bekommen krftig Zuwachs.

Hochdach-Golf startet im Februar 2005

Wenn ein Hersteller sogenannter Premium-Fahrzeuge pltzlich auch in der Kompaktklasse Geld verdienen will, werden nicht nur die etablierten Autobauer hellhrig. So geschehen beim Start von BMWs kompaktem 1er. Kaum ist der bayerische Golf-Jger auf der Strae, geht's richtig rund im Golf-Segment.

Im Mittelpunkt des Interesses: der Titelverteidiger. Wie reagiert Volkswagen auf die Herausforderung aus Bayern? Natrlich mit dem Golf. Besser gesagt mit dem, was man aus ihm machen kann. Immer wieder hei diskutiert ist dabei der sogenannte Golf Plus, der im Februar 2005 den traditionellen Kombi ersetzen soll. Seine konstruktive Basis ist der Seat Altea. Insgesamt soll der Golf Plus bei gleicher Lnge gut zehn Zentimeter hher ausfallen als ein Standard-Golf.

Um dem Touran nicht in die Parade zu fahren, wird sich der Hochdach-Golf allerdings mit einer festen hinteren Sitzbank und einer eingeschrnkten Motorenpalette begngen mssen. Der Turbo-Benzineinspritzer mit 200 PS bleibt ebenso tabu wie der 160-PS-Diesel. Auch in Sachen Kofferraum wird der Plus nur bedingt glnzen knnen.

Astra GTC als Sportler fr jedermann

Die Nase vorn hat in dieser Disziplin die Kombi-Version des nchsten Bora. Der Stufenheck-Golf ist als "Jetta" nach wie vor wichtig fr den amerikanischen Markt und soll im Juni 2005 runderneuert und mit eigenstndigem Design an den Start gehen. Der Kombi folgt dann einige Monate spter.

Noch lnger warten mssen die sportlichsten Golf-Kunden. Der Nachfolger des R32 ist zwar schon als Erlknig unterwegs, wird allerdings nicht vor Oktober 2005 zu den Hndlern kommen. Die Geduld drfte sich lohnen. Der ber-Golf verspricht mit seinem 3,2-Liter-V6 und zunchst 250 PS ein echter Straenfeger zu werden. Trotz des stolzen Preises von gut 33.000 Euro. In Sachen Leistung ist auerdem bis 2006 ein krftiger Nachschlag zu erwarten.

Auf Sportfahrer hat es auch Opel mit dem Astra GTC abgesehen. Der kompakte Gran Turismo ist 4,7 Zentimeter flacher als ein Standard-Astra, hat nur drei Tren und liegt 1,5 Zentimeter tiefer auf der Strae. Anders als der Golf GTI drfte der GTC allerdings auch weniger solvente Kundschaft in seinen Bann ziehen.

Stauraum-Riese Skoda Octavia Combi

Der flache Rsselsheimer wird ab Frhjahr 2005 nmlich mit allen Motoren erhltlich sein, die das Astra-Arsenal hergibt. So stehen neben dem 200 PS starken Top-Benziner auch ein 80-PS-Vierzylinder und vier sparsame Dieselmotoren zur Verfgung. Dazu kommt das bewhrte und verstellbare IDS Plus-Fahrwerk. Neu ist eine groe Panorama-Frontscheibe, die gegen Aufpreis weit ins Fahrzeugdach hineinreicht. Allen Umbauarbeiten zum Trotz verspricht Opel fr den GTC einen hnlich hohen Nutzwert wie im Fnftrer. So bleibt das Kofferraumvolumen mit 380 Litern unverndert, auf der Rckbank sollen zwei Erwachsene bequem unterzubringen sein.

Mchtig viel Auto frs Geld verspricht Skoda mit dem nchsten Octavia Combi. Nach seiner Premiere auf dem Pariser Autosalon steht der tschechische Familienlaster ab dem 15. Januar 2005 bei den Hndlern. Gut 1200 Euro Aufpreis wird man fr den Combi im Vergleich zum Flieheck bezahlen mssen. Unterm Strich sollte dabei ein Basispreis von 15.600 Euro herauskommen.

Dafr bekommt man, wie bisher auch, 102 PS, die solide Bodengruppe des aktuellen Golf und bis zu 1620 Liter Stauraum. Das sind stolze 108 Liter mehr, als im Vorgnger mit auf die Reise konnten. Verwunderlich ist das nicht, immerhin hat der neue Combi in der Lnge um 7,2 Zentimeter zugelegt. Leider sind die beiden Turbodiesel (105 und 140 PS) nach wie vor nicht mit einem Rupartikelfilter zu haben.

Citron C4 macht sich schick fr den Golf

Einen Schritt weiter ist da Citron. Wenn Ende 2004 der Xsara-Nachfolger C4 an den Start geht, sind zumindest die beiden strksten Dieselmotoren (109 und 136 PS) per Partikelfilter von Dieselru befreit. Und wer so gar nicht auf Diesel-Power steht, findet unter den fnf Benzinmotoren (88 bis 177 PS) bestimmt die passende Alternative.

Auch optisch mu man sich mit seinem kompakten Citron knftig nicht mehr in der hintersten Ecke des Parkplatzes verstecken. Der neue Golf-Gegner wirkt so knackig wie ein Baguette frisch aus dem Ofen. Der Citron-Doppelwinkel prangt in Zukunft dominant zwischen den geschwungenen Scheinwerfern.

