Die Zukunft von Lotus: Vorschau

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Die Zukunft von Lotus: Vorschau

— 26.11.2010

Wunderschöne Lotusblüten

Mit fünf brandneuen Sportwagen soll Lotus zum Ferrari-Konkurrenten aufblühen. AUTO BILD konnte Elise, Elan, Elite, Esprit und Eterne schon einmal exklusiv auf der firmeneigenen Teststrecke begutachten.

Der Mann hat Nerven. Kaum mehr als ein Jahr ist es her, da residierte er noch in Maranello und verkaufte Ferrari. 36 Jahre jung und schon Direktor für Vertrieb und Marketing bei der berühmtesten Sportwagenmarke der Welt. Und nun? Nun sitzt er in Hethel, einem Flecken im platten Osten Englands. Die Gegend ist berühmt für ihre Truthahnzüchter. Nur Kenner wissen: Sie ist auch Heimat von Lotus, einst Held der Formel 1, dann vom Schicksal gebeutelt. Natürlich sei das ein Kulturschock, gesteht Dany Bahar. Der zierliche Schweizer arbeitet in einem halbrunden Büro. Unten vor dem Fenster parkt sein frisch restaurierter Lotus Esprit von 2003, Bilder erinnern an den legendären Lotus-Vater Colin Chapman ("Wer nicht gewinnt, hat es nicht richtig versucht").

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Wer an Lotus denkt, hat oft sie im Kopf: die Elise. 2015 kommt die Neuauflage.

Was treibt einen wie ihn ans Steuer einer Automarke, die seit Jahren am Rand des Abgrunds herumkurvt? "Die Chance, von null anzufangen, Geschichte zu schreiben", sagt Bahar, "fünf neue Autos in fünf Jahren auf die Räder zu stellen, Lotus so stark zu machen, wie es die Marke verdient." Genau – und morgen wird der Papst Mohammedaner. Aber nein, Bahar redet nicht wie ein Spinner. Ruhig, ganz der nüchterne Stratege, rollt er die Zukunft auf: Umgerechnet knapp 900 Millionen Euro seien im Topf, garantiert von der malaysischen Lotus-Mutter Proton. Um das nötige Kleingeld mache er sich keinerlei Sorgen. Um die technischen Expertisen auch nicht. Da sei die Firma ja wohl über jeden Zweifel erhaben, zumal sie sich in Antriebsfragen auf eine gut funktionierende Kooperation mit Toyota verlassen könne. Der knappe Zeitrahmen? "Die fünf Modelle sind eng verwandt mit vielen Gleichteilen, das vereinfacht die Sache. Und ...", cool zieht Bahar seine Trumpfkarte, "... wir sind wie Real Madrid, wir holen uns die besten Spieler."

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Noch nicht mehr als eine Absichtserklärung: der viersitzige Eterne für 2015.

24 Stars haben bereits unterzeichnet, Experten für Produktion, Technik, und Vertrieb, Leute, die Bahar aus gehobenen Positionen bei AMG, Aston Martin, Ferrari und Porsche herauslöste. Donato Coco, vormals Chefdesigner von Ferrari, entwarf für Lotus in nur neun Monaten eine ganze Modellpalette; Wolf Zimmermann, Mercedes-SLS-Macher und bis vor kurzem noch Technikvorstand bei AMG, ist für ihre Entwicklung verantwortlich. "Sie alle wissen, wie es geht, weil sie es schon mal gemacht haben", kommentiert Bahar seine Fischzüge, wobei Geld keineswegs der Köder gewesen sei. "Wir wollen Lotus auf Augenhöhe mit Ferrari oder Porsche bringen, wie zu Zeiten des früheren Esprit. Nur diesmal in Topqualität und alltagstauglich." Und was wird Lotus haben, was andere nicht haben? "Den Charakter, das Augenzwinkern – nicht perfekt, aber clever, sehr schnell, aber sparsam. Und außerdem 20 bis 30 Prozent günstiger als die anderen." Der Mann will wirklich die Roten jagen ...

Welche Sportwagen Lotus bis 2015 auf die Straße bringt, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Neue Modelle, neue Gebäude, neue Teststrecke, Einsatz im Motorsport auf allen Ebenen – kann das gut gehen? Wie oft schon wurde uns die wundersame Heilung kranker Autoproduzenten versprochen? Gerade in England. Geklappt hat es selten. Und wenn, dann meist nicht dauerhaft und krisensicher. Dennoch: Nach meinen Gesprächen mit der neuen Lotus-Führung beschleicht mich das Gefühl, dass dieses Wunder vielleicht gar keines ist. Dass hier womöglich alles ganz rational abläuft. 7000 Autos pro Jahr könnte Lotus ab 2015 an den Mann bringen, glaubt Dany Bahar. Er verlässt sich dabei auf unabhängige Marktuntersuchungen. Weil die Modellpalette sehr breit gefächert ist, zu Preisen zwischen 39.000 und 138.000 Euro. Aber schon bei nur 4000 Stück sei das Unternehmen rentabel. Und nur 20 Prozent der Komponenten will er selbst herstellen, der Rest wird zugekauft. Klingt vernünftig. Und es sieht nicht danach aus, als wäre die hochkarätige Mannschaft, mit der sich Bahar umgibt, bereit, unkalkulierbare Risiken einzugehen. Aber fünf ganz neue Autos in nur fünf Jahren? Das deutet dann schon auf ein mittleres Wunder hin. Und selbst das dauert bekanntlich etwas länger.

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