Hinzu kommen Spielereien wie ein im Cockpit integrierter Duftspender. Sportliche Fahrer ansprechen soll ein kantiges Coup, das parallel zum rundlichen Fnftrer an den Start geht. Auf den Kombi mssen frankophile Familien noch einige Monate lnger warten. Mit der gerumigen Version des C4 ist erst Mitte 2005 zu rechnen.

Krftige Prise Sportlichkeit fr den Seat Leon

Nicht gerade unattraktiv ist auch das, was Seat mit dem Leon vorhat. Nach langen Jahren der inhaltlichen und technischen Konfusion hat Seat mit Audi nun endlich den passenden Kooperations-Partner gefunden.

Qualittsprodukte statt Billigautos stehen auf dem Rezept, das die Ingolstdter ihrem Junior-Partner verordnet haben. Das Ganze gewrzt mit einer krftigen Prise Sportlichkeit. Unter der Schirmherrschaft von Audi-Designchef Walter de Silva ist so die "linea dinmica" entstanden. Eine ausgeprgt sportliche Formensprache, die nach dem Altea und dem Toledo ab Mitte 2005 auch den neuen Leon prgen soll.

Der Fnftrer vertraut auch weiterhin auf die bewhrten Golf-Gene, darf aber optisch wie technisch noch sportlicher werden. So wird neben dem Doppelkupplungsgetriebe DSG auch ein Zweiliter-Diesel mit 160 PS und 350 Newtonmeter Drehmoment Einzug in den Leon halten. Allrad-Antrieb oder Sechszylinder-Motoren mssen sich die Anhnger der spanischen Flitzer allerdings knftig abschminken. Derlei technische Highlights bleiben ausnahmslos Audi vorbehalten.

Dezente Auffrischung des Alfa 147-Looks

Auf der Suche nach mehr Eleganz ist Alfa Romeo. Die Italiener schicken den berarbeiteten Alfa 147 ins Rennen. Der kompakte Italiener bekommt neue Scheinwerfer, weniger Kanten und einen vernderten Khlergrill. Unter dem zeitlosen Look bleibt alles beim alten. Benzinmotoren von 105 bis 150 PS, durchzugsstarke Diesel-Triebwerke von 100 bis 140 PS.

Der erste Gang zum Schnheitschirurgen steht auch dem Peugeot 307 ins Haus. Der franzsische Golf-Konkurrent wird ab Frhjahr 2005 optisch auf die neue Lwen-Linie getrimmt und bekommt neben neuen Scheinwerfern auch den XXL-Lufteinla verpat, den der 407 hoffhig gemacht hat.

Zustzlich kommen zwei neue Benzinmotoren (1,4 und 1,6 Liter) ins Programm, die Peugeot zusammen mit BMW entwickelt hat. Um nicht aus dem Rahmen des kostensparenden Konzern-Baukastenprinzips zu fallen (Peugeot und Citron gehren zusammen), bernimmt der 307 die Elektronikplattform des neuen Citron C4.

Neue Gre: der Vision B von Mercedes-Benz

Als htte es nie eine umkippende A-Klasse gegeben, ist Mercedes-Benz aktuell mit Feuereifer dabei, das Angebot in der Kompaktklasse auszubauen. Auf dem Pariser Autosalon zeigten die Schwaben erstmals die Studie Vision B. Erlknig-Fotografen kennen den groen Kompaktvan auch unter der Bezeichnung "Compact Sports Tourer" (CST), die allerdings der traditionellen Mercedes-Nomenklatur zum Opfer fllt.

Der sportliche Reisewagen wird ab Mai 2005 unter dem Namen B-Klasse Seite an Seite mit der A-Klasse bei den Hndlern stehen. Groe berraschungen darf man indes nicht erwarten. Im Vergleich zum Teilespender A-Klasse bietet die B-Klasse vor allem eines: mehr Platz. Alleine beim Radstand legt die B- im Vergleich zur A-Klasse um 21,2 Zentimeter zu. Bei der Gesamtlnge sind es gar 43,2 Zentimeter. Der Platz fr die fnf Passagiere (es wird keine dritte Sitzreihe geben) fllt dementsprechend ppig aus. Legt man die Rcksitze um oder baut sie gar aus, vergrert sich das Kofferraumvolumen stufenweise auf bis zu 1475 Liter. Zum Vergleich: In der A-Klasse knnen nur 1370 Liter mit auf groe Fahrt. Damit bietet die B-Klasse ihren Passagieren auf der Grundflche eines Kompakten soviel Platz wie ein Mittelklasse-Auto.

Bekannte Gren finden sich unter der steilen Motorhaube. Auer dem 1,6-Liter-Diesel sind alle Motoren der A-Klasse auch fr die B-Klasse erhltlich. Wichtig fr den amerikanischen Markt ist dabei vor allem der 193 PS starke Zweiliter-Turbo. Soviel Platz und Leistung haben ihren Preis. Die nicht gerade bescheidene Aufpreispolitik der Schwaben langt auch bei der B-Klasse krftig hin. Annehmlichkeiten wie beheizte Waschdsen sowie ein lngs verstellbares Lenkrad mssen ebenso extra bezahlt werden wie Kopf- und Seitenairbags fr die hinteren Pltze. Insgesamt mu, wer den Aufstieg von der A- in die B-Klasse schaffen will, mit 1500 bis 2000 Euro Zuschlag rechnen. Unterm Strich drfte das Basis-Modell B 150 gut 20.500 Euro kosten, der B 200 CDI wird nicht unter 26.500 Euro zu haben sein.

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